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Etikettenschwindel

Wätzolds Woche Etikettenschwindel

Bei jeder Partneranzeige der Göttinger Agentur "Karin" im "Extra Tip" ist neben der Beschreibung des bindungswilligen Singles auch jeweils ein Bild abgedruckt. Das ist sinnvoll, denn wer möchte sich schon mit der Katze im Sack treffen?

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Quelle: CH

Beim genauen Hinschauen sieht man dann aber unten im Foto den Aufdruck "Beispielfoto". Der auf dem Foto abgebildete Mensch ist also gar nicht der, der dort angeboten wird. Das ist verwirrend, zumal so mancher Best Ager - neudeutsch für "Silberzwiebel" - die Aufschrift sicher gar nicht mehr lesen kann und dann haben wir beim ersten Treffen den Salat. Dann sieht der smarte Peter womöglich gar nicht aus, wie der reife George Clooney, sondern wiegt vier Zentner und hat ein "Gesicht zum Eier abschrecken" (Donald Duck).

Aber warum macht die Agentur "Karin" das bloß? Will sie bei der Entscheidungsfindung helfen, indem sie illustriert, wie ein Mann mit 54 im Gegensatz zu einem mit 28 aussieht? Oder geht es einfach um den grundsätzlichen Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Physiognomie, damit nach dem Treffen niemand verstört die sexuelle Orientierung wechselt? Auf jeden Fall macht sich die Agentur "Karin" damit verdächtig, dass die verschriftlichten Attribute der Singles auch nicht stimmen.

Dann ist Peter vielleicht nicht "im öffentlichen Dienst tätig", sondern seit Jahren Hartz IV-Bezieher, Mark mag am Ende überhaupt keine "Rotweinromantik", sondern Doppelkorn am Vormittag und Carola ist gar nicht "fleißig und sehr gepflegt", sondern eine stinkfaule Messiefrau. Die gefakten Bilder werfen aber noch andere Fragen auf: Wer sind die dort abgebildeten Menschen? Wissen diese Leute eigentlich, dass ihre Gesichter benutzt werden, um Partneranzeigen aufzupimpen? Und kann es uns am Ende alle treffen?! Nicht, dass nächste Woche wildfremde Frauen an mir zerren, weil sie denken, ich wäre "der Mann mit dem Frau über alles reden kann." Bin ich nämlich gar nicht. Fragen Sie mal meine Frau ...

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