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Wie tolerant sind Sie, Eckhard Fascher?

Eckhard Fascher kandidiert als Landrat für die Linke Wie tolerant sind Sie, Eckhard Fascher?

Eckhard Fascher ist klar und ruhig in dem, was er sagt. Zutiefst überzeugt vertritt der Landratskandidat der Linken seine Ideale. Dabei ist er offen für Neues und bereit, das eigene Ruder auch mal komplett herumzureißen. Das hat Fascher in seinem Leben bereits mehrere Male getan.

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Eckhard Fascher am Teich im Levin Park.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Das hat er mit allen Konsequenzen getan, als er als Grünen-Politiker seiner Partei 1998 den Rücken kehrte. Er sah das, wofür er kämpfte, nicht mehr vertreten und schloss sich der PDS an. Doch nicht nur von Parteifreunden und politischen Weggefährten wandte er sich ab. „Auch mein persönliches Umfeld hat sich dadurch stark verändert“, erinnert sich Fascher. Er hatte auch innere Kämpfe ausgefochten. Zur PDS habe er zuerst eine große Hemmschwelle verspürt. „Doch die Bedenken, die ich vorher hatte, haben sich in Luft aufgelöst“, sagt der Linken-Politiker, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im Göttinger Stadtteil Holtenser Berg wohnt.

Fascher ist kein Mann, der sich in eine Schublade stecken lässt. Goldfisch oder Gassi-Runde - er hatte beides. Bier oder Wein - es darf auch ein leckerer Tee sein. Karten- oder Würfelspiele - der Familienvater spielt mit seinen Sprösslingen genauso gerne „Uno“ wie „Mensch ärgere dich nicht“.

Fascher beschreibt sich als offenen Menschen, der neuem gegenüber aufgeschlossen ist: „Ich bin relativ breit aufgestellt“, sagt der 54-Jährige, der eine Vorliebe für Meeresfrüchte hat, aber auch zu Eisbein mit Sauerkraut nicht Nein sagen kann.

Wenn er an politische Vorbilder denkt, fallen ihm Thomas Münzer und Spartacus ein. „Das sind Menschen, die für ihre politischen Ideale gekämpft haben“, sagt Fascher. Und vor allem Rosa Luxemburg: „Weil sie immer einen Sozialismus vertreten hat, der tolerant gegenüber anderen Meinungen war.“ Das ist etwas, was dem Politiker besonders wichtig ist: „Dass jeder sagen kann, was er denkt.“ Das sei nicht selbstverständlich. Deswegen hat ihn literarisch Heinrich Manns „Untertan“ am meisten beeindruckt. „Nach unten treten, nach oben buckeln - das ist darin so klasse beschrieben“, findet der gebürtige Marburger.

In der hessischen Stadt ist er allerdings nur geboren. Die ersten eineinhalb Lebensjahre verbrachte er in Biedenkopf, bis seine Eltern mit ihm nach Calden zogen. Fascher wuchs in einem behüteten Lehrerhaushalt auf. In der Schule brannte er für die Fächer Politik und Geschichte. „Ich war immer einer derjenigen, die gerne politisch diskutiert hatten“, erinnert er sich.

Als dann 1980 in Hofgeismar ein Grünen-Ortsverband gegründet wurde, war der junge Fascher dabei. Was ihn dazu bewegt hat? Der jugendliche Fascher sah sich mit einer Welt konfrontiert, in der für ihn die Umwelt den Bach runter ging und mit einer Politik, die nichts zu ändern vermochte. Hinzu kam der damalige Wertewandel in der Gesellschaft. Jung gegen Alt, und Fascher mittendrin. Für die Grünen zog er in den Kasseler Kreistag und machte sich als jüngster Abgeordneter schnell einen Namen.

Doch nach drei Jahren war Schluss in Kassel: Eckhard Fascher begann ein neues Kapitel in Göttingen. Er studierte erfolgreich Sozialwissenschaften und krönte seine Uni-Zeit mit einer Promotion. In seiner Dissertation analysierte er die NPD und die Republikaner. An seinem Studium schätzte er vor allem, die Inhalte weitestgehend selbst bestimmen zu können. In dieser Zeit begann sein Großvater für ihn eine wichtige Rolle zu spielen.

