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„In der Liga spielen wir“

30 Jahre Wallstein-Verlag „In der Liga spielen wir“

Seit 30 Jahren besteht der Göttinger Wallstein Verlag und hat in dieser Zeit sein Programm kontinuierlich ausgebaut. Das ist in einer schwierigen Branche durchaus Grund für Optimismus. Und optimistisch schauen Verleger Thedel von Wallmoden und Thorsten Ahrend, Mitinhaber und Lektor für den Bereich Belletristik, auch in die Zukunft.

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Optimistisch für die Zukunft: Thorsten Ahrend und Thedel von Wallmoden.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. In der deutschen Verlagsbranche, so von Wallmoden, stehen auf der einen Seite die großen „Konzernverlage“. Auf der anderen Seite die kleineren unabhängigen Verlage. Mit ihrem Platz im Kreise dieser Verlage - zusammen mit, beispielsweise Wagenbach, der Frankfurter Verlagsanstalt und Matthes und Seitz – sind die beiden durchaus zufrieden. „In der Liga spielen wir, sind aber anders aufgestellt“, so von Wallmoden. „Wir haben uns in den 30 Jahren ein beständiges Wissenschaftsprogramm aufgebaut, und das macht die Belletristik bei uns möglich.“ Ein Belletristik-Programm, das immer stärker wahrgenommen werde. Vier Jahre mit mehreren Titeln auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und Preise wie der Schweizer Buchpreis: „Wir sind sichtbarer geworden“, sagt von Wallmoden.

„Wir sind sichtbarer geworden“

Editionen der Literatur des 18. Jahrhunderts und das geisteswissenschaftliche Programm sind das Kerngeschäft des Göttinger Verlages. Themenschwerpunkte sind Geschichte, Kulturwissenschaft, Aufklärung und Nationalsozialismus. Auch hier zahle sich die beständige Arbeit aus. So habe Wallstein etwa die Schriftenreihe der historischen Kommission Niedersachsen und Bremen für das Programm gewinnen können.

2004 war Ahrend vom Suhrkamp Verlag nach Göttingen gewechselt. Seitdem hat er den Bereich der zeitgenössischen Belletristik in Göttingen kontinuierlich ausgebaut. Jüngere Autoren wie Dea Loher, Teresa Präauer und Kai Weyand habe man entdeckt und ans Haus binden können, etablierten Autoren wie Ralph Dutli und Lukas Bärfuss noch einmal einen anderen Auftritt verschafft. Dutli etwa war zwar für seine Übersetzungen bekannt, aber erst als eigenständiger Autor wurde er das mit dem Wallstein Verlag. Sein erster Roman „Soutines letzte Fahrt“ war ein großer Erfolg. „Die Zahl der Debüts ist sehr vorzeigbar“, sagt Ahrend. Präauer zähle inzwischen zu den bekanntesten und angesagtesten Autorinnen ihrer Generation.
Der Verlag, so Ahrend und von Wallmoden, glaubt an seine Autoren. „Bei Kai Weyand haben wir als erstes einen Band mit Erzählungen herausgebracht“, so Ahrend. „Und die sind im Handel nicht gerade die Brummer.“ Weyands Band ist jetzt in der 4. Auflage, sein erster Roman „Applaus für Bronikowski“ stand 2015 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.
Natürlich, so von Wallmoden, gebe es für den Verlag noch Luft nach oben, vor allem im Buchhandel. Aber, so ergänzt Ahrend, nach zwölf Jahren mit dem belletristischen Programm, habe der Verlag nun einige Hausautoren. Es sei schön zu wissen, dass der eine oder andere an etwas Neuem schreibe: „Es ist planbarer geworden.“ Und dass die Autoren bei Wallstein bleiben, zeige, dass nicht nur der Verlag, sondern vor allem auch die Autoren die Dauerbeziehung wollen - und Wallstein nicht nur als Sprungbrett benutzen.

