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Zeilen für die Riemannstraße

Wätzolds Woche Zeilen für die Riemannstraße

Lars Wätzold widmet seine Tageblatt-Kolumne in dieser Woche der Riemannstraße und dem Walnussbaum, der dort bis vor Kurzem stand. Über ihn hat er ein Gedicht geschrieben.

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Quelle: CH

In der Riemannstraße, da stand bisher ein Baum.
Doch, wenn ich nun hinschaue, seh' ich dort leeren Raum.
Man fällte und schredderte ihn direkt an Stell' und Ort,
danach fuhr man die Reste in einem Auto fort.

 
Der Baum, er musste weichen, denn dort entsteht ein Haus,
drum riss man auch noch Sträucher und and're Bäume aus.
Den Bauherr tut es reuen. Er sagt, Schuld sei die Stadt,
weil die ganz furchtbar baum-feindliche Regeln hat.

 
Denn alle Häuser müssen hier auf einer Höhe stehen.
Versetzt stehende Bauten, das würde gar nicht gehen.
Die untere Naturschutzbehörde gab den Segen.
Dem Baum, ihm blieb kein Freund. Er stand allein im Regen.

 
Er werde Ausgleich pflanzen, sagt der Besitzer nun.
Doch dieses Bekenntnis - rechtfertigt es sein Tun?
Zunächst ist eine Lücke dort himmelweit am Klaffen,
Schluss ist jetzt hier mit Klettern, für Eichhorn wie für Affen.

 
Die Nachbarn war'n dagegen, es regte sich Protest,
doch alles Jammern nutzlos, der Baum bekam den Rest.
Da, wo er einstmals stand, da hängt nun ein Gedicht,
voll wohl gemeinter Zeilen. Sie halfen leider nicht.

 
Die Trauer ist jetzt groß und man ist außer sich,
das Leben in der Riemannstraße lohnt sich nunmehr nicht.
Denn bei jedem Gang bleibt man an der Stelle stehen
und kann durch die Lücke bis nach Niedernjesa sehen.

 
Ich las dies in der Zeitung und bin innerlich gespalten.
Was soll ich denn nun selbst von diesem Vorgang halten?
Ich liebe Pflanzen nämlich sehr und generell,
im Wachsen sind sie langsam, zerhackt hingegen schnell.

 
Doch Früchte dieses Baumes, die genoss ich nie,
denn esse ich Wallnüsse, bekomm' ich Allergie.
So ist mir dieser Baum im Grunde piepegal,
doch für 'ne Kolumne, da taugt er allemal.

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