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Wätzolds Woche: City of tiny trouble

Tageblatt-Kolumne Wätzolds Woche: City of tiny trouble

Tumult im Amtsgericht: Derzeit wird gegen einen Demonstranten verhandelt, der bei einer Protestaktion an der Uni eine Mitarbeiterin des Studentenwerks geschlagen haben soll, um sie am Fotografieren anderer Protestler zu hindern, die gerade ihren Chef bedrängten. Während der Verhandlung entrollten 2 Sympathisanten ein Laken mit der Aufschrift „No camera - no problem! Stop the trial against our friend“.

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Lars Wätzold

Quelle: EF

Göttingen. Offenbar ist mit 46 meine Postadoleszenz nun endgültig vorbei, denn das Verhalten der Jungerwachsenen ist mir ein Rätsel. Die dachten doch nicht ernsthaft, dass der Richter angesichts dieser Botschaft sein Hämmerchen mit einem überzeugten „But hello!“ zum Freispruch niedersausen lässt.

Und warum überhaupt auf Englisch? Hat in Zeiten der Globalisierung auch jeder provinzielle Protest eine internationale Dimension? Oder ist die Sprachwahl gar ein Bekenntnis zu Europa? Dann wären allerdings Laken in allen EU-Amtssprachen politisch korrekt gewesen.

Und origineller. Vielleicht war das Laken aber auch schon mal im englischsprachigen Ausland im Einsatz und wurde hier wieder verwendet. In diesem Fall würde ich ebenso international „Chapeau!“ rufen, angesichts solch nachhaltiger Protest-Kultur. Glaub’ ich aber nicht.

Ebenfalls auf Krawall gebürstet ist der Ortsrat Weende. Der will zwei Bushaltestellen nach der Straße beziehungsweise dem Gebäude umbenennen, an denen sie liegen. Stadtweite Praxis ist aber eine Benennung nach abgehenden Straßen. Die Verwaltung lehnte also ab.

Das kann der Ortsrat aber „in keiner Weise akzeptieren“ und besteht weiterhin auf die Umbenennung. Offenbar sind die nach der Erhaltung ihres Freibades größenwahnsinnig.

Was kann man nun aber tun, damit all diese Rabauken mal wieder friedlich durch die Nase atmen? Die Lösung bietet das Qualitäts-Esoterik-Magazin „ginkgo“, das mir vorgestern in die Hände fiel. Die Hitzköpfe sollten sich einfach mal auf ihr Laken legen und zur Entspannung eine Sitzung „Lomi Lomi Nui“ bei „Wellness-Petra“ buchen und zur weiteren Vertiefung das Seminar „Integratives Releasing“ absolvieren.

Ich wette, denen ist danach völlig egal, wie die Bushaltestellen in Weende heißen.

Von Lars Wätzold

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Wätzold steht nicht nur auf dem Sockel, sondern auch auf der Bühne - bei der Comedy Company. mehr