Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Wie geht es weiter mit dem Kunstquartier?

„Göttingen leidet nicht unter zu viel guter Architektur“ Wie geht es weiter mit dem Kunstquartier?

Wie geht es weiter im Kunstquartier (Kuqua)? Wie wird das Galeriegebäude aussehen? Welche Folgen hat das Quartier für das Viertel? Beim ersten Kuqua-Treff haben Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), Stadtbaurat Thomas Dienberg und Verleger Gerhard Steidl einen Zwischenbericht vor rund 60 Bürgern gegeben.

Voriger Artikel
Genuss und Leidenschaft an 100 Ständen
Nächster Artikel
Emotionen beim Einkauf

In der Baulücke an der Düsteren Straße 7 in Göttingen soll das Galeriegebäude entstehen: Die Straße werde damit zur Architekturmeile, meint Verleger Gerhard Steidl.

Quelle: Wenzel

Göttingen. „Göttingen leidet nicht unter zu viel guter Architektur“, sagte Köhler. Um hier Abhilfe zu schaffen, setzen Köhler, Dienberg und Steidl auf das neue Galeriegebäude, das als 3,2 Millionen Euro teurer, fensterloser Bau in der Düsteren Straße als Herzstück des Kunstquartiers entstehen soll. Drei Gewinner eines Architektenwettbewerbes stehen fest, welcher Entwurf gebaut wird, hingegen noch nicht. „Es muss nicht sein, dass der Siegerentwurf gebaut wird“, sagte Dienberg. „Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch.“

„700 Jahre Baugeschichte. Mit Wunderbarem und Wunderlichem.“
Rolf-Georg Köhler, Oberbürgermeister, über die Architektur an der Düsteren Straße

Bei dem Wettbewerb hatte das Atelier 30 Architekten aus Kassel vor dem Leipziger Atelier ST und den Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten aus Nürnberg die Jury überzeugt. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Dienberg. Der Kasseler Entwurf sieht ein Gebäude aus sogenanntem Stampfbeton vor. „Beton ist einer der innovativsten Baustoffe“, schwärmte Steidl.
Zusammen mit dem Galeriegebäude und einem von Star-Architekt Peter Zumthor im Auftrag der Verlegerin Nina Holland geplanten Eckhaus an Düsterer Straße und Turmstraße entstehe eine „Architekturmeile“, sagte Steidl. „Endlich kommt gute Architektur in die Stadt.“

Hier finden Sie alle Entwürfe für das neue Galeriegebäude des Kunstquartiers in Göttingen.

Zur Bildergalerie

„Beide neuen Gebäude entsprechen nicht dem Zeitgeist“, sagte Köhler. Über Architektur ließe sich streiten. Er sei aber überzeugt, dass beide Häuser an die Düstere Straße passen werden. So seien dort schon jetzt „700 Jahre Baugeschichte“ vertreten. „Mit Wunderbarem und Wunderlichem.“
Während die Frage nach dem Galeriegebäude derzeit im Mittelpunkt der Diskussion steht, ist weder die Organisationsform des Kunstquartiers noch die Finanzierung der laufenden Kosten für den Betrieb des Galeriegebäudes geklärt. Für die Betriebskosten sei die Verwaltung derzeit mit mehreren Stiftungen im Gespräch. Fest stehe, dass Steidl weder den Betrieb der Galerie übernehme noch als Kurator auftrete. Wohl aber werde er seine Kontakte einbringen, sagte Köhler.
Der Bund fördert das Projekt Kunstquartier aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ mit 4,5 Millionen Euro. 500.000 Euro steuert die Stadt Göttingen bei.

