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Ich nehme die Wahl an

Wätzolds Woche Ich nehme die Wahl an

Eigentlich wähnte ich mich gerade in der gemütlichen Zeit des Jahres. Keine besonderen Vorkommnisse in der Stadt. Deshalb bekommt sogar - in Ermangelung an Berichtenswerterem - der Auftritt von Schlagermutantin "Franziska" einen Artikel mit Bild auf Seite 1 des Lokalteils. So dachte ich.

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Doch dann schlägt plötzlich und völlig unerwartet eine Meldung ein wie ein Blitz: Das Bewerberinnenfeld zur Wahl des Gänseliesels ist auf 20 Teilnehmerinnen geschrumpft.

Und zwar, weil mehrere Bewerberinnen den Teilnahmebedingungen nicht entsprochen haben! Dabei sind diese Bedingungen gar nicht besonders anspruchsvoll: Weiblich und zwischen 16 und 29 Jahre alt müssen die Damen sein und sie dürfen in den vergangenen Jahren noch nie unter den letzten 8 gewesen sein.

Und so blöd kann doch keine sein, dass sie meint, es fällt nicht auf, wenn sie wieder mitmacht, obwohl sie schon mal im Finale war. Das kann also nicht der Ausschlussgrund sein. Damit gibt es nur eine Erklärung: Es wurde gegen das Gebot der Weiblichkeit verstoßen und die Disqualifizierten waren verkleidete Männer, die sich einschleichen wollten.

Aber wer tut das? Und warum?

Stecken die Dransfelder Hasenmelker dahinter, die uns den großen Publikumserfolg des fraglos phantastischen Gänselieselfestes neiden und die Wahl des Liesels zur Farce werden lassen wollten? Oder hat der Gänseschinder von Geismar seine Chance auf den großen Auftritt gewittert und ist mit falschen Haaren und ebensolchem Personalausweis zum Casting gegangen?

Vielleicht hat das Ganze aber auch einen viel ernsteren Hintergrund undreligiöse Fundamentalisten wollten das heidnische Fest mitsamt Brunnen und Besuchern in die Luft sprengen!

Welche Gründe der Betrugsversuch auch hat, eine berechtigte Frage bezüglich der Teilnahmebedingungen wirft er fraglos auf. Denn, nur weil die historische Brunnenfigur weiblich ist, müssen wir uns im 3. Jahrtausend noch sklavisch daran halten? Ist die Festlegung auf ein weibliches Gänseliesel in Zeiten des Gender Mainstreams wirklich noch angezeigt?

Warum soll denn nicht ein Gänse-Lothar unseren OB bei offiziellen Anlässen begleiten? Da reist man für lau durch's Land, lernt die Größen der Kommunalpolitik kennen, hat einen Dienstwagen und es gibt Schnittchen und Schampus. Je länger ich drüber nachdenke, desto diskriminierter fühle ich mich. Deshalb macht euch für 2016 schon mal bereit, denn dann kommt Gänse-Lars!

Von Lars Wätzold

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