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Zwei Mumien gehen auf Reisen

Exponate der anthropologische Sammlung der Göttinger Uni werden in Hildesheim untersucht und ausgestellt Zwei Mumien gehen auf Reisen

Die beiden Mumien, die in Vitrinen der anthropologischen Sammlung der Universität Göttingen ruhen, haben schon die eine oder andere Reise hinter sich. Die eine stammt aus Teneriffa, die andere aus Peru.

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Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Wann genau die beiden Frauen gelebt haben, ist noch unklar. Jetzt sollen die Mumien weiter untersucht und ab Februar in einer großen Ausstellung im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum gezeigt werden.

Wenn Mumien auf Reisen gehen, ist einiges an Vorbereitungen nötig. Schließlich sind die jahrhundertealten, balsamierten und getrockneten Körper sehr empfindlich. Mit einer Delegation des Museums ist Jens Klocke am Montag angereist. Der Restaurator ist Mumienfachmann und dafür zuständig, dass die Körper fachgerecht und unbeschadet in Hildesheim ankommen. „Ich hab genügend Spielzeug und Material mitgebracht“, sagt Klocke lachend. Folien, Tücher, Keile, speziellen Montageschaum, Klebeband und vieles mehr liegen bereit.

Zwei Mumien leiht Birgit Großkopf vom Göttinger Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie den Hildesheimern: Zum einen eine besonders seltene, liegende Guanchen-Mumie und eine südamerikanische Hocker-Mumie.  „Die Guanchen-Mumie aus Teneriffa ist in Deutschland einzigartig“, sagt der Mumienspezialist des Hildesheimer Museums, Oliver Gauert. „Es gibt nur etwa 40 Stück dieser Mumien“, sagt er. „Die Guanchenfrau war auf jeden Fall erwachsen“, sagt Großkopf.  Über die südamerikanische Hockermumie ist noch weniger bekannt.

TDT_MumienAnthropologisches Institut der Universit‰t GˆttingenZwei Mumien aus dem Institut f¸r Zoologie und Anthropologie der Universit‰t Gˆttingen werden nach Hildesheim ¸berf¸hrt wo sie am 09.12.2015 einer topographischen Untersuchung unterzogen werden.Es handelt sich dabei um eine peruanische Mumie sowie um eine vorspanische Guanchen-Mumie von den Kanarischen Inseln. Diese ist das einzige in Deutschland befindliche Exemplar.

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Um den beiden Mumien weitere wissenschaftliche Informationen zu entlocken, sollen sie in Hildesheim in einen Computertomografen geröntgt werden. „Vielen Guanchen-Mumien wurden die Eingeweide entnommen, ob das bei unserer auch der Fall ist, das wollen wir herausfinden“, sagt Großkopf. Beide Mumien sollen zudem genau datiert werden – mir der so genannten C14-Methode. Die Guanchen.Mumie ist 1802 als Geschenk an Blumenbach nach Göttingen gekommen, ihr Alter ist nicht genau bekannt. „Auf Teneriffa wurden Menschen in  der Zeit von 300 vor bis 1500 nach Christus mumifiziert  und auf Brettern in Höhlen bestattet“, sagt Gauert.

Klocke faltet unterdessen Planen, „ich glaube dreilagig ist besser“, sagt er. Dann wird Stoff in Bahnen gerissen. „Omas Bettlaken“, sagt der Restaurator. Als er seine Vorbereitungen abgeschlossen hat, öffnet er den Glasdeckel der Vitrine. Dann betastet und begutachten er und die Museumsleute vorsichtig die Mumie und den Boden auf dem sie liegt. Als er leicht daran rüttelt, wird Großkopf etwas nervös. „Ich liebe meine Mumien – und meine Vitrinen“, sagt sie. Denn auch die Vitrinen sind bereits Antiquitäten. Schließlich schiebt Klocke Pappe unter den fragilen Körper, dann wird die Mumie auf ihr Transportbrett umgebettet.

Roemer-und-Pelizaeus-Museum-Chefin Regina Scholz erklärt: „Mumien sind Diplomaten ihrer Kultur“. Auch heute noch gebe es, beispielsweise in den USA, Angebote zum Einbalsamieren toter Körper. „Wir wollen die Mumien sprechen lassen“, so Scholz. „Auf jedem bewohnten Kontinent gab es Mumien“, ergänzt Gauert.

Klocke hat das Brett für die Guanchemumie mit Tuch und Folie präpariert. Gemeinsam mit Gauert hebt er schließlich dann den knapp 1,60 Meter großen Körper ganz vorsichtig auf das Brett. „Passt“, sagt Klocke. Nach einigen Stunden dann gehen die Mumien wieder auf die Reise. Im Sommer kommen sie zurück.

 

Größte Mumienausstellung

Hildesheim. Sie sind schaurig und anziehend zugleich, sie wecken Neugier und faszinieren: Mumien. Die Sonderausstellung „Mumien der Welt“ im Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) zeigt neben den beiden Göttinger Leihgaben  rund 150 Exponate, darunter 25 ganze Körper.

„Jede einzelne Mumie erzählt hier ihre eigene Geschichte, manchmal sogar als Zeuge dramatischer Ereignisse“, so Kristina Freise vom Museum.

Vom 12. Februar bis 28. August wird laut RPM in Hildesheim die größte jemals in Deutschland gezeigte Mumienausstellung präsentiert. Sie gewährt  Einblicke in das weltweite Phänomen der Konservierung der Körper Verstorbener, ausgehend vom Totenkult der alten Ägypter über Moorleichen und südamerikanische Mumienbündel bis hin zur asiatischen Tradition der Selbstmumifizierung. Die Hildesheimer Ausstellung will darüber hinaus Mumifizierung als kulturelles Phänomen darstellen, das eine andere Umgangs- und Verständnisweise für den Tod vermitteln kann und einen respektvollen Umgang mit den menschlichen Überresten erst ermöglicht.

Auf einer Reise durch die Naturräume und Kulturen werden die Exponate aus unterschiedlichen Kontinenten ergänzt durch Objekte des RPM. Diese werden zum Teil erstmals gezeigt und wurden im Vorfeld wissenschaftlich untersucht, so dass die Ausstellung aktuellste Erkenntnisse aus der Forschung präsentiert.

Seit 2004 arbeitet ein internationales Team von Experten aus verschiedenen Disziplinen am „German Mummy Project“, dessen Ursprung in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim liegt, und lüftet mit Hilfe moderner Forschungsmethoden die Geheimnisse der Mumien. „So ist es möglich, die Lebensweise und damit die jeweilige Kultur besser zu verstehen oder Hinweise auf Krankheiten und Todesursachen zu bekommen.“, so Freise. bib/eb

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