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Vergebung!

Wätzolds Woche Vergebung!

Dank des demographischen Wandels sind wir bekanntlich auf dem Weg zur Rollator-Republik. Ganz weit vorn dabei liegt der Landkreis Osterode. Der ist nämlich deutscher Meister in alt sein - 8,2 Prozent der Bevölkerung sind über 80. Ausgerechnet mit denen verschmelzen wir jetzt zum Großkreis und plötzlich fühle ich mich mit 46 wieder halbstark.

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Quelle: CH

Nun hat Osterode für uns jungdynamische Göttinger außer der Illusion von ewiger Jugend im Prinzip nichts im Portfolio, was uns diese Ehe schmackhaft machen würde. Unser Landkreis hingegen hat traditionsbewussten Greisen etwas zu bieten. In Duderstadt ist ja sogar das Mittelalter noch lebendig, denn hier wird religiöses Brauchtum gepflegt, als hätte es Reformation und Aufklärung nie gegeben.

 
In der Basilika St. Cyriakus wird dem gläubigen Katholiken nämlich tatsächlich noch der vollständige Ablass gewährt. Voraussetzung dafür ist zwar eigentlich ein Besuch der heiligen Messe, aber wenn man zu wenig Zeit hat, um die abzusitzen, reicht laut Gemeindebrief auch "wenigstens ein Vaterunser und das Glaubensbekenntnis (zu) sprechen".

 
Die völlige Tilgung von Sünde und Schuld ist allerdings nur an einigen Tagen im Jahr möglich. Das ist wiederum nachvollziehbar, denn Gottes Terminkalender ist eng gestrickt und der Mann hat ja noch was anderes zu tun, als Sprechstunden in St. Cyriakus abzuhalten.

 
Obwohl, wenn man sich die Zustände auf unserem Planeten anschaut, kann man schon den Eindruck gewinnen, der Schöpfer hätte sich komplett in den Vorruhestand verabschiedet.

 
Für mich könnte der Ablass eigentlich ganz verlockend sein, denn als unverheiratete Familie mit zwei Kindern leben wir ja zu viert in dauerhafter Sünde, was laut katholischem Katechismus "eine schädliche Bindung an die Geschöpfe" nach sich zieht.

 

Wenn ich mir aber überlege, was katholische Funktionäre in den letzten Jahrzehnten Kindern so alles angetan haben, sollte die Kirche den Ball in punkto "schädliche Bindung an die Geschöpfe" mal ganz flach halten.

 
Außerdem müssen wir uns dank Säkularisierung mit unserer Lebensführung ja glücklicherweise nicht an den Regeln irgendeiner anachronistischen Gotteslehre orientieren. Sonst hätten wir im neuen Landkreis womöglich bald eine bizarre Gesellschaftsform: die fundamentalistische Gerontokratie.

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