Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
12 000 Besucher schauen Polizei über die Schulter

Präsentationen und Protest 12 000 Besucher schauen Polizei über die Schulter

Rund 12 000 Menschen, vor allem Familien mit Kindern, haben am Sonnabend den Tag der offenen Tür der Polizei Göttingen besucht. Die Veranstalter zogen ein positives Fazit. Es gab jedoch auch Kritik.

Voriger Artikel
Nelling und Detzer berichten live von Groner Kirmes
Nächster Artikel
Verfolgungsjagd nach Verkehrskontrolle

„Die letzte Möglichkeit“: Polizisten zeigen beim Tag der offenen Tür, dass sie sich im Ernstfall zu verteidigen wissen.

Quelle: Heller

Als der Polizeihubschrauber mit lautem Getöse landet, fegt er das frisch gemähte Gras der Leineaue über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Die Menge weicht zurück. Auf der Otto-Frey-Brücke stehen Menschen mit Fotoapparaten. Einen Polizeihubschrauber sieht man schließlich nicht alle Tage aus der Nähe.

So wie vieles andere auch, was die Polizeiarbeit beinhaltet. Und so haben die Organisatoren einiges aufgefahren auf dem Gelände der Polizeiinspektion an der Groner Landstraße. Die Polizeihundestaffel stellt sich vor, eine Höhenrettung wird simuliert, die Tatortarbeit erklärt. Neben einer Waffenausstellung und einer Sammlung von Einsatzfahrzeugen gibt es eine Puppenbühne. Im Innenhof wirbt die Polizei um Nachwuchs.

Dafür ist der achtjährige Noah zwar noch zu jung, aber auch er ist wie viele kleine Jungen und Mädchen fasziniert von der Polizeiarbeit. Von Polizist Martin Bornemann lässt er sich gerade einen viel zu großen, weißen Helm aufsetzen und schlüpft in eine schwarze Schutzweste. „Puh, ist das schwer“, stöhnt Noah.

Vorbei an der Bühne, wo die Band Jazztified spielt, und einem Motorrad, auf dem sich die Besucher für einen Euro fotografieren lassen können, geht es zum Gurtschlitten. Hier wird anhand von zwei Puppen gezeigt, was passieren kann, wenn man im Auto nicht mit einem Gurt gesichert ist. Am Ende der Vorführung landet immer die Puppe, die nicht angeschnallt war, mit einem lauten Klatschen auf dem Boden. Manche Kinder kichern. Die Zwillinge Jamie und Jonah, beide fünf, nicht. „Anschnallen ist wichtig, weil man sonst rausfällt“, sagt Jamie. „Für Kinder ist das hier sehr interessant“, erklärt seine Mutter Mandy.

Von der Bühne schallen laute Technobässe herüber. „Selbstverteidigung“ heißt der Programmpunkt. Einige in Schwarz gekleidete Polizisten rudern mit den Armen. Derweil erklärt Thomas Rath, Chef der Polizeiinspektion, dass das, was nun folgt, „nichts Tolles“ sei, aber „die letzte Möglichkeit, wenn es um die Gesundheit der Kollegen geht“. Man wolle deutlich machen, dass es nicht einfach sei, Polizisten anzugreifen – quasi zur Abschreckung, meint Rath. Der Moderator sagt , dass die Vorführung nicht unbedingt etwas für kleine Kinder sei, um dann „viel Spaß“ zu wünschen. Und schon stellen sich die Polizisten mit Schlagstöcken bewaffnet in Kampfhaltung auf und werfen sich gegenseitig auf die Matten. Viele applaudieren.

Etwas abseits stehen drei junge Erwachsene und verteilen Zettel. „Gegen die Gewalt der Polizei“, steht darauf. Sie gehören zu einer Gruppe von etwa 40 Personen verschiedener Initiativen, die vor dem Polizeigebäude eine Kundgebung gegen „diese undifferenzierte Selbstinszenierung“, wie sie sagen, abhalten. Die Polizei stelle sich gerne als Freund und Helfer dar, sagt eine junge Frau von der Grünen Jugend. Dabei sei sie selbst schon von „sehr unangebrachten Aktionen der Polizei betroffen“ gewesen. Kritik kommt auch von der Initiative „BürgerInnen beobachten Polizei und Justiz“. Polizeichef Rath sieht den Protest locker. Es gebe schließlich ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Außerdem zeige der große Andrang eines: „Die Polizei zieht immer, weil wir ja eigentlich die Guten sind.“

Von Andreas Fuhrmann

12000 Besucher waren beim beim Tag der offenen Tür der Polizei Göttingen am Sonnabend, 4. September.

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Martin Sonneborn in Göttingen

Martin Sonneborn in Göttingen - Antrag zur Namensänderung von Göttingen