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20-jähriger Göttinger posiert mit Selbstmord-Attentäter beim Molotowcocktail-Bau

Vor verbotener Fahne des Kalifats 20-jähriger Göttinger posiert mit Selbstmord-Attentäter beim Molotowcocktail-Bau

Weil er während einer Demonstration die verbotene Fahne des Kalifatstaats gezeigt und Fotos, die ihn damit zeigen, bei Facebook gepostet hat, ist ein 20 Jahre alter Deutschtürke zu einem sozialen Trainingskurs verurteilt worden.

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Während einer Demonstration zeigte der Veurteilte die verbotene Fahne des Kalifatstaats.

Quelle: Eichner-Ramm

Göttingen. Der Prozess offenbarte, dass der äußerlich total angepasste junge Mann dem IS nahe steht.

"Wir sind ziemlich ratlos", sagte Jugendrichter Oliver Jitschin bei der Urteilsbegründung. Wie könne man jemandem, der offenbar "schwere persönliche Defizite" habe und der "in falsche Kreise geraten" sei, mit den Mitteln des Jugendstrafrechts begegnen? Der Prozess habe gezeigt, dass der bisher unbescholtene 20-Jährige sich bemühe, sich möglichst unauffällig in Deutschland zu bewegen. Er mache eine Lehre, schreibe gute Schulnoten, aber hinter der Fassade gebe es Hinweise auf gefährlichen Extremismus. Das belegen Fotos, die im Zuge des Ermittlungsverfahrens auf seinem sichergestellten Handy gefunden wurden.

Darauf beunruhigende Aufnahmen: Der 20-Jährige posiert zusammen mit dem aus Göttingen stammenden Selbstmordattentäter Jacek S. vor der IS-Fahne, beide beim Bau von Molotow-Cocktails, und Fotos des Angeklagten mit schillernden Figuren der salafistischen Szene, darunter dem einstigen linksextremistischen Terroristen und konvertierten Islamisten Bernhard Falk. Doch diese Fotos sind nicht Gegenstand der Anklage. Sie wurden nie veröffentlicht, sind damit nicht strafbar. Und: "Ich will nicht, dass die damit in Verbindung gebracht werden", sagt der 20-Jährige. Es gibt sie aber. Und um einzuschätzen, warum der 20-Jährige eine verbotene Fahne bei einer Gaza-Demonstration vor rund 15 Monaten schwenkte, führt der Richter sie in den Prozess ein.

Auf dem Tisch vor ihm liegt die Fahne gleich zweifach: in Grün und in Schwarz. Darauf in arabischer Schrift der Spruch "Es gibt nur einen Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes". Dieser Schriftzug samt Fahne ist seit 2001 zusammen mit dem Kalifatstaat Methin Kaplans verboten. Sie zu schwenken, sich damit zu zeigen, sie zu veröffentlichen, ist ein Verstoß gegen das Vereinsgesetz. Sichergestellt wurden die Fahnen in der Wohnung des 20-Jährigen, der mit Mutter und Schwestern in Göttignen lebt. Den  Polizisten, die zur Hausdurchsuchung kamen, hat der Angeklagte auch offen gesagt, er habe sie schnell von der Wand genommen, als die Polizei kam. Deshalb glaubt ihm das Gericht nicht, dass er nicht gewusst habe, dass sie verboten sind.

Nach der Aussage eines Staatsschutzbeamten ist ohnehin klar, dass der Angeklagte genau wusste, was er da tat. Er halte sich schließlich in diesen Kreisen auf. Einige Fotos zeigen ihn mit bekannten Extremisten vor der Moschee in der Levinstraße, dem "Zentrum des Kalifatstaats in Göttingen", wie der Zeuge sagt.

Seine Strafe, den Trainingskurs, will der Verurteilte trotz seiner Lehre pflichtbewusst absolvieren. Im Zentrum seines Taliban-Barts erscheint dazu immer wieder ein Schmunzeln. Er fühlt sich nicht allein. Die junge Frau, die ihn "als Öffentlichkeit" begleitet hat, geht am Ende lieber raus, als sich zur Urteilsverkündung vor dem Richter zu erheben. Immerhin: Seinen deutschen Pass haben ihm die Behörden vorsorglich abgenommen. Er hat noch den türkischen.

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