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Jetzt hat es sich ausgezilpt!

Wätzolds Woche Jetzt hat es sich ausgezilpt!

Anfang März ist naturgemäß die Zeit, in der die Mitarbeiter des Stadtforstes zur Buschbekämpfung ausschwärmen. Ein Trüppchen rückte am Kiessee an, um das dort seit Jahrzehnten ungehindert wuchernde kleine Wäldchen auszudünnen.

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Schließlich gilt es, den "Spagat zwischen Naherholung und Naturschutz" (Forstamtsleiter Levin) hinzukriegen und hier hatte sich die Natur mehr genommen als ihr zusteht, ohne im Amt nachzufragen. Völlig ungehindert haben sich da 35 Vogelarten fortgepflanzt, als ob der Kiessee ihnen gehört. Tut er aber nicht! Höchste Zeit also, dass dort nun neben Brutstätten für Vögel auch endlich welche für gestresste Stadtmenschen entstehen. Rotkehlchen, Waldohreule und Zilpzalp werden sicher Verständnis dafür haben, dass es sich jetzt ausgezilpt hat.

Also begannen die Forstarbeiter lärmend ihr Tun, aber kaum hatten sie ein paar Büsche auf das für ein Naherholungsgebiet angemessene Maß gestutzt, wurden sie von einem zufällig vorbeikommenden Vogelnarr und Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde an der weiteren Ausübung ihres Berufes gehindert. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur bei den städtischen Machetenmännern vor Ort vogelmäßig völlige Ahnungslosigkeit herrscht, sondern im gesamten Forstamt. Niemand dort wusste, dass so viele seltene Piepmätze in dem beschaulichen Hain am Kiessee beheimatet sind.

Wenn das Dickicht im Stadtgebiet zu anarchisch wird, dann sägt die Baumbrigade also drauf los, ohne vorher jemanden zu fragen, was sich in den Sträuchern eigentlich so tummelt. Sie braucht für Kahlschlag nämlich keine Genehmigung. Und wenn man niemanden fragen muss, ob so ein Eingriff in Ordnung ist, dann sagt einem natürlich auch keiner, dass der genau hier "eine ornithologische Katastrophe gewesen wäre" (Vogelexperte Dörrie). So aber hat die Mönchsgrasmücke gerade noch mal Schwein gehabt.

Aber der Vorgang offenbart natürlich eine gewisse Unorganisiertheit im Forstamt. Das Ganze ist ja ungefähr so, als würde ein Zahnarzt auf gut Glück im Patientenmund rumbohren, weil er den Kollegen nicht gefragt hat, in welchem Zahn eigentlich das Loch ist.

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