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253 Euro für eine Kilowattstunde für Betreiber von Kraftwerk in Stockhausen

Leinekraftwerk in Stockhausen 253 Euro für eine Kilowattstunde für Betreiber von Kraftwerk in Stockhausen

Was kostet eine Kilowattstunde Strom? Fünf Cent, 7,67 Cent, 25 Cent oder 253 Euro? Alle Antworten sind richtig. Es kommt darauf an, an welchem Ende der Leitung man sich befindet. Heinrich Kleinsorge aus Stockhausen befindet sich an jenem Ende der Stromleitung, an dem die Kilowattstunde für ihn im vergangenen Jahr 253 Euro gekostet hat. Dabei erzeugt der ehemalige Leine-Müller viel mehr Strom als er jemals verbrauchen kann.

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Heinrich Kleinsorge vor seinem Wasserkraftwerk an der Leine in Stockhausen.

Quelle: Gückel

Stockhausen. Neben Kleinsorges Haus drückt die Leine durch die Turbinen der ehemaligen Mühle. 1988 wurde sie stillgelegt, danach 1992/93 das Wasserkraftwerk umgebaut.

Es wurde ausgelegt für eine Leistung von 85 Kilowatt, hat aber nie mehr als 65 KW Leistung erbracht. In Jahren mit reichlich Wasserstand produziert Kleinsorge mehr als 100 000 Kilowattstunden, die in das Netz der Energie-Netz-Mitte (EAM-Gruppe) eingespeist werden. Pro Kilowattstunde erhält der Erzeuger 7,67 Cent Einspeisevergütung nach Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Doch was, wenn mal Hochwasser ist und der Kraftwerksbetreiber alle Schleusen öffnet, um Überschwemmungen zu verhindern? Was, wenn mal der Generator ausfällt? Dann fließt Strom in die Gegenrichtung, den er eigentlich mit 5 Cent pro Kilowattstunde bezahlen soll – billiger, weil es ja kein Öko-Strom ist, wie seiner.

Doch aus den fünf Cent werden durch teure Messkosten 253 Euro. Im ganzen Jahr 2013 hat sein Kraftwerk nur sechs Mal stillgestanden, also auch seinen Haushalt nicht beliefern können. Er hat insgesamt fünf Kilowattstunden bezogen, die für den Standard-Haushalt normalerweise weniger als 25 Cent je Kilowattstunde kosten würden. Kleinsorge aber hat von der Eon eine Jahresabrechnung für 2013 in Höhe von 1264,39 Euro erhalten – 253 je Kilowattstunde.

Schuld sind die immensen Messkosten. Weil seine Anlage eine Mühle war, arbeitet sein Kraftwerk im Mittelspannungsbereich über eine 20 000-Volt-Trafostation. Für Einspeiser über Mittelspannung hat sich die Gesetzeslage geändert. Kleinsorge muss seither gewaltigen Aufwand betreiben, den der Netzbetreiber über den Stromlieferanten in Rechnung stellt.

Abhilfe ist möglich, wenn sich seine Anlage in einer Netzverträglichkeitsprüfung als tauglich für Niederspannung erweist. Allein die Prüfung soll weitere 1500 Euro kosten – Umbaumaßnahmen nicht mitgerechnet. So frisst der gesetzlich erzwungene Bürokratieaufwand den Großteil des Ertrages aus umweltfreundlicher Stromerzeugung.

Registrierende Leistungsmessung

Mit der Änderung der Stromnetzzugangsverordnung im März 2012 ist eine so genannte registrierende Leistungsmessung für Stromerzeuger, die ins Netz einspeisen, vorgeschrieben. Diese Messung muss in beide Richtungen stattfinden.

Bisher war eine vereinfachte Messung möglich für den Strom, den der Erzeuger aus dem Netz bezog, wenn seine Anlage nicht lieferte. Nunmehr verursacht die registrierende Messung erhebliche Mehrkosten. Diese entstehen dem Netzbetreiber und werden über die Rechnung des Energielieferanten an den Bezieher weitergegeben.

Das sind zum einen die Bereitstellung teurer Messtechnik und Zähler, die Datenübertragung, die Überwachung der Eichgültigkeit, Störungsmanagement und Austausch der Technik. Der Lastgang muss täglich ausgelesen und im Internet veröffentlich werden.

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