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Erinnerungen an Olympia

Woran erinnern sich Göttinger bei Olympia Erinnerungen an Olympia

Heute beginnen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Kathrin Lienig hat sich unter Sportlern, Künstlern, Politikern und Wissenschaftlern umgehört, welche Bilder sie vor Augen haben, wenn sie an Olympische Spiele denken.

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Speerwerferin Steffi Nerius (Foto) holt Silber in Athen - und Sandra Hallmann, Trainerin der Oberliga-Fußballerinnen der SVG, war 2004 dabei, als die Sportlerin im Deutschen Haus ausgezeichnet wurde.

Quelle: imago

Göttingen. Gut zwei Jahre nach dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft muss die brasilianische Metropole an der Copacabana das nächste Großereignis stemmen. Medial werden Sportinteressierte bestens versorgt werden. Kaum ein Ballwechsel, Hürdensprint oder Paddelschlag muss unbeobachtet bleiben. Aber wie sieht es mit der Erinnerung aus? Welches olympische Ereignis hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bei einer Kurz-Umfrage in der Redaktion waren das oft Szenen von den Eröffnungsfeiern, von Missgeschicken einzelner Athleten, aber natürlich auch sportliche Highlights – vor allem aus der Leichtathletik.

1960: Rom

Armin Hary bejubelt in Rom seinen Sieg über 100 Meter. Foto: DPA

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Hans-Werner Dethlefs (Vorsitzender des NFV-Kreises Götingen-Osterode): „Der Olympia-Sieg von Armin Hary über 100 Meter in Rom 1960 ist eine meiner ersten prägenden Erinnerungen. Ich schaue mir die Olympischen Spiele immer sehr intensiv an, besonders gern die Zehnkämpfer.“

1968: Mexiko

Axel Bauer (Leiter Hochschulsport der Universität Göttingen): „Beeindruckt hat mich 1968 in Mexiko der amerikanische Hochspringer Dick Fosbury, der mit einer neuen Technik Olympiasieger wurde. Vier Jahre später war es dann in München Mark Spitz mit seinen sieben Goldmedaillen. Da wurde hinterher erst klar, dass sein Stil eher intuitiv und keinesfalls wie aus dem Lehrbuch war. In meiner Sportart Paddeln haben mich 1988 in Seoul die Skandinavier mit der Material-Revolution der Wing-Paddel überrascht. Damit ließen sie damals die Sportler aus Russland und aus der DDR hinter sich.“

1972: München

Reimar de la Chevallerie (Fotograf, Musiker, Videokünstler, arbeitet beim „boat people projekt“ mit): „Meine erste Olympia-Erinnerung ist die an das Rennen des Deutschland-Achters bei den Spielen 1972 in München. Seitdem interessiere ich mich tatsächlich für den Rudersport. Wir haben das damals in Wiesbaden gemeinsam mit unseren Nachbarn geguckt, weil wir keinen Fernseher hatten. Grundsätzlich schaue ich mir gern Sportarten an, die im Fernsehen nicht so oft zu sehen sind. Ich werde vieles mit meiner 16-jährigen Tochter Melina angucken, aber leider schwebt ja das Thema Doping über allem.“

Thomas Oppermann (Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion): „Ich war immer fasziniert von den Duellen der Zehnkämpfer, aber am meisten beeindruckt haben mich die beiden Olympiasiege der Hochspringerin Ulrike Meyfarth. Der erste Sieg 1972 in München wurde ihr noch nicht, der zweite 1984 in Los Angeles nicht mehr zugetraut. Sie hat mit einer unglaublichen Anstrengung des Willens und des Könnens alle überrascht.“

1976: Montreal

Gernot Weiss (Trainer der Oberliga-Handballer der HG Rosdorf-Grone): „Ich kann mich noch genau an die 10,0 von Nadia Comaneci 1976 in Montreal am Stufenbarren erinnern. Da bekomme ich heute noch eine Gänsehaut. Turnen war bei uns in Rumänien damals das non plus ultra.“

