Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Hauptsache gut beraten

Wätzolds Woche Hauptsache gut beraten

Diese Woche nahm ich meinen Mittagsimbiss mal in der Bäckerei Yildiz ein (meine Empfehlung bei der Gelegenheit: Gözleme mit Kartoffelfüllung) und wurde Zeuge vorbildlicher Kundenberatung. Während meines Aufenthalts fiel mir nämlich auf, dass die ohnehin reizenden Tresen-Damen mindestens jedem dritten Kunden auf Nachfrage erklärten, woraus die hausgemachten Pasten bestehen, die dort angeboten werden und wie man sie einsetzt.

Voriger Artikel
Verwaltung bizarr!
Nächster Artikel
Es ist ein Karton
Quelle: CH

Das taten sie sehr sachkundig und zugewandt unter Einsatz von Kostproben.

Ungebetene Beratung hingegen nervt, wie sie mir am selben Tag in der Apotheke bei uns um die Ecke zuteil wurde. Dort kaufte ich Nasenspray und eine Packung Ibuprofen und wurde dabei heillos überberaten. Die Apothekerin fragte erstmal, ob ich denn wüsste, wie man das Spray anwendet. Als jahrzehntelanger Nasenspraynutzer war ich etwas perplex und gab die nahe liegende Antwort „In die Nase sprühen?“ Das ließ die Dame aber so nicht gelten, sondern erklärte mir langatmig und mit ernster Miene, wie oft und in welchem Zeitrahmen insgesamt das Produkt anzuwenden sei. Weil ich es eilig hatte, beließ ich es bei einem „Aha … “ und wollte zahlen. Aber da hatte ich die Rechnung ohne das Ibuprofen gemacht, das die Dame nun in der Hand hatte, während sie mich mitleidig fragte, ob ich denn chronische Schmerzen hätte. Dann wäre ein Arztbesuch nämlich sinnvoller, zumal bei Daueranwendung organische Probleme drohten. Nachdem ich erklärt hatte, dass ich die Tabletten nur gelegentlich einnehme, durfte ich endlich bezahlen und die Apotheke ohne weitere Zwangsberatung verlassen - genervt, aber auch erleichtert, dass ich heute keine Zäpfchen brauchte. Offenbar fühlt sich manche Apothekerin eher als Ärztin, die am falschen Arbeitsplatz tätig ist. Diese Beratung war jedenfalls eher eine gefühlte Entmündigung. Zum Abschied schenkte sie mir immerhin noch eine Packung Taschentücher, die ich tatsächlich ohne Anwendungshinweis einstecken durfte. Zum Glück kauft man Bier nicht in der Apotheke. Im Getränkemarkt wurde ich nämlich noch nie darauf hingewiesen, was übermäßiger Konsum so alles anrichtet. Würde ich auch nicht wollen.

Mit meinem Bankberater hingegen muss ich wohl mal ein ernstes Wort reden, denn von dem fühle ich mich sträflich unterberaten. Seit Jahren lege ich mein Geld auf sein Anraten in Bausparverträge, Rentenversicherungen und so weiter an. Und nun lese ich, welche Rendite man hat, wenn man sein Geld in Panama investiert. Davon hat der mir nie erzählt!

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Wätzold steht nicht nur auf dem Sockel, sondern auch auf der Bühne - bei der Comedy Company. mehr