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Viva Espana

Wätzolds Woche Viva Espana

Ich wollte mir immer mal im Prado das tollste Bild der Welt ansehen: "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch. Und weil dort ohnehin gerade eine große "El Bosco"-Ausstellung anlässlich seines 500. Todestages ist,  gestattete mir meine Familie diese Woche einen Kurztrip nach Madrid. Vielen Dank dafür, liebe Familie! Da stand das Meisterwerk dann direkt vor mir. Ich schaute es eine knappe Stunde an und hätte weinen können vor Glück.

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Quelle: Hinzmann

Bei meinen Nachmittags-Tapas las ich dann im GT, dass auch andere Göttinger nach Spanien fahren, nämlich junge Arbeitslose, die bis 35 Jahre alt sind. Die machen dann dort (oder auf Malta) ein zweimonatiges  Praktikum, das vom Europäischen Sozialfonds bezahlt und von der städtischen Beschäftigungsförderung organisiert wird.

Ein Teilnehmer erklärte dabei beispielsweise Urlaubern auf Teneriffa "wo die Strände sind, wo es was zu besichtigen oder einzukaufen gibt." Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich mir die Reisekosten doch auch erstatten lassen und dafür den Leuten in Madrid erklärt, wo die Strände sind.

Aber ich musste den ganzen Bums natürlich selbst bezahlen. Einem anderen Teilnehmer kam ebenfalls auf Teneriffa die sagenhafte Eingebung "Ich werde Fleischer." Auf solch fabelhafte Ideen kommen junge, bisher unentschlossene Leute eben nur, wenn sie auf einer spanischen Insel "Zeit nachzudenken (haben), was sie in ihrem Leben erreichen wollen."

Allein die Aussicht auf den Auslandsaufenthalt hatte bereits im Vorfeld eine Teilnehmerin befähigt, 2 Monate  lang "jeden Tag von Bad Lauterberg mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Göttingen" zum Vorbereitungskurs zu fahren. Das muss man sich mal vorstellen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln!

Und "um nach Malta zu  kommen, stieg sie das erste Mal in ihrem Leben in ein Flugzeug." Mehr kann man von jungen Menschen bis 35 nun wirklich nicht erwarten. Zwei Drittel der Teilnehmer finden laut Projektleitung nach dem Praktikum eine   Lehr- oder Arbeitsstelle.

Mich würde mal interessieren, ob von den Teilnehmern 5 Jahre später mehr in Lohn und Brot stehen, als von denen, die ihr Praktikum am Arsch der Heide gemacht haben.

Von Lars Wätzold

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