Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Unbestimmt und widersprüchlich

44-Jähriger vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen Unbestimmt und widersprüchlich

Ein 44-jähriger Mann aus dem Landkreis Göttingen ist vom Vorwurf der Vergewaltigung und anderer Sexualstraftaten freigesprochen worden. Die Aussagen der angeblichen Opfer seien zu unbestimmt und zu widersprüchlich gewesen, um eine Verurteilung zu rechtfertigen, befand das Göttinger Landgericht.

Voriger Artikel
Bundesmittel für Otfried-Müller-Haus
Nächster Artikel
„Entscheidungen ohne populistische Anwandlungen"

Symbolbild

Quelle: dpa

Göttingen. Dem Mann war vorgeworfen worden, seine frühere Lebensgefährtin zweimal vergewaltigt und deren Tochter in fünf Fällen sexuell bedrängt zu haben. Die Vorgänge in Gieboldehausen und Rittmarshausen liegen jedoch schon lange zurück – in einem Zeitraum von September 2002 bis Februar 2003.

Doch erst im Jahr 2010 erstatteten Mutter und Tochter Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, stellte die Verfahren jedoch im April 2012 ein. Begründung: Die Mutter habe nachweisen können, dass sie sich gegen den ungewollten Geschlechtsverkehr in für eine Anklageerhebung ausreichendem Maße gewehrt habe. Die mit dem sexuellen Übergriff verbundenen Gewalttaten seien zudem mittlerweile verjährt. Und die Tochter habe ihre Vorwürfe sowohl zeitlich als auch inhaltlich nicht ausreichend präzisieren können. Doch Mutter und Tochter legten nach und erhoben weitere Vorwürfe, bis die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wieder aufnahm – bis hin zur Anklageerhebung.

Vor der Urteilsverkündung am Freitag ließ sich das Gericht eine dreistündige Expertise eines psychiatrischen Gutachters vortragen, der sich ausschließlich mit der Glaubhaftigkeit der beiden Anzeigeerstatterinnen befasste. Die sei durchaus gegeben, die in den Anzeigen und Vernehmungen bei der Polizei abgegebenen Schilderungen seien weitgehend oder überwiegend „erlebnisfundiert“, also nicht erfunden.

Dem aber wollte niemand richtig folgen. Nicht nur die Verteidigung, sondern auch die Staatsanwaltschaft forderte Freispruch für den Angeklagten – vor allem, weil die Aussagen der beiden Frauen bei ihren Vernehmungen im Gerichtssaal zu den sexuellen Übergriffen zu unbestimmt und teils widersprüchlich gewesen seien. Auch die Rechtsvertreterin der beiden Nebenklägerinnen stellte keinen konkreten Strafantrag.

Das Gericht schloss sich in seinem Urteil der Wertung von Staatsanwaltschaft und Verteidigung an. Beispielsweise vertrage sich die vorgetragene Scheu der Tochter, sich zu sexuellen Themen zu äußern, kaum damit, dass sie jahrelang als Prostituierte gearbeitet habe. Auch dass die beiden Frauen ihre anfangs überschaubaren Vorwürfe im Laufe der Zeit immer weiter ausgeweitet hätten, spreche nicht gerade für die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen. Die ursprüngliche Entscheidung der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen den Mann einzustellen, sei wohl die richtige gewesen. Ergebnis: Freispruch.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Tanzende Schneeflocken im "Kauf Park"