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Heroinsucht und Krebsdiagnose

36-Jähriger wegen Drogenhandels vor Gericht Heroinsucht und Krebsdiagnose

Zwei Fahrräder soll er geklaut und außerdem mit Betäubungsmitteln gehandelt haben. Deshalb muss sich ein 36-jähriger Göttinger aktuell vor dem Schöffengericht verantworten. Er hält sich für unschuldig. Die Fahrräder waren gekauft, die Drogen für den Eigenbedarf bestimmt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. In Handschellen wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt, er sitzt seit Juli in Untersuchungshaft. Während der Anklageverlesung zucken seine Gesichtsmuskeln, die Hände zittern, die Füße sind ständig in Bewegung. Er wolle sich zu den Vorwürfen äußern, sagt der 36-Jährige. Die Fahrräder habe er nicht geklaut, sondern für 150 Euro gekauft. „Das war ein Schnapper“, sagt er.

Gleiches behauptet er später von den vielen anderen zum Großteil originalverpackten Gegenständen, die in seiner Wohnung im Hagenweg bei einer Razzia gefunden wurden. Kistenweise Turnschuhe, Autoradios, Videokameras, Kopfhörer und vieles mehr beschlagnahmte die Polizei im Juli 2016. Online-Geschäfte nennt er das, Hehlerware nennt es die Polizei. Und dann sind da noch die Waffen. Messer, Schreckschusspistole, Armbrust, Streitaxt, Samuraischwert und eine Peitsche finden die Beamten in der verrammelten Wohnung. „Ich sammel eben Waffen“, sagt er.

Schwerer wiegen allerdings die zehn Gramm Heroin und die 22 Gramm Marihuana, die sich in seinem Besitz befanden. Zum Handeln sagt die Anklage, zum Konsumieren sagt der Angeklagte: „Ich brauche am Tag fünf Gramm Heroin und rauche wie ein Schlot.“ Damit er überhaupt in der Haft überleben könne, bekomme er hohe Dosen Polamidon als Substitution. Es gibt allerdings etwas, das das Leben des 36-Jährigen noch viel realer bedroht. Er leide an Bauchspeicheldrüsenkrebs, sagt er. Tränen fließen jetzt über sein Gesicht. „Mir geht es nicht so gut.“ Vor der Tür sitzt seine Verlobte, in einer Verhandlungspause beteuert sie: „Egal was passiert, ich stehe zu Dir.“ Auch ihre Hände zittern.

Der Hauptzeuge der Verhandlung ist ein pensionierter Polizeibeamter. Er kennt den Angeklagten seit langer Zeit, hat ihm mehrfach ins Gewissen geredet. „Du weißt doch, dass ich es mitbekomme, wenn Du was verkaufst“, soll der Polizist laut Protokoll bei einem dieser Gespräche gesagt haben. Die Antwort des Angeklagten war sinngemäß: „Ich mache weiter. Ich habe doch nichts anderes.“ Ende des Monats wird das Urteil gesprochen.

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