Streit um Galeriegebäude

Stadtbaurat Thomas Dienberg weist die Kritik von Ratsmitgliedern an den weiteren Planungen zum neuen Galeriegebäude für das Kuqua zurück. Die Politiker aus der CDU/FDP-Gruppe und den Grünen hatten bemängelt, dass die Politik bei der Entscheidung, welcher der drei Siegerentwürfe des Architektenwettbewerbs umgesetzt wird, keinerlei Einflussnahme mehr habe.
Bei diesem Verfahren nach der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) handele es sich um ein „stark reglementiertes“ Vergabeverfahren der EU, erläutert Dienberg. Es bestehe aus zwei Stufen: dem Teilnahmewettbewerb mit einem Architektenwettbewerb, um Teilnehmer für das sich anschließende Verhandlungsverfahren auszuwählen. An diesem sind dann die ersten drei Preisträger des Wettbewerbes beteiligt.

Einladung an alle Ratsfraktionen

„Für beide Verfahrensschritte müssen die Auswahlkriterien vorab festgelegt und den Teilnehmern mitgeteilt werden. Sie dürfen sich nur auf die zu erbringenden Leistungen beziehen und können nachträglich auch in der Gewichtung der einzelnen Kriterien nicht verändert werden“, sagt Dienberg. Die Politik sei in die Vorbereitung des Verfahrens durch Vorstellung der Ausschreibungskriterien eingebunden gewesen, in die Auswahljury seien die Fraktionen als Gäste mit Rederecht eingeladen worden.
Er räumt ein, bei der Vorstellung der Siegerentwürfe „wohl den Eindruck eines grundsätzlichen Entscheidungsspielraumes der Politik bei der Auswahl des Entwurfs beziehungsweise des Auftragnehmers erweckt“ zu haben. Die Vorgaben des VOF-Verfahrens sähen das aber nicht vor. Axel Ebeler, Referent beim niedersächsischen Städtetag, bestätigt das: In dem „geschlossenen System“ VOF-Verfahren sei die Verwaltung Herr des Verfahrens. Die Politik könne sich aber vorab bei der Erarbeitung der Ausschreibungskriterien einbringen.

Informationen nach der Sommerpause

Nach der Sommerpause, so Dienberg, sollen Bau-, Kultur- und Verwaltungsausschuss über das Ergebnis des Verhandlungsverfahrens und über die Kriterien, die für das Ergebnis ausschlaggebend waren, informiert werden. Noch vor der Sommerpause, am 16. Juni, beginnen bereits die Verhandlungen mit den drei Preisträgern. Das Ergebnis werde den Teilnehmern mitgeteilt, nach Ablauf der Einspruchsfrist von 14 Tagen erfolge die Beauftragung, sagte Dienberg.

Stadt übernimmt Düstere Straße 8

Rückwärtiger Blick auf das Gelände des Kunstquartiers mit angrenzendem Gebäude.

Rückwärtiger Blick auf das Gelände des Kunstquartiers mit angrenzendem Gebäude.

Quelle: Wenzel

Die Stadt Göttingen wird das Fachwerkgebäude Düstere Straße in Erbpacht übernehmen. Dadurch sichert sie sich nach Auskunft von Stadtbaurat Thomas Dienberg einen „zeitnahen Zugriff“ auf das Gebäude. Für den Neubau des Galeriegebäudes sei zunächst die Sanierung der südlichen Giebelwand des Hauses erforderlich, diese sei allein nicht standsicher. „Der jetzige Eigentümer des Gebäudes ist nicht bereit, die notwendige Sanierung zeitnah durchzuführen; zu einem Verkauf an die Stadt ist er ebenfalls nicht bereit“, schildert Dienberg die Verhandlungsergebnisse. Zu Pachtzinsen und Mieten macht er keine Angaben.
Im Ausgaben- und Finanzierungsplan für das Kunstquartier sind 400.000 Euro für den Posten „Ankauf und statische Sicherung Düstere Straße 8“ vorgesehen. Diese Summe werde „für ebendies“ ausreichen, so Dienberg. Die zusätzliche Sanierung der südlichen Giebelwand werde damit aber nicht vollständig finanziert werden können. „Die darüber hinausgehenden rund 180.000 Euro wollen wir durch Einsparungen bei anderen Maßnahmen des Förderprogramms decken.“
Die Gesamtsanierung des Gebäudes sei nicht Gegenstand des Förderantrages für das Kunstquartier gewesen und somit auch nicht Bestandteil des Zuwendungsbescheides. „Belastbare Gesamtkosten hierfür können wir nach Abschluss der umfassenden Bestands- und Schadenserhebung und der entsprechend notwendigen Sanierungsplanung nennen“, erläutert Dienberg. Zur Finanzierung sollen unter anderem weitere Fördermittel eingeworben werden, anteilig etwa aus dem Sanierungsprogramm „Südliche Innenstadt“. Ein Abriss des Hauses komme aber nicht in Frage.

