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Wer ist die Mitte?

Wätzolds Woche Wer ist die Mitte?

„Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger“, sagte der bayerische Innenminister Herrmann diese Woche in meinem Fernseher, um seinen Respekt vor Farbigen auszudrücken. Ist das noch Rassismus, oder schon die Banalität des Blöden

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Göttingen. Einen Tag später eröffnete die bayerische Sozialministerin mit einem bizarren Auftritt das erste „Balkan-Lager“ (allein der Name!), um Flüchtlinge aus Südosteuropa schnell abschieben zu können. Von dort kommen eben leider keine wunderbaren Neger, sondern bloß Zigeuner. Und das Zigeunerleben ist bekanntlich nur dann lustig, wenn der Zigeuner unterwegs ist und nicht, wenn er bei uns sesshaft wird. Und deshalb muss er wieder weg, der Zigeuner. Und mit Abschiebung ist er noch gut bedient, denn „wir kämpfen bis zur letzten Patrone gegen die Einwanderung in die Sozialsysteme“ (Horst Seehofer). Das hat mittlerweile Menschen in Heidenau, Nauen, Salzhemmendorf und anderswo so überzeugt, dass sie genau das tun. Beziehungsweise klatschend und johlend daneben stehen, während Andere Mord versuchen.

Und was ist in unserer Region los? Einiges. So wurden in Witzenhausen beim Erntefest einige Flüchtlinge, deren Begleiter und ein Kenianer von fünf Besoffenen beschimpft und geschlagen. Das ist schlimm. Noch schlimmer ist allerdings, dass keine einheimischen Festbesucher eingeschritten sind. Nicht einschreiten ist natürlich nicht so schlimm wie klatschen und johlen. Den Opfern hilft es allerdings ebenso wenig.

Ich frage mich dieser Tage, wer eigentlich die viel beschworene Mitte unserer Gesellschaft ist. Sind es diejenigen, die ihre Solidarität mit Geflüchteten ausdrücken und auch bereit sind, Wohlstand zu teilen? Dann möchte ich gern dazu gehören. Sind es Leute wie Herrmann? Dann möchte ich nicht dabei sein. Sind es diejenigen, die nicht eingreifen, wenn neben ihnen gepöbelt und geschlagen wird? Dann hoffe ich, dass ich im Ernstfall nicht dazu gehöre.

Den Autor erreichen Sie unter redaktion@goettinger-tageblatt.de

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