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Straffer Zeitplan für geplante Strom-Autobahn

Tennet informiert über Korridore Straffer Zeitplan für geplante Strom-Autobahn

Südlink – unter diesem Stichwort wird derzeit über zwei Varianten für eine Erdkabel-Trasse informiert. Mit dem Südlink soll der Strom aus den Offshore-Windparks der Nordsee nach Baden-Württemberg und Bayern transportiert werden. Die Korridore, die dafür in Frage kommen, sind etwa 1000 Meter breit, die spätere Kabeltrasse wird eine Breite von 30 bis 50 Meter haben.

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Vorher: Bauarbeiten für eine Erdkabel-Trasse, in die 320-Kilovolt-Kabel (Mitte) verlegt werden. Nachher: Blick auf den selben Trassenabschnitt nach einem Jahr.

Quelle: Tennet/be

Northeim/Göttingen. Netzbetreiber Tennet informiert derzeit über die möglichen Erdkabel-Korridore während einer achtwöchigen Beteiligungsphase. Dabei haben die Bürger schon jetzt die Möglichkeit, sich ausgiebig mit den potenziellen Trassen und den Argumenten für oder gegen deren Verlauf auseinanderzusetzen. Bei Vor-Ort-Veranstaltungen wie vor wenigen Tagen in Göttingen erläutern die Tennet-Mitarbeiter die einzelnen regionalen Abschnitte. Dabei sollen schon in diesem frühen Stadium Hinweise aus der Bevölkerung und von den Akteuren vor Ort aufgenommen und für die spätere Detailsplanung aufgenommen werden.
Während dieser frühen Beteiligungsphase – noch bis zum 29. November – besteht auch die Möglichkeit, sich über die Südlink-Projektseite im Internet umfassend zu informieren. Über den dortigen Link zum Geographischen Informationssystem (GIS) lassen sich die Trassenabschnitte im Detail ansehen. Auch Hinweise können dort eingegeben werden. Wer das tut, erhält nach Prüfung durch das Projektteam eine Nachricht per E-Mail.
Auf Grundlage der vorzeitigen Beteiligung wird sich die Bundesnetzagentur nach öffentlichen Antragskonferenzen für einen Erdkabel-Korridor entscheiden. Für diesen wird dann von Tennet  eine detaillierte Planung erstellt, mit der es dann in das sogenannte Planfeststellungsverfahren geht. Im Idealfall wäre das im Frühjahr 2017 der Fall. Beim Planfeststellungsverfahren wird innerhalb des festgelegten Korridors der exakte Verlauf der Erdkabel grundstücksgenau bestimmt. Dabei haben Bürger, Kommunen und Verbände vor Ort wiederum die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Am Ende steht der Planfeststellungsbeschluss, den sich Tennet etwa 2020 erhofft. Für den Bau der Strom-Autobahn werden dann weitere vier bis fünf Jahre kalkuliert.

Die Abschnitte

Abschnitt 69

Verlauf : Länge 54,1 km; Verlauf zwischen Wolbrechtshausen und Lütgenrode, Gladebeck und Parensen, Harste und Lenglern, Esebeck und Elliehausen, Hetjershausen und Groß Ellershausen, Mengershausen und Rosdorf, Dramfeld und Klein Schneen.
Beispiele für Besonderheiten und Raumwiderstände : Durch den gewählten Verlauf wäre abschnittsweise die Bündelung mit vorhandenen oder geplanten Freileitungen, zum Beispiel Wahle-Mecklar, möglich. Es ist zu prüfen, ob eine Bündelung Vorteile bringt. Bei Dramfeld soll der Korridor die Dramme, die als FFH-Gebiet ausgewiesen ist, an einer möglichst schmalen Stelle queren. Der Korridor quert außerdem zum Beispiel das Überschwemmungsgebiet Espolde, den Naturpark Münden und ein Wasserschutzgebiet. Raumwiderstände sind im Verlauf des Korridors Siedlungsgebiete, unter anderem mit Friedhöfen bei Lütgenrode, Harste, Hetjershausen und Sieboldshausen. Außerdem liegen Vorranggebiete für Windenergienutzung bei Northeim, Moringen und Nörten-Hardenberg sowie für Tourismus und Erholung bei Moringen, Bovenden, Göttingen und Friedland im Korridor. Zu prüfen sind zudem technische Engstellen wie etwa die Querung der ICE-Bahnstrecke.

