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Welche Schule für mein Kind?

Thema des Tages Welche Schule für mein Kind?

Etwa 3000 Kinder aus den Landkreisen Göttingen, Osterode und Northeim beenden in diesem Jahr ihre Grundschulzeit. In den kommenden Wochen müssen sie mit ihren Eltern entscheiden, auf welche weiterführende Schule sie im Sommer nach den großen Ferien wechseln wollen. Schon bei der Schulform haben sie die Qual der Wahl: Hauptschule,  Realschule, Oberschule, Gesamtschule oder Gymnasium? Eine kleine Schulformkunde.

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Ihre Grundschulzeit ist bald beendet, im Sommer wechseln auch die Viertklässler der Grundschule Lenglern auf weiterführende Schulen.

Quelle: Heller

Göttingen. Es ist eine Entscheidung, die das Leben der Kinder in den nächsten Jahren wesentlich bestimmt – vielleicht auch weit darüber hinaus. Und es ist eine Entscheidung, die die Eltern mit ihren Kindern erstmals alleine treffen müssen und dürfen. Formal hatte der freie Elternwille bei der Schulwahl in Niedersachsen zwar auch schon in den vergangenen Jahren Priorität. Allerdings gab es nach dem Halbjahreszeugnis von der Grundschule eine schriftliche Empfehlung zum Schulwechsel. Und nicht wenige weiterführende Schulen haben sich bei einer Abweisung des Schülers darauf berufen. Diese gibt es jetzt nicht mehr. Stattdessen sollen die Schulen laut Landeserlass den Eltern je Kind zwei Beratungsgespräche anbieten.
Neu ist nach Angaben der Landesschulbehörde auch, dass sich die Viertklässler künftig mit dem Halbjahreszeugnis an den weiterführenden Schulen anmelden sollen. Denn die Anmeldetermine sind bereits Anfang Mai (alle Schulen in Stadt und Landkreis außer Göttinger Gymnasien) und Mitte Mai (Göttinger Gymnasien). Das Abschlusszeugnis bekommen die Viertklässler erst am Tag vor den Sommerferien.
In den kommenden Wochen müssen die Eltern mit ihren Kindern also zwei Entscheidungen treffen: Welche Schulform ist die richtige für mein Kind? Und: Welche Schule konkret ist die richtige? Auch das ist keine leichte Entscheidung. Im Landkreis Göttingen gibt es 23 weiterführende Schulen, in den Nachbarkreisen Osterode und Northeim 30. In Göttingen und im nahen Umkreis können Eltern und Kinder gleich zwischen mehreren Gesamtschulen und Gymnasien entscheiden, hier gibt es allerdings keine Haupt- und Realschule mehr. Alternativ gibt es ein katholische Oberschule in der Stadt und zwei öffentliche im Umland.
Im Bereich Duderstadt und Hann. Münden hingegen gibt es noch Haupt- und Realschulen, zu einer Gesamtschule oder Oberschule müssen die Kinder unter Umständen dafür weit fahren. Eines haben inzwischen nahezu alle gemeinsam: Sie bieten offen oder verpflichtend (Gesamtschulen) Nachmittagsprojekte und -stunden an.
Einen Überblick über die weiterführenden Schulen mit Einzugsbereich Göttingen, Adelebsen, Bovenden, Friedland, Gleichen, Rosdorf, Radolfshausen und Dransfeld gibt es am Montag, 14. März, ab 19 Uhr in der Göttinger Stadthalle. Die anderen Schulen im Landkreis informieren selbst über ihre Angebote. Fast alle Schulen bieten außerdem im April Infotage an (einige auch schon früher).

Die Gesamtschule...

... ist eine Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem (das es in der Stadt Göttingen schon nicht mehr gibt). Sie vereint beziehungsweise kombiniert diese unter ihrem Dach. Gesamtschulen  unterscheiden sich zwischen kooperativen (KGS) und integrativen Gesamtschulen (IGS). Ihnen gemein ist, dass zunächst alle Kinder (mit ihren unterschiedlichen Stärken und Schwächen) in einer Klasse vereint bleiben. Kooperative Gesamtschulen behalten dann aber das dreigliedrige System weitgehend bei – in Form getrennter Klassen oder Leistungsgruppen innerhalb einer Klasse. Bestimmte Fächer werden gemeinsam unterrichtet. Integrierte Gesamtschulen teilen die Schüler nicht, nur in einzelnen Fächern oder erst zu einem sehr späten Zeitpunkt auf. Sie setzen stärker auf eine innere Differenzierung der individuellen Entwicklung der Schüler im Klassenverband. Zentrales Ziel einer Gesamtschule ist es, die Schüler so lange wie möglich gemeinsam lernen zu lassen. Sie können leichter von einer Schulform in eine andere wechseln (übergehen). Noten gibt es erst ab einem höheren Jahrgang oder auch erst ab der Oberstufe. Stattdessen gibt es schriftliche Berichte zu Fähigkeiten, Entwicklungsstand und Lernzielen. Lerntempo und -intensität sollen individuell auf die Schüler abgestimmt werden. Inhaltlich werden die gleichen Fächer wie im dreigliedrigen System unterrichtet. Am Ende stehen ein Haupt- oder Realschulabschluss – teilweise an der Schule selbst oder nach einem Wechsel auch das Abitur. Nahezu alle Gesamtschulen sind verpflichtende Ganztagsschulen.   us

Die Hauptschule...

