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3600 Besucher beim 14. Göttinger Berufsinformationstag

GöBit 3600 Besucher beim 14. Göttinger Berufsinformationstag

Was kommt nach der Schule? 138 Aussteller aus der Region haben beim Göttinger Berufsinformationstag über Ausbildung und Studienangebote informiert. Gut 3600 Schüler, Eltern und andere Interessierte nahmen das Angebot wahr. Es gab aber auch Protest.

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Quelle: Heller

Göttingen. Die Polizei hat es Lea Johannsen (15) und Katja Spigiel (16) besonders angetan. „Die Aufgaben sind einfach total vielschichtig, im Gegensatz zu vielen anderen Berufen“, erklärt Johannsen. Die beiden Schülerinnen der Außenstelle Nörten der KGS Moringen sind zum 14. Berufsinformationstag (GöBit) gekommen, weil sie sich weiter informieren wollen. Sie sind zwei von gut 3600 Besuchern.

Ein riesiger Andrang herrscht bei der Messe im Gebäude der Berufsbildenden Schulen II und der Sporthalle bereits am Sonnabendmorgen. 138 Aussteller informieren über Ausbildung, duales Studium und Studienangebote – nach Angaben der Veranstalter BBS II, Bundesagentur für Arbeit und Volkshochschule Göttingen so viele wie noch nie. In den vier Themenwelten „Ausbildung“, „Studium“, „Ausland und Freiwilligendienste“ und „Aktionen“ werden mehr als 300 Ausbildungsberufe und Studiengänge vorgestellt.

Neuling bei den Ausstellern ist die Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf. „Die Leute finden es richtig toll, dass sich die JVA hier auch präsentiert“, sagt Mitarbeiter Martin Willing. „Endlich erfährt man mal, was hinter den Mauern passiert“, habe ein Besucher gesagt. Sein Kollege und er hätten mehr als hundert Informationsgespräche geführt. Die zentrale Frage dabei sei gewesen, ob es bei der Justiz auch Aufstiegschancen gebe, und die Antwort laute ja. Vom Psychologen über die Anstaltsärztin und den Seelsorger bis hin zum Justizvollzugsbeamten reiche die Palette der Berufe.

Auch die Göttinger Firma Flynet ist vertreten. Geschäftsführer Ulrich Büchner und mehrere Azubis informieren über die Ausbildungsmöglichkeiten in dem Unternehmen. Der GöBit sei sehr wichtig, sagt Büchner, um junge Menschen für seine Firma zu interessieren. „Der Medienstandort Göttingen ist ein relativ schwieriges Feld, da sind viele Großstädte attraktiver. Die guten Leute dennoch hier zu halten, ist eine Herausforderung.“ Azubi Maurice Merten (19) schwärmt derweil über seine dreijährige Ausbildung zum Mediengestalter. „Das schöne an dem Beruf ist, dass man jeden Tag etwas Neues lernt.“ Und Lob bekommt. Immerhin habe sein Berufsschullehrer Maurice „eine große Zukunft vorausgesagt“, sagt Büchner.

Derweil sind Dana Fraatz (17) und Dana Wasmuth (16) noch auf der Suche nach einer passenden Ausbildung. „Ich interessiere mich für Wirtschaft, deshalb würde ich gerne Industriekauffrau werden oder später in der Marketingabteilung eines großen Unternehmens wie Sartorius oder Novelis arbeiten. Dort hätte ich bestimmt die besten Chancen, mich hochzuarbeiten“, sagt Fraatz. Wasmuth würde gerne ein duales Studium in einem größeren Betrieb absolvieren. „Der GöBit ist eine echt gute Idee, weil sich hier viele Unternehmen präsentieren.“

Foto: Heller

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Protest verläuft friedlich

Diskussionen hatte es bereits im Vorfeld des Berufsinformationstags um die Demonstration mit dem Titel „Kein Werben fürs Sterben“ gegeben. Erst war die Kundgebung auf dem Gelände der BBS II gegen die Beteiligung der Bundeswehr am GöBit von der Stadt genehmigt, am Freitag dann aber abgelehnt worden. Erst nachdem der Anmelder ein Eilverfahren vor Gericht angestrengt hatte, durfte der Protest gegen die Bundeswehr doch auf dem Schulgelände stattfinden.

