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Kampf gegen das Wasser in der Region

Thema des Tages Kampf gegen das Wasser in der Region

Hunderte vollgelaufener Keller, überflutete Straße, Erdrutsche, umgekrachte Bäume. Der Dauerregen hat den Einsatzkräften in Südniedersachsen alles abverlangt - viele von ihnen helfen darüber hinaus in schlimmer betroffenen Landkreisen.

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Nächtlicher Einsatz in Westerode.

Quelle: r

Göttingen/Northeim/Westerode. Mehr als 175 Einsätze haben die Männer in der gemeinsamen Feuerwehr-Leitstelle von Stadt und Landkreis Göttingen während des Dauerregens abgewickelt. Rund 75 davon alleine im Stadtgebiet. “Im Landkreis sind es sicher noch mehr, die direkt von den Feuerwehren vor Ort erledigt und uns gar nicht gemeldet wurden”, sagt Feuerwehrsprecher Frank Gloth. Am Mittwochnachmittag waren die Feuerwehren der Stadt noch im Bereich Pfalz-Grona-Breite und Narzissenweg dabei, Keller auszupumpen. Dieser Einsatz dauert noch bis in den Abend, teile Gloth mit.

Dransfeld

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Die Bovender Feuerwehren rückten zu fünf Kellern, drei umgestürzten Bäumen und fünf weiteren Dauerregen-Einsätzen aus, die Straße am Rauschenwasser wurde vorrübergehend gesperrt. Auch in Gleichen waren sieben Ortsfeuerwehren im Einsatz, größere Schäden blieben aus. Die Feuerwehren der Gemeinde Friedland sicherten das Schützenhaus, das durch einen Erdrutsch in Gefahr war. Die Feuerwehren aus Reiffenhausen und Niedergandern mussten vollgelaufene Keller auspumpen.

Im Bereich Dransfeld rückten die Kräfte  zu etwa 18 Einsatzorten aus, 93 Kräfte befüllten unter anderem 400 Sandsäcke. In Adelebsen ging es mit zwei Keller-Einsätzen und einer unterspülten Mauer “vergleichsweise  entspannt” zu, wie Gemeindebrandmeister Thomas Wille sagt. Ähnlich die Lage in Radolfshausen: einige Keller, einige umgestürzte Bäume. Auch dort waren die Feuerwehren gut vorbereitet. Große Überschwemmungen gab es am Mittwoch in Westerode, auch im Bereich Osterode und Teichhütte (Bad Grund)  liefen am Mittwoch noch Einsätze.

40 Stunden auf den Beinen

Nicht nur in ihren Heimat-Gemeinden auch in dem schwer vom Hochwasser getroffenen Landkreis Hildesheim waren und sind die Göttinger Rettungskräfte zur Stelle. Am Dienstag, kurz vor Mitternacht, versammelte Kreisbrandmeister Volker Keilholz in Herzberg 21 Fahrzeuge und 140 Einsatzkräfte der Kreisfeuerwehrbereitschaft Göttingen und machte sich auf den Weg nach Bad Salzdetfurth. Noch am frühen Morgen meldeten sich die Göttinger als einsatzbereit. “Wir waren gegen 1.30 Uhr vor Ort, dann gab es eine schnelle Tasse Kaffee und es ging los”, sagt Keilholz. Am Mittwoch waren er und seine Leute rund 40 Stunden auf den Beinen. Am Donnerstagmorgen geht es weiter: Wasser abpumpen, abgeschnittene Dörfer wieder befahrbar machen, Altenheime sichern.

Auch die Northeimer Feuerwehren waren rund um die Uhr im Stress. “Wir hatten etwa 300 Einsätze”, sagt Kreisbrandmeister Bernd Kühle. Der Feuerwehrchef selbst war am Mittwochnachmittag ebenfalls seit fast 40 Stunden auf den Beinen. Unter anderem retteten die Feuerwehren die Freibäder in Düderode und Dassel vor einer Überschwemmung, vor allem waren es aber auch zahlreiche vollgelaufene Keller und Straßen, die die Feuerwehren in Atem hielten. “Seit heute Morgen sind fast alle Ortsfeuerwehren mit etwa 60 Kräften der Stadt Northeim im Einsatz um vollgelaufene Keller, Garagen und landwirtschaftliche Anwesen abzupumpen”, sagt auch Feuerwehrsprecher Horst Lange. Die Northeimer befüllten Sandsäcke mit ihrer “Sandsackmaschine”, so Kühle. Ein Schwerpunkt der Einsätze lag im Bereich Kalefeld.

