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Schon seit fast 50 Jahren Fan des Teams

Thema des Tages Schon seit fast 50 Jahren Fan des Teams

Sie stehen am Spielfeldrand und feuern ihre Mannschaft an. Woche für Woche, ob bei Sonne oder Regen, bei Sieg oder Niederlage. Manche Fußball-Fans der Region sind ihrem Verein schon seit Jahrzehnten verbunden – und haben dem Team bereits zugejubelt, als die aktuellen Spieler noch nicht geboren waren. Wir wollen Ihnen einige Rentner vorstellen, die fleißig regionalen Fußball schauen.

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Am Spielfeldrand: Nur Familienfeiern hindern die Fans daran, ihre Lieblingsmannschaft von der Seitenlinie aus zu unterstützen.

Quelle: Holloway

„Wie viele Spiele ich in Lenglern schon gesehen habe, kann ich gar nicht sagen. Eigentlich bin ich immer dabei“, sagt Dietmar Kordes. Der 65-Jährige sieht am Sonntag früh bei bestem Fußballwetter den 4:1-Sieg der SG Harste/Lenglern – gemeinsam mit rund 50 weiteren Zuschauern. Unter ihnen ist auch einer, der schon seit fast 50 Jahren die Lenglern-Spiele verfolgt: Hans David. „Fußball ist für mich nicht das Wichtigste im Leben, aber das Zweitwichtigste“, sagt der 75-Jährige, der in den 70er-Jahren selbst für Lenglern gekickt hat.
Nur ganz selten stehen die beiden nicht am Spielfeldrand. Solche Ausnahmetage gibt es zum Beispiel, wenn ein Geburtstag oder eine Familienfeier dazwischenfunkt. Das komme allerdings nur „etwa zweimal pro Saison“ vor, verraten die beiden Fans, die jeweils rund 50 Lenglern-Spiele pro Saison sehen. Denn auch auswärts sind die beiden Rentner mit dabei.
„Wenn man im großen Bus zu den Auswärtsspielen fährt, dann kommt schon ein bisschen Fanklub-Stimmung auf“, sagt David – und fügt mit einem Grinsen an: „Ein oder zwei Bier sind dann auch mal mit dabei.“ Die Geselligkeit ist auch für Kordes ein wichtiger Punkt: „Manchmal sitzen wir, wenn das Wetter gut ist, nach dem Schlusspfiff noch stundenlang zusammen.“ Dann feiere man den Sieg, oder man sinniere über die Gründe für die Niederlage. „In jedem Fall halten wir immer zur Mannschaft“, so David.

„Wenn man im großen Bus zu den Auswärtsspielen fährt, dann kommt schon ein bisschen Fanklub-Stimmung auf.“ Hans David verfolgt seit fast 50 Jahren die Spieler der SG Harste/Lenglern.

„Wenn man im großen Bus zu den Auswärtsspielen fährt, dann kommt schon ein bisschen Fanklub-Stimmung auf.“
Hans David verfolgt seit fast 50 Jahren die Spieler der SG Harste/Lenglern.

Quelle: Holloway

Dass der Verein sich über diese Treue freut, steht außer Frage. Bestes Beispiel dafür? Die edlen Fans wurden mit offiziellen SG-Trainingsanzügen ausgestattet. Aus sportlicher Sicht war das bisherige Highlight für das Fan-Duo der Aufstieg der SG Lenglern in die Bezirksliga vor drei Jahren. Kritisch sehe man hingegen, dass inzwischen selbst in den unteren Ligen Geld eine große Rolle spiele. Wobei interessant ist, dass diese beiden Faktoren natürlich unmittelbar miteinander zusammenhängen.
Neben der SG Harste/Lenglern spielt am Sonntag im Übrigen auch noch die erste Lenglerner Mannschaft, die SG Lenglern. Hans David verpasst dieses Spiel, es ist also einer dieser Ausnahmetage. Dass er nicht dabei ist, hat aber – natürlich – einen guten Grund: Der VfL Wolfsburg hat in der Fußball-Bundesliga ein Sonntags-Spiel. „Ich habe eine Dauerkarte – und die will natürlich auch genutzt werden“, lässt der 75-Jährige keinen Zweifel an seiner Fußballverliebtheit.

