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Räuber gibt Opfer Geld für Taxifahrt zum Arzt

Göttingen Räuber gibt Opfer Geld für Taxifahrt zum Arzt

„Das war der erste Raub in 22 Dienstjahren, bei dem der Räuber Geld zurückgegeben haben soll“, sagt ein erfahrener Polizist. Der nette Räuber soll ein 36-Jähriger sein, der seit Dienstag im Landgericht vor seinen Richtern sitzt und zu den Vorwürfen der Anklage schweigt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Schauplatz ist die Apartmentanlage an der Groner Landstraße, in der es nach der Erfahrung des Polizisten „bei solchen Dingen immer um Drogendelikte“ geht. „Da hat immer noch einer irgendeine Rechnung offen.“ Am Tattag jedenfalls, Sonntag, 7. Februar, war die Polizei von einem Zeugen gerufen worden, der das stark blutende Opfer mit blutigem Handtuch um den Kopf vor dem Haus gesehen hatte. Doch der Verletzte, ein 28-Jähriger, wollte nach eigenem Bekunden mit der Polizei nicht reden. Das seien nicht gerade seine Freunde, und er habe sie nicht gerufen. Dennoch führte er die Beamten an eine Stelle, wo der Raub durch einen Unbekannten begangen worden sein soll. Doch dort fand sich kein einziger Tropfen Blut. Die Beamten gingen unverrichteter Dinge. Zum Arzt wollte das Opfer auch nicht.

Zum Kriminalfall, wie jetzt angeklagt, wurde die Sache erst tags darauf. Da zeigte das Opfer, das die klaffende Kopfplatzwunde hatte nähen lassen, den Raubüberfall offiziell an. Bei einer Lichtbildvorlage will er den Täter erkannt haben. Danach wurde zwar dessen Bruder verhaftet, weil der ihm ähnlich sieht, auf der Anklagebank sitzt aber nun doch wohl der, der auch angeklagt ist. Schweren Raub und gefährliche Körperverletzung wirft man dem Arbeitslosen aus Northeim vor.

Die Anklage geht davon aus: Der 36-Jährige soll gegen 18.50 Uhr an einer Apartmenttür geklingelt haben. Als ihm geöffnet wurde, sei er mit der Eisenstange auf das Opfer zugegangen, habe erst zugeschlagen, dann Geld gefordert und schließlich 330 Euro aus der Börse des 28-Jährigen genommen. Weil der Verletzte gejammert habe, das ihm gar nichts bleibe, habe der Räuber 30 Euro für die Taxifahrt zum Arzt zurückgegeben.

Allerdings: Der Wohnungsinhaber, ein 39-Jähriger, hat keine Erinnerung an so einen Überfall. Der Angeklagte, da ist er sich sicher, sei noch nie in seiner Wohnung gewesen. „Wenn was mit ‚nem Schlag auf‘n Kopp in meiner Wohnung wäre, dann wüsst‘ ich das.“ Dabei soll er laut Opfer daneben gestanden haben. Und noch etliche andere Angaben des Opfers, die dieses erstmals im Zeugenstand, nicht aber vorher bei der Polizei machte, geben den Richtern Rätsel auf. Da passt es ins Bild, dass der 28-Jährige gerade am Montag in einem RTL-Fernsehbeitrag über die Modedroge MDPV als „Experte“ befragt wurde. Eine Zeugin jedenfall will ihn wiedererkannt haben.

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