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Zukunftsfähig mit Kulanz

Thema des Tages Zukunftsfähig mit Kulanz

Online-Shopping hat enorme Wachstumsraten, der stationäre Handel kämpft mit stagnierenden Umsätzen. Dennoch werden auch – oder gerade – in Göttingen neue Läden eröffnet. In einer neuen Studie geht es darum, wie der Handel vor Ort erfolgreich sein kann.

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Der Einzelhandel in Göttingen floriert.

Quelle: Hinzmann

Göttingen / Hannover. „Kleine Unternehmen machen die Masse der Läden in deutschen Innenstädten aus“, Das ist eine der Aussagen der Studie, die der Handelsverband Hannover (HVH) in Auftrag gegeben hat. Eine kurze Vorab-Version liegt bereits vor.

Leerstände auf niedrigem Nivaeu

„Bei uns ist die Zahl der inhabergeführten Geschäfte mit 70 Prozent noch vergleichsweise hoch“, sagt Frederike Breyer, Geschäftsführerin von Pro City Göttingen. „Das ist schon gut“, sagt sie. Auch die Zahl der echten, nicht der vorübergehenden, Leerstände bei Ladenimmobilien in der Innenstadt sei stabil, und das auf niedrigem Niveau. Das gelte vor allem für die 1-a- und 1-b-Lagen.

In den vergangenen Monaten wurden einige neue Läden in der Innenstadt eröffnet – darunter kleine Fachgeschäfte, wie das Kindergeschäft Siebenkind, und Gastronomiebetriebe wie das Café Mariechen oder die Burgeria. Auch internationale Handelskonzerne haben offensichtlich Interesse an Göttingen, dann aber in den 1-a-Lagen. Jüngstes Beispiel: Kiko, ein Mailänder Kosmetikanbieter, der seit kurzem an der Weender Straße zu finden ist.

Dennoch: Den immer stärker werdenden Anteil der Online-Shopper bekommen auch die Göttinger Einzelhändler zu spüren. Im Gegensatz zum Online-Umsatz geht der des stationären Handels bundesweit leicht zurück. Laut der Studie sinke der Umsatz von 413 Milliarden Euro bundesweit im Jahr 2014 auf 409 im Jahr 2025. Der Online-Umsatz aber erwarte im gleichen Zeitraum eine kräftige Steigerung von 9,2 auf 19,3 Milliarden. 

Rettung für den Einzelhandel

Die Vorab-Auszüge der Studie, die die BBE-Handelsberatung im kommenden Jahr komplett präsentieren will, stellte Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE, Mitgliedern und Gästen des HVH vor. Ihr Titel lautet: „Den stationären Einzelhandel retten! Auswirkungen der Digitalisierung auf Stadt und Handel“.

Wie also ist der stationäre  Handel zu retten? „Wir müssen mehr Kaufanreize schaffen“, sagt Breyer. Dabei gehe es um kontinuierliches und vor allem „konzertiertes Handeln“ aller Innenstadthändler und -gastronomen statt vieler Einzelaktionen.  So schaffe man Kundenfrequenz , die sei enorm wichtig.

Auch der Einzelhandel muss online sein

„Gastronomie, Tourismus, Dienstleistungen und Wohnen“ werden laut der Studie in den Innenstädten immer wichtiger. Außerhalb der bevorzugten Lagen verliere der Einzelhandel an Bedeutung. Es finden sich aber auch Empfehlungen, was der Handel künftig bieten muss. Nämlich: „Absolute Kulanz, Lieferservice und gezielte Kundenbeziehungsaktivitäten“, werden dort unter anderem genannt. Letzteres sind, so Breyer, beispielsweise Lesungen oder Sonderaktionen im Geschäft. Dringend notwendig sei eine „gute Website, klassisch und mobil“.

Stumpf: „Selbst wenn Sie die tollsten Produkte, Services und Filialen haben, wenn Sie online nicht gefunden werden, sind Sie in der Welt vieler nicht existent“. Wichtig, so erklärt Breyer, seien zudem bestens informierte Mitarbeiter, da sich die Kunden vorab im Netz einen Wissensvorsprung verschafften. Eine weitere Empfehlung: Freies W-Lan und einheitliche Öffnungszeiten aller Geschäfte in der City.

Mari Lu: Göttingen statt Jena

Göttingen/Erfurt. Seit vier Wochen ist die Erfurter Schokoladenmanufaktur Mari Lu in der Langen Geismarstraße mit einem Geschäft vertreten. In Göttingen steht nun das zweite Geschäft mit handgemachten Schoko-Köstlichkeiten aus Erfurter Herstellung.

Lebendig und lebensfroh

„Wir haben überall nach einem schönen Standort geschaut“, sagt Katharina Fettel, sie ist zuständig für das Göttinger Geschäft. Als sich die Unternehmer das Göttinger Ladenlokal anschauten, seien sie sofort begeistert gewesen. „Hier passte eigentlich alles, die Lage, die Geschäfte in der Umgebung und die Lebensfreude in der Stadt und den Straßen“, sagt Fettel. Deshalb habe Göttingen auch Jena als Standort für ihr zweites Geschäft geschlagen. „Jena ist nicht so lebendig“, so Fettel. Die Resonanz der Kunden in den ersten vier Wochen geben der Entscheidung der Firma recht. Sie habe bereits viel positives Feedback für das Geschäft bekommen. Und natürlich hofft sie darauf, dass sich das im Weihnachtsgeschäft noch steigert.

Nadelzeile: Göttingen statt Kassel

Kassel. „Nadelzeile“ heißt ein neues Geschäft in der Groner Straße, in dem es alles rund ums Handarbeiten zu kaufen gibt. Von der Nähseide bis zum Stoff, von der Schere bis zur Nähmaschine. Geschäftsinhaber Alexander Meyerwirth betreibt den Steidl & Becker Stoffgroßhandel in Niederorschel. „Eigentlich hatten wir überlegt, ein Geschäft im näheren Kassel aufzumachen, haben dort aber keine geeignete Immobilie gefunden“, sagt er.

Alles rund ums Handwerken

Quelle: Hinzmann

Alles unter einem Dach

Eine Idee, um ein Einzelhandels-Geschäft zu gründen war, dort auch Hausmessen, Seminare, Workshops und Schulungen für die Kunden des Großhandels anzubieten. Bislang habe er dafür immer Hotels mieten müssen. Eine Top-Lage müsse es dafür gar nicht sein, so Meyerwirth. In der Groner Straße wurde er fündig, trotz Baustelle wurde die Nadelzeile dort im September eröffnet. „In Zukunft wollen wir in den Räumen auch Seminare für unsere Kunden anbieten“, so der Unternehmer. „In dem neuen Geschäft haben wir alle Aspekte unter einem Dach.“

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