Auch den Landwirten in der Region hat der Regen stark zugesetzt. “Die Böden sind so durchweicht, dass wir sie nicht mit den Schleppern befahren können”, sagt Achim Hübner vom Landvolkverband Göttingen. Da der Regen zwar lang anhaltend aber nicht plötzlich einsetzte, sei die Erosion kein großes Problem. “Es wird aber dauern, bis die Bestände trocken und die Böden wieder befahrbar sind, der frühe Weizen ist reif “, sagt er. Für späte Sorten könne das Wetter noch passen, wenn es die nächsten drei Wochen trocken und warm bleibt. bib

Kommentar

Respekt

Gemütlich, so ein Dauerregen, nicht wahr? Wer sich auf dem Sofa einkuschelt und dem sonoren Prasseln auf dem Dach lauscht, wer nicht ins Freie muss, der hat es gut. Klar: Wenn der Keller voll Wasser läuft, wenn der Baum aufs Auto kracht, dann ruft man einfach die Feuerwehr. Die hilft doch immer. In der Stadt Göttingen steht eine Berufsfeuerwehr bereit, in allen anderen Gemeinden nicht. Dort opfern Menschen, die tagsüber einem ganz normalen Job nachgehen, ihre Freizeit für Training und Fortbildung, um im Extremfall Leben zu retten. Die vergangenen zwei Tage sind ein Beispiel dafür, was diese Menschen leisten. Viele waren vom frühen Morgen bis gegen Mitternacht im Hochwasser-Einsatz vor ihrer Haustür. Das alleine verdient Anerkennung. Dass sie dann mitten in der Nacht aufbrechen, um sofort in Hildesheim weiterzumachen, ist nicht selbstverständlich. Wer also das nächste Mal nur müde lächelt, wenn es um Freiwillige Feuerwehren geht, der sollte kurz einmal darüber nachdenken, dass es die gibt, die gerade dann, wenn es ungemütlich wird, ihre Komfortzone verlassen und  einfach anderen helfen. Nicht weil sie Geld dafür bekommen, sondern weil sie es wollen. Respekt. bib

Keine Pumpe darf ausfallen

Bewohner der Amtmannswiese in Westerodezum zweiten Mal  im Kampf gegen das Wasser

„Der Dauerregen hat die Nachbarschaft enger zusammenrücken lassen“, sagt die Westeröderin Heike Vogel und nennt damit den wohl einzigen positiven Aspekt des Nathe-Hochwassers. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen hatten die Bewohner der Amtmannswiese gegen steigendes Wasser kämpfen müssen.

Wasser im Keller – ein Unglück, das die Westeröder Bewohner des Natheufer bereits kennen. Allerdings hatte es bislang  niemand erlebt, dass der Fluss innerhalb von vier Wochen zweimal das Wasser in die Häuser drückt. „Wenn die Nathe steigt, läuft das Wasser in den Oberwasserkanal“, berichtet Ottmar Esseln, einer der betroffenen Anwohner an der Amtmannswiese. Dort fehle eine Rücklaufklappe. „Das heißt, wenn der Kanal voll ist, wird er nicht wieder leer“, erklärt er. Kurz nachdem er es gesagt hat, steht eine der Pumpen für wenige Minuten still. Sofort beginnt das Wasser zu steigen und die Straße zu fluten. Zum Glück ist die Pumpe schnell wieder in Betrieb. „Wir können auf keine Pumpe verzichten“, sagte auch Stadtbrandmeister Kai Walter. Insgesamt würden alle Pumpen von Feuerwehr und THW zusammen eine Leistung von 15 000 Liter Wasser pro Minute schaffen. Dabei habe das THW aus Wolfhagen eine Pumpe mitgebracht, die allein 5000 Liter pro Minute abpumpt.

15 000 Liter pro Minute

Alle  Anwohner der Amtmannswiese haben das gleiche Problem:  Die Häuser stehen mit ihren Bodenplatten nur knapp über dem Grundwasser. Dieses wird auch in die Brunnen geleitet. „Doch wenn die Brunnen zu voll sind, drückt das Wasser ans Haus ran“, so Carsten Senger. Das Haus ist von Drainage umgeben, selbstständige Drainagepumpen pumpen überschüssiges Wasser ab. Doch das reicht nur bis zu einem gewissen Punkt.

