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Rollende Raritäten

Zwei Jahre PS.Speicher Einbeck Rollende Raritäten

Geschichte kann so schön sein: Mit aerodynamischer Kühlerfigur, verchromt, hellblau lackiert oder mit Beiwagen. Das rollende Komissbrot aus den 30-er Jahren oder der rote Rallye-Pajero, mit dem Jutta Kleinschmidt 2001 die Rallye Paris-Dakar gewann, erzählen mehr über ihre Ära als manches Buch. Vor zwei Jahren wurde der PS.Speicher in Einbeck eröffnet. Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte.

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Einbeck. „In diesem Jahr peilen wir 100.000 Besucher an“, sagt Alexander Kloss, Pressesprecher des Automobilmuseums. Im ersten waren es 80.000. „Und damit liegen wir deutlich über unserer Erwartung“. Rund 400 Austellungsstücke werden den Besuchern präsentiert, 70 davon derzeit in zwei Sonderausstellungen. Das weltweit einzigartige: Diese Fahrzeuge und rund 1600 weitere, die in Depots lagern,  sind das Ergebnis einer bereits 60 Jahre andauernden Sammelleidenschaft eines Mannes, der von Karl-Heinz Rehkopf. Und das, was im PS.Speicher zu sehen, fühlen und erfahren ist, sind nicht einfach Motorräder oder Autos aus mehr als 100 Jahren Automobilgeschichte. Es ist blechgewordener Zeitgeist. Was die Stücke der Sammlungen von denen in vielen anderen Museen unterscheidet: Jedes dieser Fahrzeuge hat eine besondere Geschichte, viele sind einzigartig, einige waren einst im Besitz bekannter Fahrer  wie der Auto-Union-Rennwagen von 1952, den Stalins Sohn in die Sowjetunion holen ließ. „Die Russen schafften es aber nicht, ihn mit dem den richtigen Sprit anzutreiben“, sagt Kloss.
Im PS.Speicher steht auch das weltweit älteste fahrbereite Auto im Originalzustand, ein 1886 von Gottlieb Daimler gebautes Fahrzeug. Über die Vorkriegs- und Kriegsjahre rollt die Zeitreise durch eine pastellfarbene 50er-Jahre-Milchbar, über einen blumigen Campingplatz aus den 60ern und durch eine blinkende 70-er-Jahre-Disko (inklusive Ilja Richter) direkt in die 2000-er Jahre. Immer wieder locken Kinohöhlen und jede Menge interaktiver Mitmachaktionen auch Kinder in die Vergangenheit.

Zukunftspläne:  Besuchern die Schätze der Depots zeigen

Wer durch die Ausstellung bummelt und nur einen Hauch von Benzin im Blut hat, der ertappt sich immer wieder dabei, wie der „Ich-möchte-das haben-Reflex“ einsetzt. Laverda, Vespa, Benelli und andere italienische Zweirad-Diven konkurrieren mit Münch, Kreidler, Van Veen und anderen deutschen Motorrädern. „In den 30-er und 40-er Jahren gab es in Deutschland noch mehr als 600 Zweirad-Hersteller“, sagt Kloss.Wie Kloss erzählt, erinnern an die weiße  „Mars“ – genannt Maus – die auch die Polizei fuhr, heute noch Mäuse-Aufkleber auf den Fahrzeugen der Autobahnpolizei - Geschichte, die man nicht vergisst.
Viele der Raritäten auf Rädern warten in externen Hallen, immer wieder kommt ein neuer Rehkopf-Fund hinzu. Und die Museums-Macher haben weitere Pläne. Einer ist, in Zukunft mit historischen Fahrzeugen zu den Depots zu fahren und den Besuchern die Schätze dort zu zeigen.

Im Depot: Die Arbeitstiere unter den Autos

Eines der Außen-Depots des PS-Speichers ist noch an drei Sonnabenden zu sehen, nämlich am 22. und 29. Oktober und am 5. November, von 10 bis 18 Uhr. Dann öffnet das Bus- und Lastwagen-Depot am Otto-Hahn-Park. Besucher können direkt dorthin fahren oder vom PS-Speicher aus mit einem Shuttle-Service starten. Abfahrt ist dort um 11 und 12 Uhr.  In der Halle erwarten die Besucher rund 150 Lastwagen. Busse und Feuerwehrfahrzeuge. Ein Teil der Sammlung ist im vergangenen Jahr von Sittensen nach Einbeck gefahren worden, nachdem Karl-Heinz Rehkopf sie für den PS-Speicher erstanden hatte. Zu sehen sind neben amerikanischen Feuerwehrautos auch Flughafen-Tankwagen, mit bunter Werbung verzierte Speditions-Züge oder seltene Kleinbusse – beispielsweise von Borgward.

Adler auf Rädern

Eine Sonderausstellung wird am  Sonntag, 23. Oktober, eröffnet: Produkte der Firma Adler aus Frankfurt, vom Luxus-Oldtimer über Motorräder bis hin zur Schreibmaschine, werden dort gezeigt. Unter dem Titel „Schätze aus dem Depot“ werden künftig im Wechsel besondere Stücke präsentiert.  Markenzeichen ist die Kühlerfigur – entworfen von Walter Gropius. Knapp 30 Exponate, darunter seltene Stücke wie der „Adler Autobahn“ oder ein Adler Favorit Taxi aus Berlin oder die legendäre Zweitakt-Twin Adler RS 250. Auch die  Unternehmensgeschichte wird beleuchtet. Ab Nachmittags ist die Schau geöffnet.  Was haben Jutta Kleinschmidt, Michelle Mouton und Stalins Sohn gemeinsam? Eine Vorliebe für Autorennsport. Ihre Fahrzeuge sind in einer zweiten Sonderausstellung im PS-Speicher zu sehen.  Unter dem Titel „Tempo, Helden.Leidenschaft“ geht es um die sportliche Seite der Automobil-Leidenschaft.

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