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50 Jahre Angersteiner Siedlung „Neu-Böseckendorf“

Gedenkfeier am Wochenende 50 Jahre Angersteiner Siedlung „Neu-Böseckendorf“

Vor 50 Jahren wurden die Siedlung Neu-Böseckendorf in Angerstein geweiht und der Grundstein für die katholische Kirche, heute Jugendkulturzentrum, gelegt. Mit einem Jubiläumsabend soll am Sonnabend, 12. September, an die Zeit erinnert werden.

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Bernward Klingebiel zeigt Böseckendorf auf der Karte.

Quelle: ENZ

Angerstein. „Viele wissen ja gar nicht, wie das hier entstanden ist“, sagt Bernward Klingebiel vom Eichsfelderverein „Neu-Böseckendorf“ in Angerstein. Dort sei eine neue Siedlung für die Flüchtlinge von jenseits des Stacheldrahts entstanden. Auch Klingebiel war einer von ihnen.

 
Mit seiner Familie kam der damals 18-Jährige nicht am 2. Oktober an, wie die meisten anderen Flüchtlinge aus Böseckendorf. Erst drei Wochen später floh die Familie. Klingebiel war damals in Mühlhausen, dort besuchte er die Landwirtschaftsschule. In einer Ausbuchtung der Grenze lag Böseckendorf im Sperrgebiet, dorthin durfte er nur mit Genehmigung fahren. Und die bekam er eben erst drei Wochen später. Am letzten Oktobertag um 14 Uhr zogen die Eltern mit Pferd und Wagen los. Wie zur Feldarbeit hatten sie sich aufgemacht. Der Wagen hatte einen doppelten Boden“, erzählt Klingebiel. „Ich habe mit meiner Schwester unten drin gelegen.“ Lange hatten die Böseckendörfer auf eine Begradigung der Grenze gehofft. Dann wäre allen die Flucht erspart geblieben.

 
Pfarrer Scheperjans setzte sich dafür ein, dass die Böseckendörfer zusammenbleiben konnten. Doch es sollte vier Jahren dauern, bis er das Angersteiner Land fand. Nirgendwo wollten die Menschen laut Klingebiel so viele Flüchtlinge auf einmal aufnehmen.

 
Ihr Grundstück zogen seine Eltern per Los. Bernward Klingebiel zeigt das alte Foto, das sie zeigt, als sie das Los aus dem Hut ziehen. Die Verlosung der Parzellen war an einem Freitag. Am Sonnabend sei die Familie mit dem Fahrrad losgefahren, um sich anzusehen, wo sie bauen würden. Bis heute ist Klingebiel dort geblieben. Doch nur sechs Familien aus Böseckendorf kamen wie er in die neue Siedlung, viele hatten schon anderswo Fuß gefasst.

 
Mit einem Jubiläumsabend am Sonnabend, 12. September, mit Ausstellung, Film und Vortrag zur Geschichte der Siedlung wird an die Zeit damals erinnert. Beim Frühschoppen am Sonntag, 13. September, um 11 Uhr spielt die Bigband Combeau. Die Feierlichkeiten richten der Eichsfelderverein und die Jugendinitiative Angerstein aus. enz

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