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16 Reihernester im Levinschen Park in Göttingen

Fotografen reisen von weit her an 16 Reihernester im Levinschen Park in Göttingen

„So gut lässt sich eine Graureiher-Kolonie selten beobachten“, meint der Göttinger Ornithologe Hans-Heinrich Dörrie. 16 beflogene Nester hat der Vogelkundler im Levinschen Park am Rande des Industriegebiets Grone gezählt.

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Quelle: Heller

Göttingen.  Die meisten davon befinden sich auf einer mächtigen alten Weide, die auf einer Insel im größeren der beiden Teiche steht. Tierfotografen reisen von weit her an. Spaziergänger bleiben lange stehen, um den großen Vögeln (Flügelspannweite bis zu zwei Meter) zuzuschauen.

Lebendig geht es in der Kolonie zu. Derzeit klauen sich die Reiher gegenseitig das Nistmaterial. Da ist das Geschrei und Geflatter groß. „Vor Menschen verlieren die Tiere zunehmend ihre Scheu“, berichtet Dörrie. Seit den 70er-Jahren dürfen die Graureiher in Deutschland nicht mehr gejagt werden. Heute fischen sie seelenruhig Hausbesitzern die Gartenteiche leer. „Nach einer halben Stunde schwimmt da kein einziger Goldfisch mehr, wenn kein Netz die Vögel fernhält“, berichtet Georg Focken, der Vorsitzende des Anglervereins Südniedersachsen.

Auch im flachen Wasser der Grone oder des Leinekanals stehen die Tiere, die in einem Umkreis von fünf Kilometern um ihr Nest auf Futtersuche gehen. Sie halten nach Forellen oder Weißfischen Ausschau. Fündig werden die Vögel zudem in den Teichen im Levinschen Park. Die Angler sehen das entspannt. Focken: „Kormorane fressen wesentlich mehr Fische.“ Er bedauert nur, dass die Reiher nach den 60 Zentimeter großen Karpfen picken, die den Vögeln langsam um die Beine schwimmen. „Die Wunde verpilzt und die Fische sterben“, sagt der Angler. Bis zu 15 Karpfen würden sie so pro Jahr im Levinschen Park verlieren.

„Mehr noch als Fische fressen die Reiher Mäuse, die sich auf Feldern erbeuten“, weiß Dörrie. Auf dem Speiseplan stehen zudem Ratten, kleine Stockenten und Insekten sowie Speisereste, die die Vögel im Müll entdecken. „In städtischen Parks finden sie genug Nahrung“, erläutert der Ornithologe. Entsprechend groß ist der Bruterfolg. Drei, vier Jungtiere ziehen die Reiher in Göttingen pro Jahr groß.

Die Stadt bietet zudem mehr Schutz vor Raubvögeln wie dem Habicht. Gefährlich werden den Reihern dagegen Krähen und Waschbären, die es auf die Eier abgesehen haben. Waschbären waren wahrscheinlich der Grund, warum die Graureiher ihre im Jahr 2000 entstandene Kolonie auf dem Hagenberg aufgegeben haben. Sie zogen 2008 in den Levinschen Park um. Dort gibt es mittlerweile so viele Paare, dass am Kiessee eine Dependance entstanden ist.

Dörrie freut sich über die Beweglichkeit der Reiher. Das Ende der alten Weide im Park ist nämlich abzusehen. Die vielen Nester samt Jungtieren lasten zentnerschwer auf den morschen Ästen. Zudem greift der Kot der Vögel den Baum an, der im Herbst vor lauter Unrat ganz weiß ist. Die Tage, wo sich die Reiher gut von der Parkbank aus beobachten lassen, sind also gezählt.

Von Michael Caspar

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