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Es ist ein Karton

Wätzolds Woche Es ist ein Karton

Wenn die politischen Entscheidungsträger der Jury des Architektenwettbewerbs folgen, dann wird das Galeriegebäude des Kunstquartiers ein steinerner Karton. Damit passt es natürlich erstklassig in die Tradition der innerstädtischen Karton-Neubauten der letzten Jahre. Beim Kuqua-Karton werden aber die Deckelflügel nicht ganz zugeklappt, sodass er ein Dach hat. Das ist für Göttinger Flachdach-Verhältnisse nun wieder ungewöhnlich.

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Quelle: CH

Göttingen. Insgesamt überzeugt der Bau die Jury mit seiner „Einfachheit der monolithischen Betonstruktur“ auf ganzer Linie. Das Leben ist schließlich schon kompliziert genug, da wirken Einfachheit und Betonstruktur kontemplativ und beruhigend aufs urbane Gemüt zwischen dem ganzen fusseligen Fachwerk. In der monolithischen Betonstruktur steht sogar etwas: „ARCHE“. Das leuchtet mir ein: Kunst ist bedroht, wir in Göttingen aber schützen sie und geben ihr ein sicheres Zuhause im Kuqua; selbst, wenn es lange regnet. Ist ja schließlich aus Beton, kann also nix passieren. Der Schriftzug „SERRA GOES TO STEIDL“ bedarf allerdings einer Erklärung. Warum kommt die Gebirgskette denn zum Verleger? Will der wandern? Sind die Treppen des Gebäudes so steil? Oder übernimmt Steidl jetzt den gleichnamigen Imbiss in Clausthal-Zellerfeld (laut Eigenwerbung immerhin „Deutschlands Dönerladen Nr.1“) und verpflegt dann später die kunstbesessenen Kuqua-Besucher mit Fleisch in Fladen? Das böte immerhin die Möglichkeit, wenigstens einen Teil des jährlichen Unterhalts von 500?000 Euro selbst zu erwirtschaften. Denn zur Finanzierung dieses Betrages ist mir noch kein Vorschlag bekannt, außer dem schon lange nicht mehr geäußerten, das Geld beim Museum und dem Stadtarchiv einzusparen. Außerdem sollen die Ausstellungen im Alten Rathaus nicht mehr stattfinden. Der neue Aufzug funktioniert ja schließlich auch ohne Ausstellungen einwandfrei. Wahrscheinlich sogar besser, weil es dann ja keinen Verschleiß mehr gibt. Der zweitplatzierte Entwurf hat übrigens auch eine Inschrift. „MU BU K“ steht da über drei Geschosse verteilt. Das ist mir nun komplett rätselhaft. Vielleicht waren aber auch einfach Legastheniker am Werk und die meinten „HUMBUG“.

 

Den Autor erreichen Sie unter redaktion@goettinger-tageblatt.de

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