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Wahlversprechen

Wätzolds Woche Wahlversprechen

Letzte Woche fuhr ich durch die Stadt und wäre vor Schreck fast vom Rad gefallen. Waren das wirklich Willi Stoph und Margot Honnecker, die mir da von der Plakatwand entgegen grinsten? Nein, es handelte sich doch nur um die FDP-Kandidaten Knopek und Oldenburg, die allerdings dasselbe 80er-Jahre SED-Blau als Hintergrund hatten, wie die ZK-Granden, die in dem Dorfgemeinschaftshaus an der Wand hingen, das meine Tante damals in der Niederlausitz verwaltete.

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Lars Wätzold nimmt die Wahlplakate der Parteien zur Kommunalwahl in Göttingen aufs Korn.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Wahrscheinlich ist realsozialistisches Gebrauchtblau heute billig zu haben. Und so dicke hat es die FDP ja bekanntlich auch nicht, dass sie sich mal eben eine brandneue Farbe kaufen könnte. Aber der Slogan „Update für Göttingen“ ist vor dem Hintergrund und bei dem abgestandenen Personal natürlich Quatsch.

Daneben hing ein Plakat mit fast dadaistischem Anklang. Die PIRATEN zeigen das Neue Rathaus in pechschwarzer Nacht und daneben einen Hund, so groß wie Godzilla. Darüber steht „Ich hab was gegen Filz!“ Was soll das bloß bedeuten? Hat der Monsterhund eine Allergie? Hat ihn der Kontakt mit Filz überhaupt erst so schlimm wachsen lassen? Und soll die Verwaltung nun lieber Cord benutzen, damit die arme Kreatur den amtlichen Service nutzen kann, ohne zu zerplatzen? Rätselhaft. Noch verstörender ist aber ein weiterer PIRATEN-Slogan: „Kein See ist illegal“. Da fällt einem so gar nichts mehr ein.

Der Mann auf dem Plakat darüber allerdings wirkt seriös im Quadrat. Auf den ersten Blick fragt man sich, ob er für ein Bestattungsunternehmen wirbt, oder eher für Haftcreme. Weder noch, denn Ludwig Theuvsen steht für die CDU. „Mehr Zukunft mit neuen Ideen“, lautet sein Versprechen. Mit welchen Ideen er unser Leben verlängern will, verrät der crazy Professor aber wohl erst nach der Wahl. Da ist Skepsis geboten.

Ein bizarrer Eyecatcher wiederum ist Eckhard Fascher von „Die Linke“. „sozial ökologisch menschlich“ ist sein Motto, wobei „menschlich“ offensichtlich gelogen ist. Denn dieser fleischgewordene Sitzsack ist eindeutig extraterrestrischen Ursprungs! Auffällig ist übrigens, dass „Die Linke“ stadtweit die Plakate der „Antifa LINKE“ überklebt. Der drollige Kleinkrieg beider Listen nimmt also wieder Fahrt auf.

Die „Grünen“ hingegen werben für sozialen Wohnraum, ohne zu sagen, wo der herkommen soll. Wahrscheinlich halten die sich extra bedeckt, weil die Idee der Kleingartenvernichtung ja die letzten Male schon nicht wirklich gut ankam.

Alles richtig macht eigentlich nur Bernhard Reuter, denn auf seinem Plakat steht lediglich „Bernhard Reuter“. Und dieses Wahlversprechen kann er vermutlich problemlos einhalten.

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Wätzold steht nicht nur auf dem Sockel, sondern auch auf der Bühne - bei der Comedy Company. mehr