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Belastetes Ökosystem im Stadtwald

Umbau würde 925.000 Euro kosten Belastetes Ökosystem im Stadtwald

Asphaltstraßen mit einer Gesamtlänge von 12,9 Kilometern durchziehen den Göttinger Stadtwald. Sie durchschneiden Lebensräume und sind teilweise aus umweltschädlichem Teer hergestellt. Etwa 925 000 Euro würde ihr Um- oder Abbau kosten, hat das städtische Forstamt ermittelt.

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Asphaltwege im Göttinger Wald sind nicht gut für die natürlichen Lebensräume, sie werden aber für Waldarbeit gebraucht.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Göttingen. Die Piraten im Rat der Stadt hatten im Frühjahr auf Umwelt- und Naturschäden durch Straßen in Wäldern hingewiesen und die Frage aufgeworfen, wie viele Asphaltstraßen es im Göttinger Stadtwald gibt. Außerdem wollten sie wissen, ob diese Wege überhaupt noch benötigt werden.

„Sie werden noch gebraucht“, hat der stellvertretende Leiter des Forstamtes, Thorsten Gundlach, inzwischen im Umweltausschuss des Rates erklärt - die meisten jedenfalls: an erster Stelle für die Holzabfuhr, aber auch als Wanderwege oder Zufahrten zu Einrichtungen und Gebäuden. Nicht mehr erforderliche befestigte Waldstraßen seien bereits 1997 zurückgebaut worden, ergänzte jetzt Forstamtsleiter Johannes Levin.

Neun Straßen listet das Amt in seiner Antwort auf den Piraten-Vorstoß auf, darunter die alte „Rennstrecke“ von den Schillerwiesen zum Kehr und die Hollandsgrundstraße zu Uni-Flächen und einem Forstgebäude an der Mackenröder Spitze. Nur die Zwetschenallee auf dem Kerstlingeröder Feld und der Tripkenstieg sind als reine Wanderwege ausgewiesen.

Aus welchem Material die Straßen hergestellt sind, sei nicht bekannt, so Gundlach. Es sei aber nicht auszuschließen, dass einige teerölhaltige Bindemittel enthalten - ein Schadstoff, der auf eine Sonderdeponie gebracht werden muss und damit vergleichsweise hohe Kosten nach sich zieht. Ein kompletter Umbau aller „Schwarzdecken“ im Stadtwald würde nach groben Berechnungen des Amtes 925 000 Euro kosten.

Auch Gundlach und Levin wissen nach eigenen Angaben, dass Straßen im Wald schädlich für das Ökosystem sind. Sie zerschneiden Lebensräume, „und wenn ein Laufkäfer versucht, zur anderen Seite zu krabbeln, ist er seinen Feinden gnadenlos ausgeliefert“, so Levin. Wassergebundene Decken seien diesbezüglich „aber nicht besser“.

„Zwingend notwendig“ sei ein jetziger Umbau schon gar nicht. Die meisten Straßen seien in einem sehr guten Zustand, der Unterhaltungsaufwand gering. Erst wenn sie erheblich beschädigt sind, würden sie durch eine wassergebundene Decke ersetzt - wenn sie dann immer noch benötigt werden.

Wege zur Holzabfuhr

Neun Straßen oder Straßenabschnitte mit Schwarzdecke im Göttinger Stadtwald listet das Forstamt mit Angaben zur Länge und Funktion auf. Fast alle dienen auch der Holzabfuhr: Rennstrecke Schillerwiese-Kehr (Hauptwanderweg, 2,2 Kilometer); Rohnswald (Zufahrt Jugendgästehaus, 0,5 Kilometer); Wartbergstraße (0,5 Kilometer); Herberhäuser Stieg (Verbindung Dorf zur Stadt, 1 Kilometer), Alte Panzerstraße (Hauptweg vom Kehr zum Kerstlingeröder Feld, 1,5 Kilometer); Zwetschenallee (Wanderweg auf dem Kerstlingeröder Feld, 1,7 Kilometer); Hollandsgrundstraße (Zufahrt SFB-Fläche Uni und Dienstgebäude Mackenröder Spitze (4,5 Kilometer); Kleine Grundstraße (Wanderweg, 0,5 Kilometer); Tripkenstieg (Wanderweg, 0,5 Kilometer).

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