Abschnitt 70

Verlauf : Länge 41 km; von Norden kommend östlich an Katlenburg-Lindau vorbei bis westlich Bilshausen; weiter Richtung Süden an Bilshausen und Gieboldehausen vorbei bis Höhe Rolls-hausen.
Beispiele für Besonderheiten und Raumwiderstände: Auf einem kurzen Stück muss östlich von Nienstedt am Harz ein Waldgebiet gequert werden, was möglichst entlang einer Landstraße angestrebt wird. Östlich von Lindau gibt es mehrere schmale, langgestreckte Schutzgebiete an der Oder und der Rhume. Diese können nicht umgangen werden und sollen daher östlich von Lindau an einer schmalen Stelle gequert werden. Zwischen Bodensee und Gieboldehausen schwenkt der Korridor nach Osten, um das großflächige EU-Vogelschutzgebiet Unteres Eichsfeld zu umgehen. Bis zum Gelenkpunkt östlich von Rollshausen verläuft der Korridor in Bündelung mit der B 247. Querungen von Landschaftsschutz- und Überschwemmungsgebieten sowie erosionsgefährdeten und verdichtungsempfindlichen Böden wie etwa bei Katlenburg-Lindau, Gieboldehausen und Rollshausen, werden in Kauf genommen, um den Anteil der Siedlungsflächen und Schutzgebieten im Korridor zu minimieren.

Abschnitt 78

Verlauf : Länge 53,3 km; von Rollshausen Richtung Süden, westlich an Nesselröden und östlich an Berlingerode vorbei.
Beispiele für Besonderheiten und Raumwiderstände : Siedlungs- und Gewerbeflächen zum Beispiel bei Rollshausen, Werxhausen und Esplingerode befinden sich zwar im Korridor, es wird jedoch ein ausreichend großer Passageraum gesehen.
Erosionsempfindliche Böden bei Duderstadt  und Teistungen, schutzwürdige Böden außerdem bei Obernfeld. Bei Teistungen gelten unter anderem oberflächennahe Rohstoffe als Raumwiderstand.

Abschnitt 80

Verlauf : Länge 48,1 km; von Rollshausen in südöstliche Richtung, nördlich an Duderstadt sowie westlich an Obernfeld und Mingerode vorbei, dann zwischen Leinefelde-Worbis und Kirchworbis die A 38 querend.
Beispiele für Besonderheiten und Raumwiderstände : Im Korridor liegen mehrere Schutzgebiete, darunter das Naturschutzgebiet „Grenzstreifen zwischen Teistungen und Ecklingerode“, die an schmalen Stellen gequert werden müssen. Bei Duderstadt liegen avifaunistisch bedeutsame Brutgebiete, bei Rollshausen, Obernfeld und Duderstadt gelten feuchte verdichtungsempfindliche Böden  als Raumwiderstand.

Planungsvorgaben

Der Gesetzgeber hat im Dezember 2015 festgelegt, dass beim Bau von neuen Gleichstromverbindungen Erdkabel Vorrang haben. Die Bundesnetzagentur hat daraufhin den Rahmen für die Suche nach möglichen Südlink-Erdkabel-Korridoren festgelegt und Vorgaben für die Bundesfachplanung, also den groben Trassenverlauf, gemacht. Die Arge Südlink, der die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW, Gutachter und Planungsbüros angehören, haben die vorliegenden Südlink-Korridore erarbeitet, über die derzeit informiert wird. 50 Kriterien, sogenannte Raumwiderstände wie geografische Gegebenheiten oder Ballungsräume, wurden bei der Trassenfindung gewichtet und abgewogen. Im nächsten Verfahrensschritt wird im Planfeststellungsverfahren über den detaillierten Verlauf diskutiert und am Ende entschieden. be

Technik

Internet

Die Erdkabel-Trassensegmente in Südniedersachsen mit den Nummern 69, 70, 78 und 80 haben eine Gesamtlänge von 66,4 Kilometern. Zum Einsatz kommen werden Hochspannungsgleichstromübertragungs (HGÜ)-Erdkabel, die den Strom über weite Strecken von Punkt zu Punkt übertragen. Derzeitiger Stand der Technik sind 320-Kilovolt (kV)-Kabel, mit denen Tennet aktuell plant. Erste 525-kV-Kabel gibt es zwar am Markt, es gibt aber noch keine Erfahrungen damit. Südlink besteht aus zwei Verbindungen, die in offener, wo erforderlich aber auch geschlossener Weise durch Bohrung verlegt werden. Die Kabel kommen in einen Graben und haben einen Mindestabstand von etwa 0,5 Meter zueinander. Die Grabensohle beträgt etwa einen Meter, die Kabel werden mit Erde in einer Höhe von mindestens 1,30 Metern überdeckt. Fünf bis acht Meter Abstand benötigen die Kabelgräben zueinander, die äußeren Schutzabstände betragen drei Meter, so dass die gesamte Trassenbreite mit bis zu vier Kabelgräben am Ende etwa 30 Meter beträgt.  be

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