Gegen Mittag entrollten am Sonnabend ein halbes Dutzend Aktivisten vor dem Informationsstand der Bundeswehr in der Sporthalle der BBS II für einige Minuten ein Plakat mit der Aufschrift „Bundeswehr: wegtreten“ Kein Militär an Schule, Uni oder sonstwo.“ Der Protest sei aber vollkommen friedlich verlaufen, teilte die Polizei auf Nachfrage mit.

Danach postierten sich die Aktivisten wieder an ihrem Stand vor dem Gebäude. „Wir haben größtenteils positive Rückmeldungen bekommen“, sagte der Anmelder der Kundgebung und des Infostandes, Daniel Hornung. „Ich hoffe, dass der Protest irgendwann dafür sorgt, dass die Bundeswehr im schulischen Umfeld nicht mehr fürs Sterben werben darf“, sagte Hornung.

Er habe nichts gegen die Kundgebung, sagte Alexander Klaus, stellvertretender Leiter des Karriereberatungsbüros der Bundeswehr in Göttingen. „Meinungsfreiheit wird auch bei der Bundeswehr groß geschrieben.“ Er sei gerne zu einem offenen Dialog bereit. Auslandseinsätze gehörten zum Soldatenberuf dazu, das sage man den Bewerbern ganz deutlich. Man wolle schließlich „offen und ehrlich beraten“. Die Bundeswehr biete aber auch viele Vorteile. Man habe gute Aufstiegschancen, werde sehr gut ausgebildet und könne kostenlos an einer der Bundeswehr-Unis studieren. Zudem gebe es nicht nur Berufe im militärischen, sondern auch im zivilen Bereich, zum Beispiel in der Verwaltung. „Nicht jeder, der zur Bundeswehr kommt, trägt eine Uniform“, sagte Klaus.

„Betriebe suchen junge Menschen“

Rund 3600 Besucher haben die Veranstalter des Berufsinformationstags verzeichnet. Das seien etwas weniger als in den Vorjahren, sagten die Mitorganisatoren Ines Puschmann und Ingolf Busse von den BBS II. Dennoch seien sie mit der Resonanz zufrieden.

Parallel nehme das Interesse der Aussteller immer weiter zu, sagte Puschmann. „Die Betriebe suchen interessante junge Menschen für die Ausbildung.“ Besonders das Handwerk habe Schwierigkeiten, junge und geeignete Interessenten zu finden. Das betreffe vor allem Bautechnik, Metalltechnik und Versorgungstechnik. Beim GöBit könnten sich die Besucher ein Bild von den Berufsfeldern machen und erfahren, was den einzelnen Beruf ausmacht und welche Anforderungen die Betriebe an junge Menschen stellen. Die Aussteller seien insgesamt sehr zufrieden gewesen, sagte Busse. Viele hätten Adressen ausgetauscht und bereits Termine mit Interessenten für Beratungsgespräche ausgemacht.

Bei vielen jungen Menschen sei das Studium sehr gefragt, sagte Tobias Broda, Bereichsleiter bei der Göttinger Bundesagentur für Arbeit. Auch ein Übergangsjahr wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Auslandsaufenthalt stünden bei vielen ganz oben auf der Liste. Sie wollten das Jahr nutzen, um sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen. „Wir bestärken sie auch darin, schließlich sorgt das für eine fundierte Lebenserfahrung.“

Im Sektor Ausbildung sei der kaufmännische Bereich sehr gefragt, erklärte Broda. Weniger angesagt seien hingegen diverse handwerkliche Berufe und die gewerbliche Industrie. Dort gebe es noch Nachholbedarf. „Am Ende muss es aber zu den Stärken eines jeden Einzelnen passen. Wir wollen niemanden umberaten.“

Der GöBit sei jedenfalls sehr wichtig, sagte Broda. Denn viele junge Menschen hätten gar keine genaue Vorstellung, welchen Beruf sie ergreifen wollen. So hätten mehr als 400 Besucher den Berufsorientierungstest der Bundesagentur für Arbeit genutzt, um überhaupt erst mal zu wissen, welche Berufe für sie in Frage kommen. afu

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