Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Süßes im OP und der „Waffenschreck“

Zukunftstag in Göttingen Süßes im OP und der „Waffenschreck“

Hunderte interessierter Schüler waren am Donnerstag in der Region beim Zukunftstag dabei. Dabei sollen die Kinder und Jugendliche Einblicke in zahlreiche Berufe erhalten und auch praktisch tätig werden. Viele Unternehmen und Ämter beteiligten sich am Zukunftstag.

Voriger Artikel
Führerschein für Ponys
Nächster Artikel
Jetzt wird das Gleisbett gestopft

Schüler besuchen beim Zukunftstag das Unternehmen Kappa.

Quelle: HW

Göttingen. Rosa hat am Freitag schulfrei. Das jedenfalls behauptet Pfleger Thomas Janczek, als er der Schülerin des Otto-Hahn-Gymnasiums einen dicken Wundverband um die rechte Hand legt. Rosa wollte am Zukunftstag „unbedingt was mit Medizin“ machen und steht damit nicht alleine da: Gut 50 Kindern wurde in der Osthalle des Uni-Klinikums ein äußerst interessantes und abwechslungsreiches Programm geboten, das über die Pflegeberufe informieren sollte.

Welche Instrumente werden für eine Operation verwendet? Was ist ein Brutkasten für Babys? Und wie belebe ich eigentlich einen Menschen wieder? Wer von den Schülern Interesse an diesen Fragen hat und später als Arzt, Krankenschwester oder Pfleger arbeiten will, der erhielt Antworten. Besonders spannend: Es durfte eine endoskopische OP an einer Puppe durchgeführt werden. Aus deren Leib galt es Süßigkeiten und all die Dinge, die ein Chirurg üblicherweise dort vergisst, herauszufischen. Lecker!

Delikat ist auch das Unterfangen einer Schülergruppe, die den Zukunftstag in Klein Lengden bei Kappa Optronics verbringt: Sie konstruieren eine Kamera zur Bombenentschärfung, den „Waffenschreck“. „Die Kamera scannt, ob in einem Schiffs- oder Zugcontainer Explosives lagert“, erklärt Louis. Mithilfe eines ebenfalls bei Kappa geschriebenen Computerprogramms werde Alarm geschlagen, sobald sich etwas im Container befindet, das auf einer Liste zuvor nicht vermerkt wurde. „So soll es funktionieren“, behauptet Louis. Und kosten? „Eine kleine Kamera 5000 Euro, eine mittlere 7500 und die große 10 000“, sagen die Jungs, während ihre Mitschüler in anderen Workshops löten und programmieren.

Internationaler Gast im Tageblatt

Miguel Reynoso (vorn) hilft in der Redaktion mit.

Quelle: Wenzel

"Ich wollte unbedingt zur Zeitung, weil mir das Schreiben sehr viel Spaß macht", erklärte Carmen Appel. Die 14-Jährige ist extra aus Großalmerode angereist, "weil es bei uns in der Nähe keinen Verlag gibt".

Interessiert lauschten Carmen und die anderen Schüler den Ausführungen von Wirtschaftsressortleiter Sven Grünewald, wie die Tagesplanung in der Redaktion von Statten geht. Producerin Katharina Klocke wies die Kinder in die Geheimnisse des Layouts ein, ehe Fotograf Harald Wenzel davon berichtete, wie er zum Göttinger Tageblatt gekommen ist.

Im Göttinger Tageblatt

Zur Bildergalerie

Die Schüler durften sogar an der vormittäglichen Redaktionskonferenz unter Leitung des stellvertretenden Chefredakteurs Christoph Oppermann teilnehmen. "Ich fand sehr interessant, wie abgesprochen und entschieden wird, was am nächsten Tag ins Blatt kommt", sagte Charlotte Hesse von der IGS Geismar.

Erstaunt zeigten sich die Schüler, wie schnell Texte ins Internet auf die Tageblatt-Website gelangen. Im Anschluss standen eine Führung durchs Druckhaus sowie das Schreiben einer kleinen Meldung über den Zukunftstag auf dem Programm.