Fritz Güntzler (CDU, Göttinger Bundestagsmitglied): Erste prägende Erinnerung habe ich an die Olympischen Spiele 1976 in Montreal, damals habe ich Stunden vor dem Fernseher verbracht. Besonders erinnere ich mich an die Goldmedaille von Annegret Richter über 100 Meter. Und an Gregor Braun. Der so genannte „Bär von der Weinstraße“ wurde zweifacher Olympiasieger als Bahnradfahrer in der Einer- und in der Mannschaftsverfolgung. Außerdem ist mir der Gewinn der Goldmedaille von Springreiter Alwin Schockemöhle noch präsent.“

1992: Barcelona
Beeindruckte mit Leidensfähigkeit: Dieter Baumann

Florian Reichert (Langstreckenläufer, Seriensieger beim Göttinger Altstadtlauf): „Ich war zehn Jahre alt und habe hauptsächlich Fußball gespielt, aber an den 5000-Meter-Sieg von Dieter Baumann 1992 in Barcelona kann ich mich noch genau erinnern. Seine Leidensfähigkeit hat mich sehr beeindruckt. Zur Leichtathletik bin ich dann aber erst drei Jahre später gewechselt.“

2004: Athen

Göttinger Olympiasiegerin im Hockey: Franzi Gude holt mit dem deutschen Team Gold in Athen

Wolfgang Buss (Vorstandsmitglied der Bezirksgruppe Südniedersachsen der Deutschen Olympischen Gesellschaft): „Ich habe sieben Mal die Olympische Spiele live vor Ort erlebt. In Sydney hat mit die sportive und freundliche Einstellung der Menschen in dieser wunderschönen Stadt am besten gefallen. Sportlich beeindruckt hat mich in Athen 2004 am meisten das Hockey-Endspiel der Damen, in dem die Göttingerin Franziska Gude Gold mit der Damenmannschaft geholt hat und unsere DOG-Gruppe ganz nah dran an den Spielerinnen war. In München 1972 waren meine Frau und ich mit unserem VW-Variant vor Ort, haben in dem Auto sogar geschlafen und hatten fünf wunderschöne Tage dort. Auf der Rückfahrt haben wir dann im Auto von dem schrecklichen Attentat gehört.“

Markus Zimmermann (Cheftrainer der Standardformation des Teams Göttingen in der Bundesliga): „Ich war bei den Olympischen Spielen in Athen als Zuschauer vor Ort. Das war ein beeindruckendes Erlebnis, beeindruckender noch als die Besuche in Peking und London. Ich möchte gar kein sportliches Ereignis nennen. Vielmehr war es die Atmosphäre und der Umgang der Menschen aus den verschiedenen Nationen miteinander - vor allem in der U-Bahn und an den öffentlichen Plätzen.“

Sandra Hallmann (Trainerin der SVG-Oberliga-Fußballerinnen): „Olympia ist eine coole Veranstaltung. Ich habe es in Athen 2004 live erlebt. Einen Tag durften wir ins Deutsche Haus und waren dort ebenbürtig mit den Sportlern, haben beim Essen neben ihnen gesessen und ihre Ehrungen dort miterlebt - beispielsweise wie die Speerwerferin Steffi Nerius für ihre Silbermedaille ausgezeichnet wurde.“

2008: Peking

Als Fahnenträger bei der Eröffnung in Peking: Dirk Nowitzki

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Vera König (Zweitliga-Basketballerin der BG 74 Veilchen Ladies): „Genau erinnern kann ich mich noch, als Dirk Nowitzki in Peking bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne getragen hat. Ich gucke eigentlich immer sehr viel Leichtathletik, da läuft der Fernseher auch nebenbei, und zu bestimmten Entscheidungen werde ich ihn auch gezielt einschalten. Der Konsum wird definitiv steigen.“

2016: Rio

Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen, Göttinger Bundestagsmitglied): „Mir besonders in Erinnerung ist der grandiose Sprung der damals 16-jährigen Ulrike Meyfarth 1972. Ich war 17. Danach haben wir alle den Fosbury-Flop beim Hochsprung trainiert. Die Olympischen Spiele 2016 werde ich nicht verfolgen. Mir tun die Athleten leid, deren sportliche Leistung hinter der Korruption der Funktionäre und den kriminellen Machenschaften systematischen Dopings in Vergessenheit gerät.“

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