Der betrieb einen kleinen Informationsdienst, über den er Abonnenten mit Themen zu aktuellen Zeitfragen belieferte. Außerdem verfügte Faschers Opa über einen großen politischen Kuriositäten-Fundus. Er vertrat die Auffassung, dass vor allem Randströmungen die Gesellschaft verändern würden - positiv und negativ.

Sein Enkel fand darunter Zeitungsausschnitte von Visionen einer politischen Bewegung, die den Aufbau eines zweiten Ruhrgebietes auf dem Mond propagierte. Vor allem während seiner Promotion griff Fascher auf den Fundus seines Großvaters zurück.

Eine wilde Studienzeit mit exzessiven Ausschweifungen ist aus Fascher nicht herauszukitzeln. „Ich habe meine politischen Sachen gemacht und mein Studium durchgezogen“, erklärt er. Dazu zählt vor allem sein Engagement im Göttinger Kreisvorstand der Grünen. Auch die Promotion verlief straight: „Eine gewisse Selbstdisziplin“ auf der einen und eine zeitlich begrenzte Finanzierung auf der anderen Seiten führten Fascher schnell zur erfolgreichen Disputation seiner Doktorarbeit.

Kraft zog Fascher aus abendlichen Spaziergängen. Dabei lässt er die Gedanken schweifen und findet Ruhe. Das ist noch heute so, wenn er versucht, sein politisches Engagement, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Denn Erziehung und Betreuung von seiner neunjährigen Tochter Annisha und dem dreijährigen Sohn Lennard teilt er sich mit seiner Frau. „Das ist mir wichtig“, sagt er aus tiefer Überzeugung.

Genauso überzeugt ist er auch davon, sich für andere zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Ob im Nachbarschaftszentrum Holtenser Berg oder als Schulelternvertreter - Fascher hilft immer an vorderster Front. Seine größte Herausforderung? „Mein Engagement mit Broterwerb zu verbinden“, sagt er lachend. Das ist ihm inzwischen gelungen. Er arbeitet als Betreuer von Jugendlichen und zieht daraus eine tiefe Zufriedenheit. Wann er dabei Glück empfindet? „Wenn die Arbeit Früchte trägt und ich sehe, wie sich die Jugendlichen positiv entwickeln.“

Nach der Promotion war Fascher lokalpolitisch aktiv und gründete mit Freunden ein Agenda-21-Initiativen-Plenum und brachte unterschiedliche Themen nach Göttingen. Außerdem organisierte er Veranstaltungen der politischen Bildung für die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Fascher hat nicht immer in Deutschland gelebt. 2001 zog es ihn für zweieinhalb Jahre in die Ferne und er arbeitete in Mosambik als Entwicklungshelfer. Dort lernte er portugiesisch, eine gewissene Gelassenheit und vor allem seine Frau Ana kennen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland überstand die Beziehung die Entfernung. Das Paar heiratete 2006 und Ana zog nach Göttingen.

Er kann sich schnell an unterschiedlichen Orten wohl fühlen - vor allem dort, wo viel Wasser ist. Deswegen fährt Fascher gerne ans Meer. Am meisten beeindruckt habe ihn der Strand von Inhambane, am indischen Meer. Die Weite? Das Rauschen? „Ich schwimme einfach gerne“, erklärt er in schnörkelloser Art, mit beiden Füßen fest auf dem Boden.

Vita

Eckhard Fascher wurde 1962 in Marburg geboren und wuchs in Kassel-Calden auf. Mit 18 Jahren zog er für die Grünen in den Kasseler Kreistag und sammelte dort von 1981 bis 1984 erste politische Erfahrungen.

In Göttingen studierte er bis 1989 Sozialwissenschaften und promovierte auf diesem Gebiet über einen Vergleich zwischen der NPD und den Republikanern. Anschließend engagierte sich Fascher hauptberuflich in Vereinen und organisierte Veranstaltungen der politischen Bildung, unter anderem für die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dabei waren die Bereiche Klimaschutz, Menschenrechte und Migrationspolitik in der Erwachsenenbildung seine Schwerpunkte. 

2001 bis 2003 war er als Entwicklungshelfer für zweieinhalb Jahre in Mosambik tätig. Aktuell arbeitet Fascher als Betreuer von Jugendlichen. Er ist Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag und Vorstandsmitglied des Linken Kommunalpolitischen Forums Niedersachsen. Fascher lebt in Göttingen, ist verheiratet und Vater einer neunjährigen Tochter und eines dreijährigen Sohnes.

Von Kathrin Westphal

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