Sportreporter aus Mexico

Er hat die weiteste Reise aller Teilnehmer hinter sich. Zugegeben, Miguel Reynoso ist nicht extra aus Mexiko gekommen, um am Zukunftstag hinter die Kulissen des Göttinger Tageblatts zu schauen. Der 15-Jährige aus Puebla lebt derzeit als Austauschschüler in Sattenhausen und besucht das Felix-Klein-Gymnasium. Als begeisterter Kugelstoßer und Footballer gibt es für später aber nur einen Berufswunsch: Sportreporter.

Da bietet sich ein Tag in den Redaktionsräumen an. Wobei, die Räumlichkeiten hat Miguel nur kurz gesehen. Stattdessen begleitete der Latino Fotograf Harald Wenzel und Reporter Rupert Fabig auf ihre Termine bei Kappa und ins Uniklinikum, notierte dabei fleißig Informationen in seinen Block und half anschließend beim Erstellen der Seite. „Ich hätte nicht erwartet, dass so viele Leute an der Umsetzung einer Zeitung beteiligt sind und dass so viel Arbeit anfällt“, kommentierte Nordamerikaner. Abgeschreckt hat ihn das nicht, sein Berufsziel bleibt das gleiche.

Besuch bei Ottobock

Im Eichsfeld sind Ottobock und die Bundespolizei zwei der größten Arbeitgeber.  150 Schüler nahmen dort an den Aktionen teil, auch in vielen kleineren Unternehmen und Einrichtungen gab es spannende Einblicke in den Berufsalltag.

„Da wir nicht so deutlich die Aufgaben für Mädchen und Jungen differenzieren, bieten wir den Zukunftstag für alle Schüler an“, erklärte Stefanie Senhen, die mit ihren Kollegen Kathrin Wagner, Jana Klingebiel und Marcel Jung den Tag für die 60 Schüler zwischen zehn und 14 Jahren vorbereitet hat. In neun AGs haben sich die Kinder nach der Betriebsbesichtigung aufgeteilt, um Einblicke in Firmenbereiche zu bekommen. In der Entwicklungsabteilung, wo sonst Prothesenteile aus Silikon hergestellt werden, waren sie kreativ und gestalteten Namensschilder aus der klebrigen Masse.

„Dazu gehört Fingerspitzengefühl“, sagte Technikerin Martina Zuther. Fotograf Marco Milic erläuterte die Grundlagen bei Produktaufnahmen, und in den Werkstätten konnte ausprobiert werden. „Die Schüler sollen einen umfassenden Eindruck von den Berufsfeldern bekommen, vom Handwerk bis zum Marketing“, so Senhen.

Einen Überblick wollten auch die Bundespolizisten auf dem  Euzenberg vermitteln. 90 Schüler informierten sich über die Aufgaben und Organisation der Bundespolizei, sagte Polizeihauptkommissar Karl-Bernd Wüstefeld. Zu den Themenbereichen gehörten Schutzausrüstung bei Großeinsätzen, Fahrzeuge der Bundespolizei, Selbstverteidigungstechniken für Notsituationen und Beweissicherung. ny

Aus Girlsday wird Zukunftstag:

Diesmal waren es die Jungen, die nicht ausgegrenzt werden sollten. Daher ist in Niedersachsen 2005 aus dem 2001 ins Leben gerufenen Girlsday der Zukunftstag geworden. Ursprünglich war der Tag für Mädchen gedacht, um sich über naturwissenschaftliche und handwerkliche, also üblicherweise von Männern dominierte, Berufe zu informieren. Die Jungs sollen parallel dazu Einblicke in erzieherische und pflegerische Berufe erhalten. Einen eigenständigen Boysday gibt es dennoch seit 2011.

Am Zukunftstag können sich alle Schüler der fünften bis zehnten Klasse beteiligen. Ihre Schulen müssen sie dafür vom Unterricht freistellen. In der Region führten unter anderem Krankenhäuser, die Georg-August-Universität Göttingen, das Max-Planck-Institut, landwirtschaftliche Betriebe, Autohäuser, Stadt und Landkreis Göttingen, Gastronomen, die Polizei, die Firma Kappa sowie das Göttinger Tageblatt den Zukunftstag durch. fab

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Weihnachtsdeko in Göttingen und Umgebung