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Ach ja

Wätzolds Woche Ach ja

„Ach ja!“, dachte ich diese Woche, als ich in dieser Zeitung mit Frauke Petrys Wahlplakat konfrontiert wurde, auf dem sie uns mit sanft-naivem Blick anschaut, ihren eigenen Säugling halb hält, halb hebt, ihn dabei akkurat beschmust und den Betrachter fragt „Und was ist Ihr Grund für Deutschland zu kämpfen?“

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Diese pathologische Frage habe ich mir nie gestellt; aber ganz sicher kann ich sagen, dass Frauke Petrys Säugling für mich keinen Grund darstellt, für Deutschland zu kämpfen. Ich frage mich vielmehr besorgt, was mit dem Kind passiert, während Frau Petry für Deutschland kämpft. Oder denkt die ernsthaft, dass sie ihr Kleinstkind mit in den Krieg nehmen darf? Was würde dazu wohl der Führer sagen?!
Aber eigentlich dachte ich „Ach ja!“, weil mich das Plakat daran erinnerte, dass demnächst Bundestagswahl ist. Davon merkt man bei uns nämlich nichts. Nun sensibilisiert, ist mir in den letzten Tagen immerhin ein beklebtes Auto aufgefallen, das in der Reinhäuser Landstraße steht und uns auffordert, am 24.9. Fritz Güntzler zu wählen. Und laut GT von vorgestern hat Güntzler jetzt tatsächlich auch offiziell die Stimmenjagd eröffnet. Thomas Oppermann und Jürgen Trittin hingegen wurden anscheinend selbst noch gar nicht darüber informiert, dass demnächst eine Bundestagswahl ansteht. Oder sie haben jetzt schon aufgegeben und machen es sich lieber schön, statt einen aussichtslosen Kampf zu kämpfen, weil das eigene Spitzenpersonal so versagt.
Aber nun habe ich für die beiden den idealen Ansatz, um bei jungen Menschen doch noch zu punkten. Denn bei einem Versuch der Stanford-Universität konnten 80 Prozent von fast 8000 befragten Schülern und Studenten eine echte Nachricht nicht von einem gesponserten Beitrag unterscheiden. Und aus der Sozialpädagogik wissen wir ja, dass man sein Klientel da abholen soll, wo es steht. So ergeben sich ganz neue Chancen, um junge Leute in ihrer Meinungsbildung seriös zu unterstützen und mit politischen Botschaften zur Wahl zu animieren. Wichtig ist, dass man dabei keine Zukunftsängste auslöst, sich mit dem Informationsgehalt gut in den Alltag einfügt und selbst glaubwürdig bleibt. Zum Beispiel: „Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch. Bündnis 90 / Die Grünen“. Und äußerst erfolgversprechend scheint mir zu sein: „Martin Schulz: Nur echt mit 52 Zähnen.“

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