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Tote kauft im Internet Perücke und Fetischkorsett

Aus dem Amtsgericht Tote kauft im Internet Perücke und Fetischkorsett

Die Online-Bestellung wirkt so, als sei sie fürs pralle Leben bestimmt: Langhaarperücke, künstliche Wimpern und Fetischkorsett. Empfängerin allerdings ist eine Tote. Das stellte, als es ans Bezahlen ging, nicht nur das Internet-Versandhaus für Erotikprodukte fest. Auch Händler, vom Elektronik-Handel bis zum Shopping-Kanal, wurden betrogen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Am Montag musste sich eine 29 Jahre alte Frau für all die Betrügereien verantworten, die sie in ihrer nur kurzen Zeit am Wohnort Göttingen verbrochen hatte.

Ein halbes Jahr lang hatte sie sich unter erfundenen Namen, über ausgespähte Online-Konten, mit falschem Personalausweis oder mit gestohlener EC-Karte Waren bestellt oder in Geschäften in betrügerischer Absicht gekauft. Am Ende entschuldigte sie sich beim Staatsanwalt, „dass Sie so viel vorlesen mussten. Das hat mir vor Augen geführt, wie viel das war.“

Tatächlich brauchte die Litanei der nie bezahlten Gegenstände, die die Anklage auflistetet, viel Zeit. Die darin Beschuldigte gibt auch gleich alles zu. In 38 Fällen hat sie Waren bestellt und nicht bezahlt oder eingekauft mit falscher EC-Karte. In einem Fall wurde sie mit 50 Gramm Haschisch erwischt. Der Schaden bei Versandhandel und betrogenen Läden beläuft sich auf knapp 9000 Euro.

Psychischer Ausnahmezustand

Schnell wird in der Verhandlung deutlich, dass die Frau damals in einem psychischen Ausnahmezustand handelte. Die heute 29-Jährige war zehn Jahre verheiratet, als sie sich 2011 von ihrem angeblich tyrannischen Ehemann trennte. Von Berlin flüchtete sie nach Göttingen. Auch hier soll er ihr nachgestellt haben.

Sie verlor den Halt, griff zu Drogen, verlor die Arbeit, musste über Monate wegen psychischer und Abhängigkeitsproblemen behandelt werden. In dieser Zeit begann sie, Waren zu bestellen, die sie selber brauchte oder für den Drogenkonsum zu Geld machte.

Daraus ergibt sich ein Sammelsurium an Bestellungen: vom Laptop bis zu Arzneimitteln aus Online-Apotheken, von Wäschepaketen bis zu Goldketten, von Vibrator und Gleitchremes bis zu Babyrassel und Windeltasche. Letzteres war für den Eigenbedarf– und hat die junge Frau wohl aus der Sucht gerettet.

Sie stellte fest, dass sie schwanger ist, schaffte mit der Hilfe ihres Vaters und des neuen Freundes selbstständig den Drogenentzug und lebt mit dem Vater des Kindes heute straffrei in einer Großstadt.

„Sechs Monate Radikalabsturz“

Auch vorher schon, so stellte das Schöffengericht erstaunt fest, hatte sich die Handwerksmeisterin nie etwas zu Schulden kommen lassen. „Sechs Monate Radikalabsturz“ nannte Verteidiger Matthias Wuttke denn auch die kurze kriminelle Phase, für die ihr eingeschränkte Schuldfähigkeit zugebilligt wird. Eine mit „erheblicher krimineller Energie“ freilich, meinte das Gericht.

Denn dass sie den gefundenen Ausweis einer inzwischen verstorbenen Göttingerin nutzte, deren Foto ihr ähnlich sah, um damit sogar ein Konto einzurichten, war schon dreist.

Auch hat sie eine gestohlene EC-Karte genutzt. Im Internet war sie in Online-Konten von Kunden verschiedener Versandhändler eingedrungen und hatte unter deren Namen bestellt und mit dem falschen Ausweis in Paketshops Ware abgeholt. Eineinhalb Jahre Haft gibt es am Ende dafür, ausgesetzt zur Bewährung. 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit muss sie überdies als Auflage ableisten.

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