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Faire Spiele und ein voller Erfolg

Girls Kick in Göttingen Faire Spiele und ein voller Erfolg

Mehr als 500 Schülerinnen haben in 47 Teams am Girls Kick teilgenommen. Die elfte Auflage des bundesweit größten Fußball-Turniers für Mädchen, das auf der Außenanlage des Sportzentrums der Universität ausgetragen wurde, bot einmal mehr eine extreme Leistungsspanne: von Anfängerin bis Auswahlspielerin.

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Quelle: CH

Spaß haben nicht nur die Aktiven der Jahrgangsstufen fünf bis acht, sondern beim genauen Hinsehen auch die Betreuer und Zuschauer: Ein Mädchen etwa bittet kurz vor ihrer Einwechslung darum, doch „bitte ausgetauscht“ zu werden. Ein anderes will von der gegnerischen Grundlinie aus einwerfen statt einen Eckball zu treten. Und eine Nachfrage einer Schülerin war hoffentlich nicht ganz ernst gemeint: „Wo ist denn der Schiedsrichter unseres nächsten Spiels? Wir wollen ihn noch bestechen.“

Trauben aus Spielerinnen bilden sich auf den acht Fußballfeldern immer wieder. Und schnell wird deutlich, dass auf die kleinen Tore eine gute Schusstechnik von großem Wert für den Mannschaftserfolg ist. Denn ein 0:0 ist keine Seltenheit.
„Der Ball ist leichter als bei Punktspielen. Und wir haben heute keinen Trainer“, vergleicht Celine Opitz, die für das Hainberg-Gymnasium aufläuft, das Turnier mit ihren Spielen beim SC Hainberg. Die Abstimmung darüber, welche Spielerin aus- oder eingewechselt wird, folge in ihrem Team einem Prinzip: „Wenn wir zurückliegen, kommen die guten Spielerinnen rein. Wenn wir führen, die schwächeren“, sagt Opitz.

Kein Widerspruch zur Gleichberechtigung

Das HG stellte ein Fünftel aller Teams. Aber auch aus dem Landkreis waren Mannschaften vor Ort. Manche starteten unter dem Namen ihrer Schule. Andere eiferten Profispielern nach: „Ronaldos Girls“ hieß ein Team, und eine Mannschaft des Otto-Hahn-Gymnasiums „Ottos Poldis“. Auch das „Aggro-Team“ war mit dabei.

Wenn sie mal gerade nicht im Einsatz waren, rollten die Mädels freudvoll die Böschung runter, hielten Hula-Hoop-Reifen in Bewegung oder spielten Fußball-Billard. „Das Attraktivste am Rahmenprogramm war in Anbetracht der Hitze aber die Außendusche“, verriet Britta Thür, die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, welche das Turnier gemeinsam mit dem Landkreis Göttingen, Universität, Hochschulsport, dem Frauengesundheitszentrum sowie dem Niedersächsischen Fußball-Verband veranstaltet hat. Thür sprach von einem „vollen Erfolg und fairen Spielen“. Letzteres sei seit der Erstauflage des Turniers auch ein Hauptanliegen.

Zur Frage, ob ein reines Mädchen-Turnier, welches Geschlechtergrenzen verstärkt, im Sinne der Gleichberechtigung der Königsweg ist, hat Thür einen klaren Standpunkt: „Im Sport gibt es immer Männer- und Frauenteams. Wir wollen vor allem, dass der Frauenfußball mehr Wertschätzung erfährt.“

Turnier fest eingeplant

Der Girls Kick wurde 2006, im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, ins Leben gerufen. „Wir wollten einen Gegenpart zur WM entwickeln. Mittlerweile ist das Turnier in den Terminkalendern der Schulen fest eingeplant“, blickt Sandra Hallmann vom NFV-Kreis Göttingen-Osterode auf eine überaus positive Entwicklung des Turniers zurück. Erfreulich sei ihr zufolge zudem, dass inzwischen in einigen Schulen explizit auf das Turnier hintrainiert werde.

