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1,2 Millionen fremde Euro verzockt oder selbst verbraucht

68-Jähriger wegen Anlagenbetruges vor Gericht 1,2 Millionen fremde Euro verzockt oder selbst verbraucht

Wie ein Buchhalter über seine Zahlen gebeugt sitzt der 68-Jährige auf der Anklagebank. Er tut, als müsse er mitschreiben. Minutenlang versucht eines seiner Opfer vergeblich, ihm in die Augen zu schauen. „Feigling“, wird die Rentnerin später über ihn in die laufenden Kameras sagen.

Sie allein hat fast eine Million Euro verloren, weil sie ihrem langjährigen Finanzberater, einem selbstständigen Versicherungsmakler, vertraute. Insgesamt 21 ehemaligen Freunden und Bekannten, die meisten aus seinem Heimatdorf, hatte der Mann aus Herberhausen lukrative Geldanlagen mit Zinsen von bis zu 50 Prozent versprochen. Jetzt sind 2,5 Millionen Euro weg – an der Börse verzockt oder von ihm selbst verbraucht.

Glauben, dass das Geld verbraucht ist, mögen das die wenigsten der Geprellten. Die Unruhe im voll besetzten Zuhörerraum und die Gespräche im Gerichtsflur belegen: Sie glauben, dass ein Großteil des Geldes beiseite gebracht oder den Kindern vermacht wurde.

Seit Montag, 23. August, muss sich der Mann, der angeblich „schlecht“ von seiner Rente und von Mieteinnahmen lebt, wegen gewerbsmäßigen Anlagenbetruges vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes verantworten. Vorerst wurde nur die Anklage verlesen. Die Staatsanwältin listet 23 Fälle auf, bei denen der Versicherungsmann für Geldeinlagen, die er lukrativ anlegen wolle, Renditen zwischen acht und gar 50 Prozent versprochen hatte. In den meisten Fällen sagte er Zinsen zwischen 15 und 30 Prozent sogar vertraglich zu. Weil er allen Anlegern wahrheitswidrig schöne Gewinne der Anlagen vorgegaukelt habe, hatten viele ihre ursprünglichen Einlagen im Laufe der Zeit erhöht. Nur einige erhielten zwischendurch auch einmal Auszahlungen. Die 21 Opfer verloren zwischen Dezember 2001 und Juni 2008 zwischen 8000 und 975 000 Euro. Ein Lottogewinn war dabei, der sicher angelegt werden sollte, sowie fällige Lebensversicherungen, von denen der Angeklagte erfahren hatte.

Gestern wurde nur die Anklage verlesen. Morgen (9 Uhr) wird der Angeklagte erstmals gehört. Sein Verteidiger Karl-Heinz Mügge kündigte nur soviel an: Es werde wohl auch um Gier gehen.

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