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150 Jahre HG - ein Weg zur Emanzipation

Hainberg-Gymnasium 150 Jahre HG - ein Weg zur Emanzipation

Sie hat immer wieder Grenzen überwunden - von der Schule für „Höhere Töchter“ bis zur emanzipierten Schule im modernen Sinn. Sie war als Puddingschule verschrien - heute ist sie als Hainberg-Gymnasium von einem Lernstil geprägt, der nach eigenen Angaben „mehr als Schule“ ist. Und sie feiert 150. Geburtstag.

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Das Hainberg-Gymnasium in Götingen feiert in diesem Jahr 150. Geburtstag. Vor 112 Jahren ist die Schule an den Friedländer Weg gezogen.

Quelle: r

Göttingen. Eineinhalb Jahrhunderte HG, das seien auch 150 Jahr bis zur Gleichstellung, kommentiert Lehrerin Sabine Wiggert die Geschichte des einstigen Lyzeums und späteren Gymnasiums am Friedländer Weg in Göttingen. Die ersten 100 Jahre der Schule zeichneten die langwierige Entwicklung der Frauenbildung in Deutschland nach.

Professoren setzten sich ein

Im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es nur Klipp- und Winkelschulen für das Volk, höhere Bildung war Jungs vorbehalten. Mädchen konnten allenfalls Privatschulen besuchen. Zunehmend sei der Wunsch gereift, auch öffentliche Schulen für bürgerliche Mädchen einzurichten - in Göttingen forciert von Professoren.

1866 wird schließlich die erste städtische Höhere Töchterschule in Göttingen gegründet: mit 136 Schülerinnen. „Das war ein erster Schritt zur Emanzipation“, so Wiggert, wenn auch noch ohne Abitur. Erst 1927 könne die ersten Schülerinnen ihre Reifeprüfung ablegen. Geprägt durch das Frauenbild im Nationalsozialismus entwickelt sich die Schule dann allerdings zurück, Sprachbildung und Hauswirtschaft stehen im Mittelpunkt - ohne hohen Abschluss.

Das Puddingabitur

Erst mit dem Bau des Südflügels und einer Lehrküche 1936 öffnet sich wieder der Weg für eine Frauenoberschule mit Schwerpunkt Hauswirtschaft und Abitur. Die Schule bekommt großen Zulauf, die Mädchen sind lerneifrig - und sie bekommt ihren Ruf als Schule mit Puddingabitur.

1961 wird nach zeitweise entzogener Ausbildungshoheit ein neuer hauswirtschaftlicher Abi-Zweig etabliert, noch mit eingeschränkter Studienberechtigung. Erst 1956 entsteht das Gymnasium für Mädchen, seit 1971 werden Jungs und Mädchen zusammen unterrichtet. Im gleichen Jahr bekommt das Hainberg-Gymnasium seinen heutigen Namen.

Mensa geplant in einer AG

Entstanden ist die offene Höhere Töchterschule 1866 aus einer zuvor privaten „Universitäts-Töchterschule im einstigen Postgebäude am Ritterplan. Die weiteren räumlichen Stationen: 1880 Umzug in ein neues Gebäude in der Nikolaistraße, 1913 Neubau des heutigen Haupthauses am Friedländer Weg, 1936 Anbau des Südflügels, 1963 Erweiterung in einem Neubau auf dem Nachbargrundstück.

Prägend für die jüngere Geschichte ist der Bau der Mensa: ein architektonisch und gestalterisch ungewöhnliches Projekt, geplant von Schülern, Lehrern, Stadtverwaltung und Schulpolitikern in einer Mensa-AG. Heute hat die Schule etwa 1150 Schüler - Tendenz steigend. Sie ist eine teilgebundene Ganztagsschule und Unesco-Projekt-Schule mit Lernpartnerschaften unter anderem in Tansania, Polen, und Südkorea, Weißrussland, Chile, China und Bolivien.

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