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Tödlicher Unfall vor Gericht

Sorgfaltspflicht verletzt Tödlicher Unfall vor Gericht

Mehr als zwei Jahre nach einem tödlichen Radfahrunfall hat der Fall jetzt einen – zumindest vorläufigen – juristischen Abschluss gefunden. Das Amtsgericht verurteilte einen 20-jährigen Autofahrer aus Göttingen wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldauflage von 500 Euro. Der damals 18 Jahre alte Angeklagte hatte im Juli 2010 mit seinem Pkw frühmorgens beim Linksabbiegen von der Godehardstraße in die Berliner Straße einen Radfahrer erfasst, als dieser die Kreuzung überquerte.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Göttingen. Der Radfahrer prallte erst auf die Motorhaube und dann gegen einen Ampelmast. Dabei erlitt er so schwere Kopfverletzungen, dass er später im Göttinger Universitätsklinikum starb. Es war bereits der dritte Anlauf in dem Verfahren gewesen. Das Gericht hatte zweimal den Prozess ausgesetzt, weil zunächst nicht geklärt war, wer das Unfallopfer war. Der Radfahrer hatte eine Duldungsverfügung der Ausländerbehörde bei sich, die ihn als Asylbewerber Ibrahim M. aus Burundi auswies.

Unter diesem Namen wurde er als Patient im Klinikum registriert, auch die Sterbeurkunde wurde auf diesen Namen ausgestellt. Zwei Tage nach dem Unfall meldete sich jedoch eine Familie aus Nigeria, die angab, dass der Getötete tatsächlich Nelson O. heiße und ihr Sohn sei. Die Familie sorgte dafür, dass die Leiche des Radfahrers nach Nigeria überführt und dort auch beigesetzt wurde.

Die widersprüchlichen Angaben waren deshalb ein juristisches Problem, weil Mitglieder der Familie aus Nigeria als Nebenkläger zugelassen werden wollten. Auf einen solchen Status, der mit besonderen Rechten verbunden ist, haben nur die Eltern, Kinder, Geschwister oder Lebenspartner eines Getöteten einen Anspruch. Erst nach mehr als zwei Jahren fand sich schließlich ein Zeuge, der den Radfahrer gekannt hatte und nähere Angaben über dessen Herkunft machen konnte.

Am Ende der fünfstündigen Verhandlung folgte das Gericht mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Autofahrer habe seine Sorgfaltspflicht verletzt. Er hätte beim Abbiegen nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen, da unmittelbar vor dem Unfall mehrere Fußgänger die Straße überquerten, so dass er die Kreuzung nicht habe überblicken können. Das Gericht hielt dem Angeklagten zugute, dass er selbst durch den Unfall erheblich psychische Folgen davongetragen habe. Neben der Geldauflage muss er auch für die Kosten der Nebenklage aufkommen. Die Verteidigung hatte dagegen Freispruch gefordert.

Von Heidi Niemann

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