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Thomas Noll und Carsten-Peter Warncke: Buch dokumentiert Göttinger Altarbilder

Kunst des Spätmittelalters Thomas Noll und Carsten-Peter Warncke: Buch dokumentiert Göttinger Altarbilder

In Göttingen ist ein bemerkenswerter Bestand an spätmittelalterlichen Altarbildern erhalten geblieben. Dies betrifft schon allein die Zahl von etwa einem Dutzend Werken, die zudem von den Hauptaltären der Kirchen stammen. Dies betrifft aber auch die Tatsache, dass knapp die Hälfte dieser Altarbilder bis heute ihren Platz in Göttinger Kirchen hat.

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Altarbild von 1506 aus der St.-Jürgens-Kapelle: die Kreuzigung Christi, heute im Niedersächsischen Landesmuseum.

Quelle: Deutscher Kunstverlag

Eine ausführliche Zusammenschau dieses Bestandes liefert nun das Buch „Kunst und Frömmigkeit in Göttingen“, herausgegeben von den beiden  Kunsthistorikern Thomas Noll und Carsten-Peter Warncke . In Göttingen sei im Hinblick auf den kunstgeschichtlichen Rang der Altarbilder ein so überraschend einheitlicher wie relativ vollständiger Werkkomplex überliefert, heißt es in der Einleitung. Die Altaraufsätze, die ab etwa 1400 in einem Zeitraum von 125 Jahren entstanden seien, eröffneten in der Zusammenschau Einsichten in verschiedene Richtungen.

In St. Jacobi bildet der Flügelaltar von 1402 seit mehr als 600 Jahren das zentrale Ausstattungsstück der Kirche. Doch auch andere Kirchen beherbergen – teils umgebaut oder nach Unterbrechungen – spätmittelalterliche Altarbild -Schätze. In der Göttinger Innenstadt sind dies St. Albani und St. Marien, dazu kommen St. Marien in Hetjershausen und die Klosterkirche Nikolausberg. Im Städtischen Museum Göttingen hat zudem das Hochaltarbild der Pfarrkirche St. Martin in Geismar seinen Platz gefunden.

Eine Zusammenschau des Bestandes spätmittelalterlicher Altarbilder liefert das Buch „Kunst und Frömmigkeit in Göttingen“ von den Kunsthistorikern Thomas Noll und Carsten-Peter Warncke.

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Darüber hinaus sind Altarbilder von Kirchen und Kapellen erhalten, die selbst nicht mehr existieren. Mehrere dieser Werke befinden sich heute im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover. Das betrifft das monumentale Altarbild der Franziskanerkirche, auch Barfüßerkirche genannt, sowie Werke aus der St.-Crucis- und der St.-Jürgen-Kapelle. Teile des Altaraufsatzes der säkularisierten Paulinerkirche befinden sich heute in der Prager Nationalgalerie.

Im Städtischen und im Landesmuseum befinden sich zudem Altarbild-Fragmente. Diese verwiesen darauf, dass es im spätmittelalterlichen Göttingen in den Kirchen auch einen vielfältigen Bildschmuck auf Nebenaltären gegeben habe, heißt es in der Einleitung. Wenn diese Kirchenausstattung der vorreformatorischen Zeit fast ganz verloren sei, bleibe um so bemerkenswerter, dass Hochaltarbilder nahezu vollständig erhalten seien.

In den Beiträgen des Buches stellen die Autoren die einzelnen Altaraufsätze detailliert vor – im Hinblick auf Überlieferungsgeschichte, Stil, Vorbilder, Motive, Bildsprache, Besonderheiten und – soweit bekannt – Künstler. In der Zusammenschau geht es außerdem um zentrale Inhalte und Motive in der spätmittelalterlichen Kunst und Frömmigkeit. Die Göttinger Altarbilder sollten dabei nicht überbewertet werden, heißt es in der Einleitung. Sprechend und repräsentativ seien sie vielmehr in ihrer Durchschnittlichkeit.

Nicht Liebe sondern Mangel an Interesse

Ein Beitrag ist auch der Zehngebotetafel gewidmet, die wahrscheinlich an einem Ort der Rechtsprechung ihren Platz hatte und somit einen Sonderfall außerhalb des Bestandes der Altarbilder darstellt. Neben den Aufsätzen zu einzelnen Altarbildern gibt es auch übergreifende Beiträge, so zu der Göttinger Kirchenorganisation im späten Mittelalter, zu den Inschriften der Göttinger Altaraufsätze und zu den Göttinger Kirchenbildern in der Reformation – diesem Thema widmet sich der Göttinger Kirchenhistoriker Bernd Moeller.

Er beschreibt, wie in Göttingen der reformatorische Bildersturm vergleichsweise glimpflich verlief. Dadurch sei der bis heute fortbestehende Reichtum der Göttinger Kirchen an mittelalterlichen Altarbildern möglich geworden. Das sei allerdings keine Göttinger Spezialität. Vielmehr sei in der Forschung mit Staunen registriert worden, dass im Luthertum am ehesten kirchliche Bilder des Mittelalters bewahrt geblieben seien.

Im reformierten Protestantismus seien dagegen die Bilder in aller Regel beseitigt worden, weil man sie für Götzen hielt, in katholischen Gegenden seien sie in späteren Zeiten oft verschwunden, weil man sie altmodisch gefunden habe und durch vermeintlich zeitgemäßere habe ersetzen wollen, etwa zur Barockzeit.

Moeller schreibt dies allerdings nicht einer bewahrenden Kraft des Luthertums zu. Wenn in einer Stadt wie Göttingen wenigstens ein Teil der Altarbilder vor der Zerstörung bewahrt worden sei, „dann doch kaum aus Liebe, eher aus Mangel an Interesse. Einen Gottes- und Heilsbezug schrieb man ihnen jedenfalls nicht zu“. Wohl aber hätten sie als Schmuck und zur Veranschaulichung biblischer Texte und Lehren getaugt.

Das Buch geht im Kern zurück auf eine Vortragsreihe am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Göttingen im Wintersemester 2007/2008. Für das Buch kamen noch drei Aufsätze hinzu. Dass die Veröffentlichung einige Jahre dauerte, liegt – so begründen es die Herausgeber im Vorwort – auch daran, dass die Finanzierung für die angestrebte Ausstattung des Bandes schwierig war. Die hervorragenden Abbildungen zeigen, dass sich das Warten gelohnt hat.

Thomas Noll / Carsten-Peter Warncke (Hg.): Kunst und Frömmigkeit in Göttingen. Die Altarbilder des späten Mittelalters, Deutscher Kunstverlag, geb., 391 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Farbtafeln, 39,90 Euro.
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