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Toter in der Groner Landstraße Wohnen zwischen Gerüchen und Gerüchten

Am Sonntagmittag

Wohnen zwischen Gerüchen und Gerüchten

Sonntagmittag, der Tag nach Entdeckung des Toten in Apartment 240: Nur wenige Wagen stehen im Tiefgeschoss. Hunderte Stellplätze sind frei. Auto fahren hier die wenigsten Mieter. Einige Studenten kehren aus den Weihnachtsferien zurück. Ihr Entsetzen über den Totschlag im Wohnblock zwischen Groner Landstraße und Hasengraben ist groß.

Spurensicherung in der Groner Landstraße: Seit Sonnabend ermittelt das erste Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes.

© dpa

„Ich muss hier raus, so schnell wie möglich“, sagt eine junge Frau. „Unzumutbare Wohnbedingungen“, klagt eine andere. Mit „schlechtem Gewissen“ liefert ein Vater seinen in Göttingen studierenden Sohn ab. „Der Wohnungsmarkt…“, sagt er wie zur Entschuldigung.

Täglich, so die Studenten, seien Feuerwehr oder Polizei da. Nur der Notarzt komme häufiger. Wie zur Bestätigung eilt ein Team Rettungssanitäter in diesem Augenblick durch das Spalier hunderter Türklingeln ins Haus.

Unterdessen kommt eine Gruppe mit Bierflaschen dazu: „Nachschub.“ Eine junge Frau mit einem Viertelpfund Silberschmuck im Gesicht wehrt gleich ab: „Ich sag nix. Das war mein bester Freund.“ Dann beteiligt sie sich munter an der Debatte über all die Gerüchte, die seit Sonnabend hier zu hören sind: Tagelang habe der Tote in der Wohnung gelegen, wollen einige wissen. Zerstückelt worden sei er. „Ein Finger wird noch gesucht“, behauptet einer lallend. Der „Mörder“, wie sie den Verdächtigen nennen, habe die Polizei rufen lassen, weil „er den Gestank nicht mehr ausgehalten hat“. „Dabei waren das die besten Freunde“, wird behauptet. „Todkrank war der, wie kann man dem was tun?“ Die Antwort gibt sie sich selbst: „Was die Pillen aus einem Menschen machen…“

Im Innern des Blocks riecht man es selbst, je tiefer man in die fuchsbauartigen Flure vordringt. „Drogenfreie Zone“ steht wie eine Beschwörung auf einer Tür, andere sind beschmiert, vielfach repariert, immer wieder eingetreten. Auf Ebene 1, im Flur mit der versiegelten Apartmenttür 240, tropft Wasser von der Decke. Glänzende Lachen bedecken den gelbschmutzigen Boden. „Die pissen hier hin“, sagt Andreas B.. So riecht es auch, aber dies ist wohl nur Wasser. Das Dach ist undicht. „Hier ziehe ich nicht ein, da penne ich lieber unter der Brücke.“ B. kennt viele der Mieter. „Freiwillig wohnt hier keiner.“ Bis auf die Erstsemester, die es noch nicht besser wussten.

Von Jürgen Gückel

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