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500 Jahre Reformation

Thema des Tages 500 Jahre Reformation

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Das Jubiläumsjahr beginnt bereits am diesjährigen Reformationstag, am Montag, 31. Oktober. 

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Das Programm im Jubiläumsjahr eröffnen Superintendent Friedrich Selter (re.) und Dechant Wigbert Schwarze am Montag mit einem Gottesdienst in St. Johannis.

Quelle: Schneemann

Göttingen. Schon im Vorfeld wurde das Theaterstück „Play Luther“ in der Christophoruskirche aufgeführt. Am Montag, 31. Oktober, predigen um 10 Uhr Superintendent Friedrich Selter und der katholische Dechant Wigbert Schwarze gemeinsam in St. Johannis zu Luthers Thesen – der offizielle Start des Festjahres. Viele Veranstaltungen folgen:

  • Am 31. Oktober steht ab 20 Uhr in der Jacobi-Kirche die Abendmusik zum Reformationstag auf dem Programm. Zu hören sind der Kammerchor St. Jacobi und Ulfert Smidt an der Orgel.
  • Weiter geht das Programm am Montag, 31. Oktober , mit der Veranstaltungsreihe „SELBER: singen, lesen, glauben, denken, reden“ . Diese Reihe mit Tischreden zum 500. Reformationsjubiläum beginnt um 18.30 Uhr mit einem Gottesdienst im Christophorushaus. Um 19 Uhr geht es dort weiter mit „Tischreden“ im Kuppelsaal. „Bei Brot und Käse, Wasser und Wein wollen wir ins Gespräch kommen“, so die Veranstalterin, Pastorin Elke Reichardt. Die Reihe läuft an fünf Abenden, so am 31. Januar, 31. März, 31. August und am 31. Oktober 2017.
  • „Luther lesen. Die zentralen Texte“ , heißt eine Veranstaltungsreihe, die 14-tägig am Dienstag organisiert wird. Auftakt ist am 1. November , weiter geht es am 15. und 29. November sowie am 13. Dezember im Wohnzimmer des Pfarrhauses der Corvinusgemeinde, Grotefendstraße 36. Da maximal zehn Gäste teilnehmen können, sollten sich Interessenten unter der Telefonnummer 05 51 / 3 82 65 22 anmelden.
  • Das ganze Jahr über gibt es die Möglichkeit, den Stadtpilgerweg Göttingen zu erkunden. Stationen, Wege und Impulse dazu enthält ein Flyer. Der Weg kann für sich allein gegangen werden sowie mit einer Stadtführerin oder einem Stadtführer. Gruppenführungen sind möglich. Auf dem Weg liegen unter anderem das Gänseliesel, die alte Mensa, die St. Jacobikirche, das alte Reitstallviertel und der Albanifriedhof. Der Flyer ist in der Tourist-Info im Alten Rathaus zu haben.
  • „Evangelische Kirchenmusik nach Luther“ steht vom 30. November bis zum 20. Dezember 2017, jeweils mittwochs um 18 Uhr im Gemeindehaus St. Johannis, Johanniskirchhof 2, auf dem Kalender des Reformations-Jubiläums. Die Vortragsreihe hält der Pastor im Ruhestand Rudolf Schmidt.
  • Prälat Heinz Voges gibt ab März monatliche „Ökumene-Impulse“ in St. Heinrich und Kunigunde, St.-Heinrich-Straße 5. Der Impuls dauert jeweils von 10-12 Uhr. Um 9 Uhr gibt es einen Gottesdienst. Voges sagt: „Das 500-jährige Reformationsjubiläum ist im Kern ein Christusfest.“ Die Reihe beginnt am Mittwoch, 8. März .
  •  Im April soll eine Ausstellung „Sichtlich evangelisch“ in der St. Jacobikirche, Jakobikirchhof, eröffnet werden. Sie wird voraussichtlich vom 2. April bis zum 2. Juli zu sehen sein.
  • Eine weitere Ausstellung wird im April im Städtischen Museum am Ritterplan eröffnet. „1529 – Aufruhr und Umbruch“ lautet der Titel der Schau, die vom  9. April bis 31. Dezember gezeigt wird. Zwölf Jahre nach der Veröffentlichung der Thesen Martin Luthers ist in einigen Gebieten Deutschlands die Reformation auf dem Weg, sich durchzusetzen. In Göttingen hingegen scheint noch alles beim Alten zu bleiben. Mönche können 1525 in der Stadt Unterschlupf finden. Aber auch Anhänger von Thomas Müntzer, dem Reformator, verstecken sich hier. Noch 1529 kommt es zu einem Tumult. In der Folge führt dieses Ereignis ohne Eskalation zu einem Erfolg der Reformation.
  • Auch in den Berufsbildenden Schulen an der Godehardstraße wird eine Ausstellung geplant: „Früher Buchdruck in Deutschland – von Gutenberg zu Luther“ ist der Titel der Präsentation, die vom 3. August bis zum 1. Oktober zu sehen sein wird.
  •  „Martin Luther und das Judentum – Rückblick und Aufbruch“ heißt eine weitere Ausstellung, die vom 20. August bis zum 17. September in der St. Jacobikirche, am Jakobikirchhof gezeigt wird.
  • Wer sich auf die Spuren Martin Luthers begeben möcht, kann auch vom 13. bis zum 16. Juni an einer Reise teilnehmen. Die Tour führt unter anderem zur Wartburg, und nach Eisleben. Informationen unter der Telefonnummer 0176-57748587.