Vermutlich auch deshalb ist, wie Hallmann resümiert, das spielerische Niveau „von Jahr zu Jahr gestiegen. Das sieht immer stärker nach Fußball aus“, sagt sie. Zu Beginn hätten laut ihrer Einschätzung „vielleicht 15 Prozent der Teilnehmerinnen“ im Verein Fußball gespielt. Heute sind es definitiv mehr.

„Man erkennt auch viele Gesichter aus Kreisauswahl- und Stützpunkt-Training“, sagt sie. Auf organisatorischer Ebene habe sich seit der Erstauflage vieles besser eingespielt. Mit einem Lachen erinnert sich Hallmann noch an das Turnier 2006: „Da waren wir am Ende zwei Stunden hinter dem Zeitplan.“

Eine Anekdote von der ersten Austragung kann auch Helga Steininger vom Kommunalen Kinder- und Jugendbüro des Landkreises Göttingen beisteuern: „Am Anfang haben viele Mädchen mit Ballerinas gespielt“, erinnert sie sich. „Dann hat es geregnet, es wurde glatt, und es hat viele Zerrungen gegeben.“ Auch deshalb erlaube das Organisationsteam inzwischen Noppenschuhe – Eisenstollen aber natürlich nicht.

Die Siegerinnen

In der Altersklasse I der Jahrgangsstufen fünf und sechs siegten die HSR-Girls von der Heinz-Sielmann-Realschule Duderstadt. Sie setzten sich im Finale gegen die Krassen Felix-Kicker vom Göttinger Felix-Klein-Gymnasium durch. Dritter wurde das MPG I.

Sieger in der Altersklasse II (Jahrgangsstufe sieben und acht) gewann das Team „Gesa Kommt“, das seinen Namen dem Vornamen einer Betreuerin verdankt. Zweiter und Dritter wurden zwei Mannschaften mit demselben Namen: Girls Power (IGS) und Girls Power (KGS Gieboldehausen).

Das sagen die Spielerinnen

„Ich finde es gut, dass wir hier nur Mädchen sind. Jungs ballern immer auf den Ball drauf“, sagt Mirjam Matusche. Ihre Teamkollegin Felicitas von Eckardstein fügt hinzu: „Wenn wir mit Jungs spielen, lassen sie die Mädchen oft aus, spielen nicht zu ihnen ab.“ Entsprechend fände Felicitas den Girls Kick als reines Mädchenturnier „super. Wir wollen einfach Spaß haben“, sagt sie. Ein Mädchen-Team spiele, wie Mirjam sagt, „zwar zum Teil auch hart und ballert drauf. Aber wir spielen auch immer alle zusammen.“ Mit drei Siegen und zwei Unentschieden schafften die beiden Mädchen den Sprung ins Halbfinale, für das sich jeweils nur die Gruppenersten qualifiziert haben. Ob die beiden nächstes Mal wieder mit dabei sind? „Auf jeden Fall“, schießt es aus beiden fast gleichzeitig heraus. „Es war sehr schön – aber aufgrund des Wetters auch ziemlich anstrengend“, fand Marthe Piper. Die Elfjährige ist zwar Fan von Borussia Dortmund, sieht das Thema Männerfußball aber durchaus kritisch: „Ich schaue manchmal im Fernsehen Fußball. Und da haben die Männer viel mehr Aufmerksamkeit, sie machen eine viel größere Show. Durch dieses Turnier wird darauf aufmerksam gemacht, dass Frauen genauso Fußball spielen können“, sagt die Vereinsspielerin der SG Diemarden/Groß Schneen. Entsprechend finde sie den Girls Kick „sehr gut für Mädchen. Es herrscht eine gute Stimmung hier. Alle haben einfach Spaß am Fußballspielen“, so Marthe, die sich nach den Spielen mit einer süßen Waffel stärkt. th

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