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25 obdachlose Jugendliche in Göttingen

Förderer der Straßensozialarbeit 25 obdachlose Jugendliche in Göttingen

Sie fliehen vor Gewalt oder Missbrauch, manchmal auch nur aus Langeweile: In Göttingen leben derzeit rund 25 obdachlose Jugendliche. Das sagt Uwe Friebe vom Verein Förderer der Straßensozialarbeit. Dabei gibt es obdachlose Heranwachsende in Deutschland nicht. Zumindest nicht offiziell.

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Packen Geschenke für bedürftige Kinder:  Sina Tammen, Renate Bank, Annette Fritz (v.l.) Hinzmann

Göttingen. Denn bis zum 18. Lebensjahr gelten Kinder und Jugendliche als „obhutlos“ und werden im Zweifel formal der Wohnadresse ihrer Herkunftsfamilie zugerechnet. Doch die Realität sieht anders aus, wie Friebe bestätigt. Er wisse von etwa 25 minderjährigen Obdachlosen, die derzeit in Göttingen leben. „Im Jahr sind es 50 bis 70, die hier Station machen.“ Denn diese Kinder und Jugendlichen stammten nie aus Göttingen, sondern immer aus anderen Teilen Deutschlands. „Die Jüngsten sind 15“, sagt Friebe.

Die meisten von ihnen sind von zu Hause abgehauen, weil sie sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt wurden. „In ihren Heimatorten können die nicht betteln oder schnorren, da kennt sie jeder“, sagt Friebe. Also suchten sie sich eine andere Stadt. „Göttingen hat einen guten Ruf, weil wir liberaler sind.“ Draußen übernachten müssten die wenigsten. „Hier findet man immer eine Möglichkeit, bei jemandem für ein paar Tage unterzukommen.“

Illegal in Göttingen

Die Heranwachsenden versuchten so, die Zeit zu überbrücken, bis sie volljährig sind, erklärt Friebe. Erst dann erhalten sie Sozialleistungen oder medizinische Betreuung. So lange müssen sie sich verstecken. „Die halten sich in der Regel ja illegal in Göttingen auf. Wenn sie entdeckt werden, werden sie zu ihren Eltern zurückgebracht. Das ist oft nicht unproblematisch.“

Weil sie ansonsten keine Hilfe erhalten, kommen die obdachlosen Jugendlichen zum Verein Förderer der Straßensozialarbeit. Dort bekommen sie Kleidung und Nahrungsmittel, manchmal auch etwas Geld. „Wir schauen uns jeden Fall genau an. Wenn jemand auf irgendwelchen Drogen ist, bekommt der von uns kein Geld“, betont Friebe. Ziel sei es immer, dass die Jugendlichen dem Verein erlauben, mit dem jeweiligen Jugendamt Kontakt aufzunehmen. „Wir wollen eine Lösung finden, damit die Kinder von der Straße kommen“, sagt Friebe – aber nur, wenn diese zustimmen. „Wir müssen sie nicht melden, die Stadt müsste das. Das Jugendamt darf keine minderjährigen Obdachlosen dulden, das wäre rechtswidrig. Es muss handeln.“

"Obdachlosigkeit beseitigen"

Das bestätigt Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD). Die Stadt habe derzeit zwar keine Kenntnis über obdachlose Jugendliche in Göttingen. „Gäbe es solche und wären sie uns bekannt, müssten und würden wir aber sofort einschreiten und die Obdachlosigkeit beseitiegen.“ Das Jugendamt sei verpflichtet, ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut zu nehmen, wenn eine dringende Gefahr vorliege. „Und die Obdachlosigkeit stellt zweifellos eine dringende Gefahr für das Kindeswohl dar“, sagt Schlapeit-Beck. Dafür müsse dem Jugendamt aber die Notsituation bekannt sein.

 Jetzt zur Weihnachtszeit gehe es den obdachlosen Jugendlichen besonders schlecht, erklärt Friebe. „Das ist eine schwierige sentimentale Zeit.“ Überall feierten Familien zusammen, das wecke natürlich Erinnerungen an frühere, bessere Zeiten. „Für Obdachlose sind die meisten Tage im Jahr blöd, aber an Weihnachten ist es besonders schwierig“, sagt Friebe.

Es müssen keine teuren Präsente sein
Göttingen. Auch manche Kinder, die nicht obdachlos sind, haben es schwer in Göttingen. Ihre Eltern sind oft so arm, dass sie sich keine Geschenke leisten können. Für diese benachteiligten Kinder hat der Verein Förderer der Straßensozialarbeit wieder Weihnachtsgeschenke gepackt, erzählt Geschäftsführerin Elke Niemeyer-Friebe. Gestiftet wurden diese von Eltern und Schülern der Herman-Nohl-Schule.
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