Vom Kneipenführer zur anspruchsvollen Edition

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte des Wallstein Verlags 1986 mit einem Göttinger Kneipenführer, den die Studenten Thedel von Wallmoden sowie Dirk und Frank Steinhoff herausbrachten. In erster Linie, um ihre geplanten Doktorarbeiten zu finanzieren. Das Buch wurde ein Verkaufserfolg. Es war eines der ersten Bücher, die in Deutschland mit einem Apple Computer gesetzt wurden.

Die drei Studenten gründeten eine GmbH, der Verlagsname entstand aus Wallmoden und Steinhoff. Zunächst probierten sie sich in der Satztechnik aus, setzten für andere Verlage. Eine ihrer ersten eigenen Verlagsproduktionen war  „Mein scharmantes Geldmännchen“, der Briefwechsel zwischen Gottfried August Bürger und seinem Göttinger Verleger Dieterich. 1992 verließen die Brüder Steinhoff den Verlag.

Breites wissenschaftliches Programm im Angebot

Ausgehend von der Literatur des 18. Jahrhunderts entwickelte Verleger von Wallmoden, der Germanistik und Philosophie studiert hat, ein breites geisteswissenschaftliches Programm. Bibliophil ausgestattete Werkausgaben etwa zu Ludwig Christoph Heinrich Hölty, Adolph Freiherr von Knigge, Joseph Roth und Max Brod komplettieren das literarische Spektrum. Mit Ruth Klügers „Weiter leben. Eine Jugend“ erschien 1992 das erste Buch einer zeitgenössischen Autorin im Wallstein Verlag. Es wurde der erste Bestseller des Verlages. Bis heute wurden allein in deutscher Sprache über 450 000 Exemplare gedruckt.
30 Jahre später hat der Verlag 28 Mitarbeiter, die pro Jahr rund 180 Neuerscheinungen lektorieren, setzen und für die Wahrnehmung in Medien und die Verbreitung im Buchhandel sorgen.
2013 wurde der Wallstein Verlag mit dem Kurt-Wolff-Preis ausgezeichnet. Die Kurt-Wolff-Stiftung verleiht diesen Preis jährlich an einen unabhängigen Verleger für das Gesamtschaffen oder ein herausragendes Verlagsprogramm. Der Wallstein Verlag wurde für seine anspruchsvollen Editionen, die die deutsche Literatur seit dem 18. Jahrhundert mit der Zeit- und Wissenschaftsgeschichte verknüpfen sowie für seine Pflege der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur von der Jury ausgewählt.   chb

Kleine Gala zum Geburtstag

Ralph Dutli

Ralph Dutli

Quelle: r
Teresa Präauer

Teresa Präauer

Quelle: r
Kai Weyand

Kai Weyand

Quelle: r

Das 30jährige Bestehen feiert der Verlag mit der Lesung von drei seiner Autoren. Am Dienstag, 25. Oktober, stellen Teresa Präauer, Ralph Dutli und Kai Weyand ihre Bücher vor und sprechen mit Hanjo Kesting, Thedel von Wallmoden und Lektor Thorsten Ahrend darüber, was den Verlag ausmacht. Präauer wird aus ihrem neuen Roman „Oh Schimmi“ lesen. Ihr Buch über einen jungen Mann in Liebesnöten, der durch den Dschungel der Großstadt taumelt, ist möglicherweise eine Gesellschaftssatire, auf jeden Fall sprachspielerisch, unkonventionell und bunt und war gerade bei der Frankfurter Buchmesse mit reichlich Aufmerksamkeit gesegnet. Weyand liest aus seinem Roman „Applaus für Bronikowski“. Der Roman über den Bestatter und Tagträumer Nies stand 2015 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Ralph Dutli wird seinen Band „Fatrasien“ vorstellen. Dutli hat Texte, die im 13. Jahrhundert in der Stadt Arras geschrieben wurden, ins Deutsche übertragen. Sie sind an feste Reimschemen gebunden, überraschen aber durch Komik, Spott und Lust an Pointen. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr im Tagungshaus Alte Mensa, Wilhelmsplatz 3. chb

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