... ist eine der ältesten Schulformen und ein Teil des gegliederten Schulsystems mit räumlich und konzeptionell getrennten Schulen. Der Unterricht ist stärker praxisorientiert und auf eine Berufsreife ausgerichtet. Am Ende steht ein Hauptschulabschluss nach Klasse 9, alle bieten aber auch die Möglichkeit, nach einem weiteren Schuljahr einen Realschulabschluss zu erreichen. Die Hauptschule gilt als allgemeinbildende Schule auf mittlerem Bildungsniveau mit vielen zusätzlichen Förderangeboten für Schüler mit Schwächen und Lernschwierigkeiten. Die Klassen sind in der Regel recht klein.  us
Quelle für einige Definitionen: bildungsexperten netzwerk

Die Oberschule...

... ist eine noch junge Schulform in Niedersachsen. Hervorgegangen ist sie aus früheren Haupt- und Realschulen. Konzeptionell nähert sie sich in unterschiedlicher Ausprägung der Gesamtschule an. Zum Beispiel durch gemeinsamen Unterricht in bestimmten Fächern sollen Schüler leichter zwischen dem Haupt- und Realschulzweig oder auch in einen Gymnasialzweig (teilweise angeboten) wechseln können. Die Schulen entscheiden selbst, ob sie je Schulzweig eigene Klassen anbieten (wie in Groß Schneen) oder innerhalb einer Klasse zwischen Leistungsgruppen differenzieren wie an der Oberschule Dransfeld. Ähnlich wie an Haupt- und Realschulen haben Praxisorientierung und Berufsvorbereitung einen hohen Stellenwert.  us

„Notwendige Schritte ins Erwachsenenleben“

Der Wechsel von der Grundschule in eine weiterführende Schule ist eine Entscheidung, die Weichen fürs Leben stellen kann. Dabei sollten alle Möglichkeiten mit Bedacht ausgelotet werden, rät Kerstin Rabenstein. Die Lehrerin (Biologie und Sozialkunde) und Erziehungswissenschaftlerin leitet den Arbeitsbereich Schulpädagogik/Empirische Unterrichtsforschung und Schulentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen.

 
Der Wechsel nach der Grundschule auf eine weiterführende Schule ist für Kinder ein großer Einschnitt. Was würden Sie den Kindern und den Eltern raten, wonach sie entscheiden sollen?
Die Entscheidung ob Oberschule oder Gymnasium beziehungsweise Gesamtschule ist im deutschen Schulsystem leider immer noch eine, die erhebliche Konsequenzen für die weitere Schulkarriere haben kann. Für sie sollten also alle Möglichkeiten ausgelotet werden, und sie sollte mit Bedacht getroffen werden. Ähnliches gilt heute wohl auch für die Frage, ob eine inklusive Schule oder Förderschule als weiterführende Schule für das eigene Kind die bessere Variante ist. Die Frage, welches Gymnasium das eigene Kind besuchen soll, sollte hingegen nicht dramatisiert werden. In Göttingen etwa unterscheiden sich die Gymnasien nur graduell. 

 
Wer sollte denn am Ende entscheiden? Das Kind oder die Eltern?
Ich weiß, dass in vielen Familien den Kindern das Gefühl gegeben wird, dass sie selbst entscheiden. Doch sollten die Eltern deutlich machen, dass sie die Verantwortung für die Konsequenzen der Entscheidung tragen und nicht das Kind. 

 
Kinder entscheiden oft aus dem Bauch heraus und wollen dorthin gehen, wo ihre Freunde sind…?
Die Kinder haben oft klare Vorstellungen, mit welchen Freunden und Freundinnen sie zusammen bleiben wollen. Diese Wünsche sollten in der Entscheidung berücksichtigt werden. Schule ist der Ort, an dem die Kinder viel Zeit miteinander verbringen. Da sind Freundschaften sehr wichtig. 

 
Aber das alleine ist sicher nicht entscheidend. Wie können Eltern ihre Kinder bei der Entscheidung unterstützen?
Sie müssen beurteilen können, ob sie ihr Kind an der Schule gut aufgehoben sehen. Machen die Lehrkräfte den Eindruck, dass ihnen die Belange der Kinder wichtig sind? Gibt es Angebote, die mein Kind vielleicht einmal interessieren könnten? Dabei sollten sie ihre eigenen Wünsche in Bezug auf die Zukunft ihres Kindes nicht mit denen ihrer Kinder verwechseln. 

 
Wie können Eltern und Grundschullehrer, den Kinder die Angst vor dem Schulwechsel nehmen?
Durch die Schule zu gehen und sie nicht nur toll zu finden, aber ertragen zu müssen, sind notwendige Schritte ins Erwachsenenleben. Man sollte die Herausforderungen, erwachsen zu werden, weder klein reden noch dramatisieren. Die weiterführenden Schulen haben mittlerweile Kennenlernphasen für Neuankömmlinge eingerichtet. Man kann auf diese Eingewöhnungsphase vertrauen. 

 
 Interview: Ulrich Schubert

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Von Redakteur Ulrich Schubert

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