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20 Neu-Göttinger feierlich eingebürgert

Langer Weg mit Hürden 20 Neu-Göttinger feierlich eingebürgert

In einem feierlichen Rahmen hat die Stadt Göttingen am Mittwoch 20 Frauen, Männer und Kinder offiziell eingebürgert. Sie kommen aus 15 verschiedenen Ländern und haben ab sofort die deutsche Staatsangehörigkeit. Zuvor mussten sie etliche Voraussetzungen erfüllen.

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Quelle: Heller

Göttingen. Das dicke Einbürgerungsbuch, in dem sich die neuen Deutschen später neben dem obligatorischen Gruppenfoto eintragen werden, liegt bereit. Neben dem Rednerpult hängt eine Deutschland-Flagge. Und es ist andächtig still im Ratssaal als der Erste nach vorne tritt und mit erhobener rechter Hand die Eidesformel spricht: auf das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik. „Jetzt sind sie Deutscher“, sagt Joachim Rogge, Leiter des Fachdienstes für Einwohnerangelegenheiten, während er die wertvolle Urkunde überreicht. Applaus aus der großen Runde - viele haben ihre Partner, Kinder und Freunde mitgebracht.

20 Antragsteller hat die Stadt zu Beginn dieses Monats eingebürgert. 63 waren es seit Beginn des Jahres, 200 im vergangenen Jahr. Im Monatsrhythmus gestaltet der Fachdienst für sie eine Einbürgerungsfeier. Sie kommen unter anderem aus den USA, aus Jordanien, China, Rumänien und Cuba.

Manche gehen diesen Schritt für die große Liebe, erklärt Rogge in seiner Begrüßungsrede, andere sind vor Gewalt und Unterdrückung aus ihrem Land geflohen, manche hoffen auf ein besseres Leben für sich und ihre Familie in Deutschland. „Sie haben 'Ja' gesagt zu unserem Land, Deutschland sagt 'Ja' zu Ihnen“, betont er. Ab dem nächsten Tag könne sie im Rathaus ihren neuen Personalausweis und einen Reisepass beantragen – mehrere von ihnen mussten ihre vorherige Staatsangehörigkeit ablegen.

Der Weg bis zur ersehnten Einbürgerung war für viel beschwerlich. Sie müssen unter anderem eine bestimmte Zeitlang rechtmäßig in Deutschland gelebt und einen ordentlichen Aufenthaltstitel haben, deutsche Sprachkenntnisse und eine weitgehende Integration nachweisen, erklärt Dirk Wolff, zuständig für Einbürgerungen im Neuen Rathaus der Stadt. Und sie müssen nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt eigenständig finanzieren können.

 

Alle Rechte in Deutschland

„Ich fühle mich ziemlich gut“, sagt Anna-Grethe Majer und lacht einnehmend mit leicht geröteten Wangen, während sie das Glas mit alkoholfreiem Sekt hebt. Seit mehr als 50 Jahren lebt die 74-jährige Dänin in Deutschland, überwiegend in Göttingen. Sie ist mit einem Deutschen verheiratet und wollte schon lange die Staatsangehörigkeit ihrer Wahlheimat annehmen, „aber ich wollte auch meinen dänischen Pass behalten“, erklärt sie. Erst als Dänemark im vergangenen Dezember eine Doppelstaatsbürgerschaft akzeptierte, sei das möglich gewesen. „Jetzt habe ich in Deutschland alle Rechte“, begründet die Seniorin ihre Entscheidung. Vor allem könne sie jetzt auch über die Kommunalwahlen hinaus wählen gehen - „das ist mir schon sehr wichtig“. Die Frage, ob ihr Ehemann aus Gründen der Gleichberechtigung auch Däne wird, quittieren beide mit einem begeisterten Lachen – dänisch Sprechen könne er schließlich schon lange. us

 

„Ja, das ist schon ein besonderer Tag“, sagt Kalyan Chandra Devabathini - und die freudige Anspannung ist ihm anzumerken. Seit zehn Jahren lebt der gebürtige Inder in Deutschland, seit zwei Jahren arbeitet er als Informatiker bei der Firma Novelis in Göttingen. Seine Kinder Aarush (3) und Aadhya hat der 34-Jährige jetzt ebenfalls einbürgern lassen. Sie seien auch der entscheidende Grund für diesen Schritt: „Sie sind hier geboren und sie sollen hier eine Zukunft haben.“ Seine Frau wolle erst später die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen, sie müsse die Sprache erst noch besser Die Arbeit habe er an diesem besonderen Tag erst einmal ruhen lassen, sagt Devabathini, am Abend werde er mit Freunden auch noch in einem Restaurant feiern.

Joachim Rogge

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Jahrelang auf Einbürgerung gewartet

Eigentlich habe sie 20 Jahre lang auf ihre Einbürgerung gewartet, sagt Cecilia Mutanda lachend, mindestens aber sieben Jahre. Ihre Eltern sind aus dem Kongo nach Deutschland gekommen, die heute 20-Jährige wurde hier geboren. Asylanträge, Duldungsstatus und dann die erforderliche siebenjährige Wartezeit mit rechtmäßigem Aufenthaltsstatus hätten die Einbürgerung lange verhindert. Jetzt ist sie deutsche Staatsbürgerin, „ich fühle mich aber heute genauso wie gestern“, sagt Mutanda. Allerdings sei sie „richtig froh, dass ich den Einbürgerungsstress hinter mir habe“. Sie hatte mit ihrer langen Lebenszeit in Deutschland und einem erfolgreichen Abitur zwar schon wichtige Voraussetzungen erfüllt, aber es gab andere Probleme: Umständlich musste sie nach eigenen Angaben einen neuen kongolesischen Pass beantragen, weil ihr alter abgelaufen war, und ihn in Berlin beim Konsulat abholen - um ihn dann doch wieder zurückzugeben. Kongo akzeptiert keine Doppelstaatsangehörigkeit. Erst mit ihrer offiziellen Aufgabe konnte sie die deutsche beantragen. Jetzt ist die angehende medizinisch-technische Assistentin und Funk-Sängerin mit Künstlernamen „Mickey's Candy“ vor allem froh darüber, „dass ich vernünftig reisen kann“ - ihre wichtigste Motivation für die Einbürgerung.

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