Der Zeitplan

  • Im dritten Quartal 2018 soll das neue Galeriegebäude an der Düsteren Straße fertig sein. Das geht dem von der Stadtverwaltung vorgesehenen Bauverlauf hervor.
  • Danach ist die Grundsteinlegung für das neue Haus im dritten Quartal 2017 vorgesehen, das Richtfest im vierten. Bereits im Juni will die Stadtverwaltung den Bauauftrag für das Gebäude vergeben. Es folgen der Abbruch der Stützkonstruktion für das Haus Düstere Straße 8 und die Baugrubenumschließung. Grabungen der Archäologie sind für Ende 2016, Anfang 2017 geplant.
  • Ebenfalls noch in diesem Jahr sollen die Planungen für die das Kuqua umgebenden Straßen beginnen. Konzepte, wie Düstere Straße, Nikolai- und Turmstraße sowie der Nikolaikirchhof an die „zentralen Lagen der Innenstadt“ angebunden werden können, sollen bis Mitte 2017 erarbeitet werden.
  • Das Kuqua-Teilprojekt „Förderung privater Fassaden- und Dachsanierungen“ startet im dritten Quartal 2016. Förderschwerpunkt ist die Erhaltung von „historisch wertvoller Gebäudesubstanz“ in Kombination mit Energiesparmaßnahmen. Beratungen und die Erstellung von Gutachten soll es geben.
  •  Ab dem kommenden Jahr stehen die Planungen zur Freiraumgestaltung und der Wasserkunst im Kuqua-Innenhof an. Sie umfassen die Zugänge zum Innenhof, den Spielplatz und den weiteren Innenhof. Eine Bürgerbeteiligung ist vorgesehen.

Workshop für Spielplatz

Der Spielplatz soll erhalten bleiben.

Der Spielplatz soll erhalten bleiben.

Quelle: Wenzel

Der Spielplatz zwischen Düsterer Straße und Nikolaistraße soll auch nach Fertigstellung des Kunstquartiers erhalten bleiben. „Das ist unser Wille“, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg-Köhler (SPD) bei dem Infotreffen und reagierte auf die Befürchtungen von Eltern, die sich um die Zukunft eines der wenigen Spielplätze in der Innenstadt sorgen. Köhler geht davon aus, dass sich die Grünflächen „fast verdoppeln“ werden und stellte einen Workshop für künftige Gestaltung der Plätze in Aussicht. Stadtbaurat Thomas Dienberg schloss nicht aus, dass es für die Bauzeit im Kuqua einen Ersatzspielplatz geben wird. Im Ausgaben- und Finanzierungsplan von Ende 2014 sind für „Freiraumgestaltung und Wasserkunst“ 460.000 Euro vorgesehen. Damit, so Dienberg, könne auch eine Erweiterung des Spielplatzes finanziert werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Diskussion um Göttinger Kunstquartier
Siegerentwurf für das geplante Galeriegebäude im Kunstquartier: Das Kasseler Atelier 30 überzeugt damit die Jury und die SPD, aber nicht die CDU und FDP.

Als „monolithischen Baukörper“ und „Kuqua-Betonklotz“ hat die CDU/FDP-Ratsgruppe den Siegerentwurf für das geplante Galeriegebäude für das Kunstquartier bezeichnet. Gleichzeitig hat sie ihre Kritik an dem Verfahren geäußert, bei dem Politik und Bürger „keinerlei Einfluss“ mehr haben.

mehr
Jagd in der Region Göttingen