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Tierschützer fordern Kastrationsgebot für Katzen

Zu viele Tiere Tierschützer fordern Kastrationsgebot für Katzen

Tierheime und Tierschutzvereine im Landkreis Göttingen klagen über eine regelrechte Katzenschwemme. Die Pfleger und ehrenamtlichen Mitarbeiter wissen nicht mehr wohin mit den Tieren. Landkreis und Stadt Göttingen reagieren zurückhaltend.

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Quelle: Hartwig

Göttingen. Das Problem bereitet zum Beispiel dem Tierschutzverein Friedland große Sorgen: „Wir haben zu viele Katzenbabys“, erzählt die Vorsitzende Bettina Bruder. „Seit dem vergangenen Jahr kommen wir mit der Vermittlung der Katzenbabys nicht mehr hinterher. Deshalb haben wir jetzt auch einen Aufnahmestopp ausgerufen. Da der Verein alles privat macht, haben wir schlichtweg keinen Platz mehr zur Verfügung für alle Katzen.“

Das ganze Jahr über Probleme

Der Verein nimmt Katzen auf, die in den meisten Fällen unkastriert sind. Ende März sind die letzten Katzenkinder geboren worden, und im Herbst kommen die nächsten. Probleme gibt es also das ganze Jahr über. Dafür gebe es jedoch eine Lösung, sagt Bruder: „Wenn die Kommune sich endlich des Kastrationsgebotes annehmen würde, hätten wir weniger Zuläufe und würden endlich mit der Vermittlung der Katzen hinterherkommen.“ Bereits vor fünf Jahren habe der Tierschutzverein Friedland das Kastrationsgebot gefordert, allerdings ohne Erfolg. Die Folgen seien spätestens jetzt deutlich spürbar.

Ob es in Göttingen zu viele streunende Katzen gibt, könne die Stadtverwaltung nicht bestätigen. Sie habe aber auch keinen Anlass, die Aussagen der Tierschützer zu bestreiten. „Die Diskussion über das Kastrationsgebot hatten wir“, sagt Detlef Johannson, Sprecher der Stadtverwaltung Göttingen. „Unsere erheblichen Zweifel an der Wirksamkeit einer kommunalen Verordnung bestehen jedoch unverändert. Man kann eine solche Verordnung erlassen und hoffen, dass das geduldige Papier Wirkung zeigt.“ Da Katzen aber nicht registriert und keinem Halter zugeordnet seien, mache diese Ausgangslage die Kontrollen enorm aufwändig und fast unmöglich. „Aber ohne Kontrollen und Sanktionen ist die Kastrationspflicht vermutlich nicht mehr als ein Appell“, so Johannson.

Ähnlich sieht das auch der Landkreis Göttingen: „Im Fall eines Kastrationsgebotes ergeben sich Fragen bezüglich der Kontrolle, da Katzen auch nicht, zum Beispiel wie Hunde, mit einem Chip gekennzeichnet sind“, sagt Andrea Riedel-Elsner, Sprecherin des Landkreises Göttingen. Genau aus diesem Grund fordert die Vorsitzende des Tierschutzvereins Friedland zum Kastrationsgebot auch das Registrierungsgebot: „Wenn es das Registrierungsgebot auch für Katzen gäbe, wäre das eine große Hilfe. Fände man ein ausgesetztes Tier, könnte man durch dieses Gebot sofort den Halter ausfindig machen und ihn für die Kastration und alle weiteren Kosten verpflichten. So muss der Tierschutzverein die Kosten für die Kastration der Tiere trotz Spenden aus eigener Tasche bezahlen.“

Eine Kette ohne Ende

Auch der Tierschutzverein Osterode klagt über zu viele Katzenbabys. „Wir haben mittlerweile 31 Katzen, aber nur vier Hunde und vier Kleintiere“, sagt Tierheimleiter Silvio Wolter. Grund: Für Hunde bestehe eine Registrierungspflicht. Somit könne der Besitzer in der Regel immer ausfindig gemacht werden. Kaum noch jemand gehe das Risiko ein, seinen Hund einfach auf die Straße zu setzen, so Wolter. Bei Katzen verhalte es sich anders. Haltern werde es einfach gemacht, diese abzugeben oder sogar auszusetzen. „Das mit den Katzen – eine Kette ohne Ende“, sagt auch Tierpfleger Klaus-Dieter Thelemann vom Tierheim Northeim. „Wir haben mittlerweile 60 Katzen, und es stehen noch mehr auf der Warteliste, die an uns abgegeben werden sollen.“ Auch Thelemann wünscht sich das Kastrationsgebot. „Dann könnten wir alle etwas beruhigter sein und uns in Ruhe um die Tiere kümmern.“

Zuletzt verkündete das niedersächsische Landwirtschaftsministerium, dem Verband Niedersächsischer Tierschutzvereine 100 000 Euro zur Verfügung zu stellen, um die Kosten für Kastration und Kennzeichnung abzufedern. Johannson macht das folgende Angebot: Besser seien Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit "durch die sachkundigen Organisationen, die wir gern dabei unterstützen".

2012 gab es in Göttingen schon mal eine Kampagne zur Kastration von Katzen. Damals erhielten Katzenbesitzer oder -finder einen Zuschuss, wenn diese das Tier kastrieren ließen. "Für die Aktion haben wir 2012 einen Spendenaufruf gestartet. Mit dem eingesammelten Geld haben wir die Kastration von rund 100 Katzen bezuschussen können. Das kann man sicher noch einmal wiederholen“, so Johannson.

 Von Kimberly Fiebig

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