„Aktuelle Antworten finden“

Friedrich Selter, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Göttingen

Friedrich Selter, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Göttingen

Quelle:

Was, wenn es die Reformation nicht gegeben hätte? Wie sähe das Jahr 2015 aus?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Wir ahnen gar nicht, auf welche Lebensbereiche die Reformation sich ausgewirkt hat. Luthers Aufbegehren gegen Hierarchien und seine Formulierung eines „Priestertums aller Gläubigen“ waren starke Impulse für eine neue Gesellschaftsordnung. Diese hat sich zu unserer Demokratie weiterentwickelt. Ein Meilenstein war die Übersetzung der Bibel. Endlich konnten die Menschen verstehen, was in der Kirche gesagt wurde und sich über das, was sie glaubten, anhand eigener Lektüre selbst klar werden. Damit ging Bildung einher. Dass diese der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe ist, sollten wir als Auftrag neu erkennen.

Warum feiern die evangelische und die katholische Kirche gemeinsam das Jubiläumsjahr?
Viel stärker als alles, was unsere Kirchen als Folge der Reformation trennte, ist das, was uns wieder verbindet. Und das ist der Glaube an die Versöhnung in Jesus Christus und der Wunsch, ihm auf dem Weg der Nächstenliebe nachzufolgen. In Göttingen pflegen wir eine lebendige Ökumene. Und zum Jubiläumsjahr gehören auch die anderen Gemeinden, die Reformierten und Baptisten, sowie weitere Netzwerkpartner, wie das Städtische Museum, das Symphonieorchester, die Universität, Pro City und andere. Denn die Reformation hat ja auch damals schon die ganze Gesellschaft erfasst.

Benötigt die Kirche eine neue Reformation?
Ganz klar: Ja! „Die reformatorische Kirche bedarf einer ständigen Reformation“, war schon kurz nach Luther als Grundeinsicht der Kirche erkannt. Wir merken doch, dass wir viele Menschen nicht mehr erreichen, und sie sich von der Kirche bereits weit entfernt haben. Es gilt, den Menschen neu zuzuhören und aktuelle Antworten zu finden.

Welche Botschaft der Reformation ist Ihnen persönlich die liebste?
Die vom Priestertum aller Gläubigen. 1520 schreibt Luther: „Alle Christen sind wahrhaftig geistlichen Standes, und es ist zwischen ihnen kein Unterschied als allein des Amts halber...“ Eine Kirche, die von Ehrenamtlichen, Professionen und Theologen gleichberechtigt geleitet wird, hat für mich Zukunft – wenn sie darauf vertraut, was Luther formulierte: „Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten. Unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen. Unsere Nachfahren werden‘s auch nicht sein; sondern der ist's gewesen, ist's noch und wird's sein, der da sagt: ,Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“

„Aktueller geht es nicht“

Wigbert Schwarze, Dechant im Dekanat der katholischen Kirche Göttingen

Wigbert Schwarze, Dechant im Dekanat der katholischen Kirche Göttingen

Quelle:

Was, wenn es die Reformation nicht gegeben hätte? Wie sähe das Jahr 2015 aus?

Eigentlich möchte ich es mir gar nicht vorstellen. Denn Reformation – unabhängig von Luther – ist immer notwendig. Gerade in unserer Zeit ist das Anliegen des gesamten Glaubens auf dem Prüfstand. Es geht um das ganz persönliche Verhältnis eines freien Christenmenschen zur Person und Botschaft Jesu Christi. Denn die Reformation hat viele Dinge in Gang gebracht: Bildung, Teilhabe und Freiheit, Eintreten für Gerechtigkeit und  Frieden. Aktueller geht es nicht.

Warum feiern die evangelische und die katholische Kirche gemeinsam das Jubiläumsjahr?

Es geht gerade in Deutschland um sichtbare Zeichen der versöhnten Verschiedenheit. Wir feiern auch in Göttingen auf hohem Niveau in der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) und seit vielen Jahren unser gemeinsames Christsein in den einzelnen Stadtteilen.

Benötigt die Kirche eine neue Reformation?

Ich antworte mit einem klaren Ja, immer wieder neu! Denn Reformation ist immer wieder Aufruf zu konkretem Handeln, zu einem besseren Menschsein und Christsein. Der Anspruch der Kirche: Gott will das Heil aller Menschen, muss uns immer wieder antreiben.

Welche Botschaft der Reformation ist Ihnen persönlich die liebste?

Ehrlich gesagt das Wort von Luther – „Wir sind Bettler, das ist wahr.“ – hat sich bei mir tief eingeprägt als Motivation, dass wir vor Gott alles gleichwertige Menschen sind. Ich glaube, dass 500 Jahre Reformation nur von allen Christen begangen werden kann und daher für 2017 das Wort Christusjahr richtig gewählt ist.

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