Auf eigene Pumpen kann in der Amtmannswiese keiner verzichten. „Ich habe drei Pumpen, eine davon dauerhaft im Schacht“, berichtet Manfred Hartmann. Er ist dieses Mal weitesgehend verschont geblieben. „Wir haben sofort angefangen zu pumpen, als das erste Wasser im Keller stand“, sagt er. Nach dem Aufwischen sei kein neues mehr gekommen. „In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch habe ich den Ofen angemacht, um die Feuchtigkeit gleich wieder zu trocknen.“ Obwohl die Gefahr bei ihm schnell gebannt schien, ging er regelmäßig ans Ende seines Gartens. Anhand der Treppenstufen hinunter zum Fluss beobachtet er den Wasserstand der Nathe, so wie es alle Nachbarn auf der Flussseite machen.

Hemeln/Veckerhagen: Situation im Bereich der Fähre Veckerhagen.

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Dieses Mal blieb auch Carsten Senger verschont. „Es geht meistens um ein paar Minuten“, sagt er. Dieses Mal konnte er sein Rücklaufventil rechtzeitig zudrehen. Anders beim Hochwasser vor vier Wochen. „Da hat es uns erwischt“, erzählt er. Damals drückte das Wasser aus dem Schmutzwasserkanal zurück in die Leitungen. „Wir hatten gerade unseren Dachboden entrümpelt und die Sachen in den Keller getragen“, sagt er. Am nächsten Tag sei das Wasser gestiegen. Doch wenn das Rücklaufventil abgedreht ist, können die Bewohner ebenfalls kein Wasser verbrauchen, denn es würde nicht ablaufen. Selbst der Toilettengang müsse bei Bekannten in umliegenden Straßen erfolgen, wie einige Anwohner berichten. Und auch eine warme Dusche sei zu Hause nicht drin – und das obwohl die meisten bis auf die Knochen durchnässt waren.

Eigenes Warnsystem

Mittlerweile haben die Nachbarn in der Amtmannswiese ihr eigenes Warnsystem aufgebaut. Wenn sich andeutet, dass die Nathe steigen könnte, sprechen sie sich untereinander ab. Und wenn es akut werde und jemand noch nicht reagiert habe, werde auch mal ein Nachbar aus dem Schlaf geholt, erzählen Esseln und Senger. So auch dieses Mal. Feuerwehr, THW und Deutsches Rotes Kreuz  waren mit insgesamt mehr als 70 Einsatzkräften in der kleinen Straße im Einsatz. „Wir können diesen Jungs dankbar sein, dass sie sich hier zwei Tage aufopfern“, sagt Vogel. „Sonst wären hier alle Keller abgesoffen.“ Aber auch aus umliegenden Straßen seien Westeröder gekommen und hätten ihre Hilfe angeboten, berichtet sie. rf

Elementarversicherung ist elementar

Göttingen. Schäden an der Einrichtung und am Mobiliar durch Hochwasser, Überschwemmungen oder starken Regen müssen Mieter oder Immobilieneigentümer in aller Regel selber tragen: Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung decken solche Schäden - anders als Leitungswasserschäden - normalerweise nicht ab. Ausnahme: Ergänzend ist eine Elementarversicherung abgeschlossen.

Derzeit sind bundesweit etwa 40 Prozent entsprechend abgesichert. Hausbesitzer sind zudem verpflichtet, zunächst selbst dafür zu sorgen, dass der Schaden begrenzt bleib – beispielsweise durch das Sichern eines abgedeckten Daches mit einer Plane. War die Kanalisation von der Gemeinde nicht ausreichend dimensioniert und sind dadurch Schäden entstanden, kommen auch Ersatzansprüche gegen die Gemeinde in Betracht, teilt der Mieterverein weiter mit.

Bei Gebäudeschäden durch Hochwasser, Überschwemmungen oder starken Regen müssen Mieter den Vermieter umgehend informieren, nach Möglichkeit schriftlich mit einer detaillierten Beschreibung. Bei Schäden wie nassen Wänden und Tapeten, Fußböden und Decken, durchfeuchtetem Parkett oder eingelaufenem Teppichboden, soweit mitvermietet, hat der Mieter einen Anspruch auf Instandsetzung. - und zwar unabhängig davon, ob der Vermieter für den Wasserschaden verantwortlich ist oder nicht. Er sollte den Vermieter schriftlich bitten, den Schaden zu besichtigen und unverzüglich zu beseitigen. Wenn er dies nicht in angemessener Frist erledigt – in der Regel innerhalb einer Woche – gerät er in Verzug. Dann kann der Mieter unter Umständen selbst den Schaden beseitigen und Kostenersatz verlangen.

Für die Zeit, in der die Wohnung nicht uneingeschränkt benutzt werden kann, darf der Mieter die Miete kürzen. Um die Höhe der Mietminderung zu bestimmen, ist eine Rechtsberatung ratsam. hein

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