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Raten und gewinnen

Wätzolds Woche Raten und gewinnen

In der 4. Klasse hatte ich Frau Naumann in Kunst und Reli. Der Unterricht war ein entsprechender Crossover. Eine Aufgabe war, Jesus mit seinen Jüngern am Abend vor dem Verrat im Garten Gethsemane zu malen. In Malen bin ich lausig und zudem rotgrünblind, sodass Frau Naumann über mein Bild urteilte, es sei „eine Unverschämtheit, den Herrn Jesus so zu malen.“ War mir vorher gar nicht klar gewesen.

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Quelle: CH

Dieser Tage wurden im Rahmen eines polizeilichen Einsatzes in der Flüchtlingsunterkunft Friedland Mohammed-Karikaturen beschlagnahmt. Mittlerweile wird wegen „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ ermittelt. Hat die alte Frau Naumann jetzt also gesetzgeberischen Einfluss erlangt?

 
Mal im Ernst: Neben gelungenen Mohammed-Karikaturen gibt es sicher auch unverschämte, geschmacklose und dumme. Und wenn die in Friedland gefundenen zur bloßen Provokation verbreitet wurden, dann ist das selbstverständlich indiskutabel. Aber wieso wird im Jahre 2015 deswegen ermittelt? Warum sind religiöse Gefühle mehr zu achten, als die eines SPD-Mitgliedes oder eines 96-Fans? Über die kann jeder blöde Witze malen, ohne Ende. Da hat die Polizei nix dagegen.

 
Und geradezu mit Füßen getreten werden die Gefühle der Anhänger des Schönen und Wahren, zu denen ich konvertiert bin. Völlig ungestraft belästigen mich beispielsweise die Zeter-Zombies des deutschen Schlagers regelmäßig vor dem real kauf und geben dort „Konzerte“. Sogar die Amigos waren schon da. Und die sitzen nicht nur am Lagerfeuer der Schlagerhölle, sondern legen sogar die Scheite nach! Angesichts solcher Missstände und zur Verarbeitung meines Kindheitstraumas nehme ich hiermit das Recht für mich in Anspruch, zu malen wen ich will und wie ich will! Gleichzeitig möchte ich die Fronten aber auch nicht unnötig verhärten. Deshalb eröffne ich hier eine heitere Rubrik, in der nicht Ungläubige über Gläubige lachen oder umgekehrt, sondern alle miteinander, vereint in Freiheit und Frohsinn. Sie heißt „Ratespaß mit Jesus“.

 
Mehr dazu in den nächsten Woche. Sie erreichen den Autor unter: redaktion@goettinger-tageblatt.de

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Wätzold steht nicht nur auf dem Sockel, sondern auch auf der Bühne - bei der Comedy Company. mehr