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300 Volkszähler schwärmen im Landkreis aus

Zensus 2011 300 Volkszähler schwärmen im Landkreis aus

Zum Stichtag 9. Mai startet im Landkreis Göttingen der sogenannte Zensus 2011, eine europaweite Volkszählung, allerdings nur auf Stichprobenbasis. Die Kreisverwaltung sucht noch rund 300 „Erhebungsbeauftragte“, um Interviews in den Haushalten durchzuführen.

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Wie viele Menschen wohnen in Göttingen? Mit dem Zensus 2011 steht eine Inventur bevor.

Quelle: CH, Montage Pohl

Auch in den anderen Ländern der EU soll 2011 gezählt werden. Allerdings geht die Bundesrepublik in zwei Punkten über die Vorgaben aus Brüssel hinaus, indem sie auch nach Migrationshintergrund und Glaubensbekenntnis fragt, die Angabe von letzterem ist freiwillig. Da in Deutschland Zu- und Abwanderungen in das Ausland im Gegensatz zu Geburten und Sterbefällen nicht vollständig registriert werden, gibt es gegenwärtig keine genauen Angaben über die Zusammensetzung der Bevölkerung. Dem Statistischen Bundesamt zufolge haben sich schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen bei der Ausreise aus Deutschland in ihrem Wohnort nicht abgemeldet. Die Anzahl der in Deutschland nicht registriert lebenden Personen beträgt etwa 500 000 bis eine Million.

Vor zehn Jahren waren Deutschland und Schweden die einzigen Staaten, die nicht an der europäischen Volkszählungs-Runde teilnahmen. Auch 1991 fiel ein nach der Wende geplanter Zensus aus, der die Statistik über das wiedervereinte deutsche Volk auf den neuesten Stand bringen sollte. Grund waren die Kosten, aber auch Angst vor Protesten. Bei dem sogenannten registergestützten Zensus 2011 werden die Angaben von Meldebehörden, der Bundesagentur für Arbeit und der Katasterverwaltung ausgewertet, zusätzlich werden Befragungen durchgeführt. Antworten ist Pflicht. Wer sich weigert, kann mit einem Bußgeld bis zu 5000 Euro rechnen.

Die Beauftragten erhalten dem Kreis zufolge eine Anzahl von zufällig ausgewählten Haushaltsadressen und Fragebögen. Vom 9. Mai bis 31. Juli sollen durch Befragung von volljährigen Haushaltsmitgliedern die Fragebögen ausgefüllt werden. Auf Wunsch können die Auskunftspflichtigen den Fragebogen selbst ausfüllen und der örtlichen Erhebungsstelle zukommen lassen. Eine andere Möglichkeit ist eine Beantwortung über das Internet.

Anders als bei der letzten Volkszählung 1987 werden dieses Mal nur durchschnittlich zehn Prozent der Bevölkerung befragt. Grund dafür ist, dass beim Zensus 2011 auf anonymisierte Daten aus den Registern der Arbeitsagenturen, Finanz- und Meldeämtern zurückgegriffen wird. Neben den persönlichen Angaben, wie Alter, Wohnort, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Religionszugehörigkeit oder Familienstand, werden Angaben über Zuwanderung, Bildung und Ausbildung, Art der Berufstätigkeit oder des Nebenjobs, Branche und bei Arbeitssuchenden über die Art der früheren Tätigkeit erhoben. Die Daten würden anonymisiert und ausschließlich für statistische Zwecke genutzt, versichert die Kreisverwaltung. Eine Weitergabe an nicht beteiligte Ämter und Behörden sei gesetzlich untersagt.

Bei der Haushaltsbefragung können die Interviewer in ihrer Gemeinde eingesetzt werden, allerdings wird darauf geachtet, dass keine Befragungen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft erfolgen. Für diese ehrenamtliche Tätigkeit erhalten die Erhebungsbeauftragten eine in der Regel steuerfreie Aufwandsentschädigung in Höhe von 7,50 Euro pro erfolgreich durchgeführtem Interview. Der Nutzen des Zensus 2011 liege darin, auf der Grundlage von verlässlichen Zahlen soziale oder wirtschaftliche Belange planen zu können, so die Kreisverwaltung. Mit Hilfe der gewonnenen demografischen Daten könne zum Beispiel der Bedarf von neuen Kindergärten oder Senioreneinrichtungen besser bestimmt werden. Der Zensus 2011 schaffe somit sinnvolle und notwendige Entscheidungsgrundlagen.

Interessierte können sich an die Erhebungsstelle beim Landkreis wenden: Iris Beiteke, Telefon 05 51 / 52 59 06, Fax 05 51 / 5 25 69 06, und Iris Keseling, Telefon 05 51 / 52 51 54, Fax 05 51 / 525 61 54, E-Mail: zensus2011@landkreisgoettingen.de. Fragebögen und Formulare gibt es im Internet.

Volkszählung

1987 wurde in Deutschland die letzte Volkszählung durchgeführt. Nach Bürgerprotesten und einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde mit etwas abgespeckten Fragebögen mit vier Jahren Verspätung gezählt. Mit dem deutschen Zensus-Gesetz wird eine EU-Richtlinie umgesetzt. Eine Beschwerde wurde vom Bundesverfassungsgericht wegen unzureichender Begründung nicht zur Entscheidung angenommen. Neben der Befragung läuft eine Gebäude- und Wohnungszählung. Eigentümer bekommen derzeit schon Post.

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