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Wow: „Das passt doch zur Schule“

Thema des Tages Wow: „Das passt doch zur Schule“

Für die Schultüte ihrer Tochter hat sich Susanne Arndt richtig ins Zeug gelegt. Die Version, die Helene am Tag ihrer Einschulung in den Händen halten wird, ist groß, dreigeschossig und – das war ihrer Mutter wichtig – selbstgemacht.

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Quelle: Wenzel

Göttingen . Zwei Abende hat sie daran gebastelt, um Helene den Schulbeginn zu versüßen. Schultüten gibt es zwar zu allen möglichen Themen, doch Töchterchen Helene ist ein absoluter Tom-und-Jerry-Fan.

Süßigkeiten auf drei Etagen

Also stand Basteln auf Arndts Abendprogramm. Ganz selbst gemacht ist die Schultüte allerdings nicht: Das Gerüst bildet eine gekaufte Minion-Tüte. Die hat Arndt mit hellblauer und cremeweißer Folie beklebt und mit zarten Stoffbändern verziert. Im Internet fand sie Bilder von Maus und Katze, die sie ausdruckte, auf Pappe klebte und ausschnitt.

Außerdem druckte sie Wörter im Comic-Stil wie „Super“, „Yippie“ oder „Wow“ aus. „Das passt doch zur Schule“, sagt Arndt. Der Clou an der Schultüte sind die Mauselöcher: Arndt hat runde Eingriffe in die Schultüte geschnitten und aus Moosgummi und Pappen kleine Klappen gebastelt. Einen weiteren Sichtschutz bietet schwarzer Stoff. Durch diese Öffnungen kann Helene nach dem Inhalt fischen. Um das zu erleichtern, hat die Schultüte drei Ebenen.

Arndt ist Architektin und erklärt: „Das musste schon dreigeschossig sein.“ Ihr Baumaterial war vor allem dicke Pappe, die mit einer Art Styropor ausgelegt ist. Die hat sie genau zugeschnitten und von oben nach unten in die Schultüte gedrückt. Die Einschulung will Familie Arndt / Vogel ruhig verbringen. Helene will nach der Feier an der Albanischule mit ihrem Kindergartenfreund Maxi den Inhalt der Tüte teilen. Zumindest die Süßigkeiten, denn außer „jeder Menge ungesundes Zeug“, wie die Mutter lachend erklärt, wird Helene noch eine Armbanduhr und zwei Walkie-Talkies vom Opa finden.

Zum zweiten Mal Laufen lernen

Danach geht es entweder in den Freizeitpark Ziegenhagen oder in die Kinderstadt. Susanne Arndt sieht die Einschulung mit gemischten Gefühlen: Lesen und Schreiben zu lernen, sei ein einschneidendes Ereignis. „Das ist wie ein zweites Mal Laufen lernen“, sagt sie. Auf der anderen Seite sei es wieder ein Schritt weg von dem Behüteten: „Der Auszug rückt immer näher“, findet die Mutter. Doch erst einmal freut sie sich auf die Augen ihrer Tochter, wenn sie am Sonnabend erstmals die Schultüte in den Händen halten wird.

Zahngesunde Schultüte

Die Aktion „zahngesunde Schultüte wurde von der Zahnärztekammer Niedersachsen ins Leben gerufen. Nach Angaben der Organisation will sie damit Alternativen zur üblichen Zuckertüte aufzeigen, weil auf die ersten bleibenden Zähne der fünf- bis siebenjährigen ABC-Schützen besonders geachtet werden müsse.

Zuckerfreie und zahnfreundliche Süßigkeiten seien allerdings erlaubt. Sie seien am kleinen roten Zahnmännchen auf der Verpackung zu erkennen. Außerdem könne eine gesunde Schultüte neben Obst auch kleine Spielsachen, CD‘s oder Gutscheine fürs Kino oder einem Tag im Zoo enthalten. Weil vorbeugen besser als heilen ist, sei die „zahngesunde Schultüte“ ein Beitrag für eine gute Mundgesundheit bis ins hohe Alter, so die Zahnärztekammer. wes

Rosarote Schmetterlinge aus dem Laden

Lea wird Sonnabend eingeschult und freut sich neben der Schule vor allem auch auf ihre Schultüte. Die hat ihrer Mutter Anja Buchmann allerdings so manche Grübelei beschert. Basteln kam für die berufstätige Mutter zweier Töchter aus Zeitgründen nicht in Frage. Sie ging auf Tütenjagd im Internet und wurde von einem riesigen Angebot überrascht. Wer die Wahl hat, hat die Qual: Unzählige Farben, Formen und Motive werden von unterschiedlichen Herstellern angeboten. Um die Tochter nicht auch noch zu verwirren, traf Buchmann eine kleine Vorauswahl und Lea wählte daraus ihren Favoriten aus: eine weiße Schultüte mit rosaroten und blauen Schmetterlingen.

Die besorgte ihre Mutter im Göttinger Einzelhandel. Und für Leas Schwester Maja gab es gleich eine kleinere Ausführung dazu. Den Inhalt der Zuckertüte kennt Lea noch nicht. Doch in der Tüte stecken bereits Brotbox, Trinkflasche, ein Platzdeckchen, ein pinkfarbenes T-Shirt mit Schullogo, kleine Pocketspiele, ein neues Freundebuch und jede Menge Naschereien. Schere, Pappe und Heißklebepistole gehören nicht zu Buchmanns Standardausrüstung. Also wählte sie ein fertiges Modell. „Die gekauften Schultüten sehen doch so schön aus“, sagt sie.

Anja Buchmann

Quelle:

Außerdem gebe es genug vorzubereiten. Zum Schulstart müssten zahlreiche Utensilien und Materialien für die ABC-Schützen besorgt werden. Außerdem sei vor allem der Schulranzen ein großes Thema gewesen. Dann mussten noch Bücher bestellt und abgeholt werden – die To-do-Liste war lang.

Kritik an Kosten

Der niedersächsische Kinderschutzbund kritisiert, dass der Wert des Schultüten-Inhalts weiter zunehme. Er habe beobachtet, dass vermehrt Handys oder elektronische Spielzeuge ihren Weg in die Tüten fänden. Die Wertschätzung des Kindes spiele dabei kaum noch eine Rolle. Dabei gebe es jede Menge kostengünstigere und persönlichere Alternativen.

Schokolade und Bonbons seien bei den meisten Kindern sehr beliebt, doch auch ein Apfel, ein Lesebuch oder kulturelle Angebote wie eine Kinokarte für einen Kinderfilm könnten in die Tüte gesteckt werden. Außerdem empfiehlt der Kinderschutzbund den Eltern, einen aussagekräftigen Text zu verfassen. Vater und Mutter könnten darin ausdrücken, was sie ihrem Sprössling für die Schulzeit wünschen und ihn bei der Feier im Familienkreis vorlesen. wes

Die Schultüte bringt Anja Buchmann am Freitag in die Wilhelm-Busch-Schule. Sie wird zusammen mit dem Material bei der Klassenlehrerin abgegeben. Wenn die Erstklässler am Sonnabend ihre erste Schulstunde in ihren neuen Klassen verbringen, werden die Tüten verteilt. Ausgepackt wird aber erst Zuhause, nach dem Mittagessen mit den Großeltern aus Berlin, die extra zur Einschulung anreisen. Anschließend steht bei Familie Buchmann noch ein Ausflug zur Burg Hanstein auf dem Plan. wes

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