Gerda Brocks (rechts)

Gerda Brocks (rechts)

Quelle: r

Hochschwanger und mit Wehen 05-Derby geguckt

„Der 1. SC 05 ist etwas, das zu mir gehört. Er ist wie eine Familie“, sagt Gerda Brocks über ihre besondere Verbindung zum Göttinger Traditionsklub. Die 76-Jährige wird als „treue Seele des Vereins“ bezeichnet, schließlich ist sie schon seit 1962 Fan der Schwarz-Gelben. „Ich war damals sofort infiziert, habe enorme Freude am Fußball entwickelt und alle Höhen und Tiefen miterlebt“, sagt sie.
Die verrückteste Geschichte erlebte Brocks in den 1964 beim Derby gegen die SVG: Es gab Hagel und Schnee, sie war hochschwanger, und die Wehen setzten ein. „Ich dachte schon, dass ich vor lauter Aufregung beim Spiel das Kind bekommen würde“, sagt sie lachend.
Aktuell schaut die Mittsiebzigerin nicht nur Spiele der ersten Herrenmannschaft, sondern auch jene der Nachwuchsteams. Und sie hat zu etlichen aktuellen wie früheren 05-Spielern eine ganz besondere Beziehung: eine freundschaftliche. Auch deshalb besteht kein Zweifel daran, dass Brocks in Zukunft den 1. SC 05 anfeuern wird. „Ich habe immer gesagt: Ich möchte im Alter nicht am Fenster stehen, um zu sehen, wer falsch parkt – sondern mit der Jugend zusammen sein.“

Kapitän Florian Evers führt derzeit die Schwarz-Weißen an.

Kapitän Florian Evers führt derzeit die Schwarz-Weißen an.

Quelle: Theodoro da Silva

Fans, Bautrupp und eine große Familie

Kaum eine andere Göttinger Fußballmannschaft verfügt über so treue Fans wie der Oberligist SVG Göttingen: Für die SVGer ist der Sandweg so etwas wie ihre zweite Heimat, und berühmt sind sie als „Bautrupp“. Unter dieser Bezeichnung kümmern sich in der Mehrheit Rentner um Rasenpflege oder Instandsetzungsarbeiten.
Am Spieltag stehen sie in der sogenannten Wandsbeker Kurve und diskutieren. „Da geht es dann nur um Fußball, aber wenn man vor der Vereinsgaststätte sitzt, gibt es auch andere Themen“, erläutert der Klubvorsitzende Reinhold Napp.
Die Mitglieder des „Bautrupps“ sind mit der SVG alt geworden. „Für den Verein sind sie sehr wichtig, weil sie sich mit ihm und auch mit der ersten Mannschaft total identifizieren. Sie halten bedingungslos zum Trainer“, sagt Napp. Die Schiedsrichter bekommen bei der SVG regelmäßig ihr Fett weg – die eigentlich vornehme Zurückhaltung im Alter wird dann mal kurz ignoriert.

Angreifer Martin Wiederhold ist für packende Zweikämpfe bekannt.

Angreifer Martin Wiederhold ist für packende Zweikämpfe bekannt.

Quelle: Theodoro da Silva

Die Schwarz-Weißen vom Sandweg sind in dieser Beziehung wie eine große Familie, in der man sich regelmäßig sieht und mit der das Team im Bus auch zu Auswärtsspielen begleitet wird. Über die Jahre hinweg haben sich viele private Freundschaften entwickelt. „Für die Leute ist das ganz einfach“,
sagt Napp über die SVG-Oldies: „Das ist meine SVG und basta!“ war

Von Timo Holloway

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