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50 Millionen Euro über Südniedersachsenprogramm für Region Göttingen

Projekte mit Strahlkraft 50 Millionen Euro über Südniedersachsenprogramm für Region Göttingen

Mindestens 50 Millionen Euro EU-Fördermittel sollen in den nächsten fünf Jahren über das Südniedersachsenprogramm in die Region fließen.  Das Koordinierungsbüro für den Plan hat seinen Sitz in Göttingen. Im nächsten Jahr soll die Finanzierung von Projekten beginnen. Der neue Gesundheits­campus in Göttingen ist eines der zentralen Vorhaben in dem ­Programm.

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Es geht voran: Als ein Projekt des Südniedersachsenplans wollen die Universitätsmedizin und die HAWK in Göttingen ein neuen „Gesundheitscampus“ realisieren.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Göttingen. „Das Südniedersachsenprogramm – Aufbruch und Innovation für eine Region“ heißt ein Projekt der Landesregierung. Damit sollen in den nächsten Jahren bis zu 100 Millionen Euro in der Region investiert werde. Die Hälfte davon als EU-Fördermittel, die andere Hälfte muss teils mit kommunalen Mittel gegenfinanziert werden. Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit der Landkreise zu sichern.

Kein neues Ziel. Auch die Stadt- und Landkreisverwaltungen wollen das, viele Einrichtungen und Institutionen bewerben sich um die verschiedenen Fördertöpfe. „Neu ist, dass in dem Südniedersachsenprogramm gezielt Projekte finanziert werden sollen, die eine Strahlkraft auf Göttingen, Osterode, Northeim, Holzminden und Goslar ausüben“, erklärt Ulrike Witt, die das Programmbüro in Göttingen leitet. „Mehr Dynamik durch know-how-Transfer“ nennt sie als noch etwas abstraktes Motto.  Aber was heißt das konkret für die Region Südniedersachsen?

Wirtschaft, Mobilität,  Wissensvernetzung, Energie, Gesundheit, Soziales: Das nennt Witt als zentrale Themen für die Förderung.  Noch stehen die Förderrichtlinien nicht fest, das OK der EU fehlt noch. Zwar klingeln in ihrem Büro häufig die Telefone, konkret kann sie aber diese Fragen nach den finalen Voraussetzungen zur Zeit noch nicht beantworten.

Richtlinien stehen im März fest

„Die konkreten Richtlinien stehen vermutlich im März fest“, sagt Witt. Wer dann mit seiner Bewerbung ins Raster passt, wird vom Steuerungsausschuss bewertet. Darin sitzen unter anderem die Landräte der fünf Kreise, der Göttinger Oberbürgermeister, die Landesbeauftragten und weitere Bürgermeister.

Auch wenn die Richtlinien und Zeitfenster noch nicht feststehen, im Hintergrund wird bereits kräftig an einigen Projekten gearbeitet. Das, so nennt es die Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta (SPD) „Leuchtturmprojekt“ ist der Gesundheitscampus. Das ist eine neue Ausbildungsstätte mit rund 600 Studienplätzen, eine Kooperation von Universitätsmedizin und HAWK in Göttingen.

Ein weiteres Beispiel: Die Göttinger Beschäftigungsförderung in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen habe bereits gute Erfolge im so genannten „Übergangsmanagement“ erzielt. Gemeint ist der Übergang von der Schule in den Beruf bei jungen Menschen.

Erfolge auf Landkreise ausdehnen

Diese Ideen, die auch in den anderen Landkreisen angewendet werden können,  werden laut Witt bereits gesammelt und fixiert. „Wenn dann die Förderrichtlinien feststehen, können einen Antrag stellen. „So könnten wir die  Göttinger Erfolge auf die anderen Landkreise ausdehnen.“

Witt weiß genau, wie solche Anträge formuliert sein müssen und was sie beinhalten müssen, um förderfähig zu sein.  Sie hat lange in Landesministerien gearbeitet und weiß, dass gerade aus Südniedersachsen nicht selten Anträge so unglücklich gestellt wurden, die nicht als förderfähig anerkannt wurden.

Der größte Teil der Gelder, die bis mindestens 2010 fließen sollen, wird nach Ansicht Witts in die Bereiche Wirtschaft und Verkehr fließen. Der Innovationscampus, den die Südniedersachsenstiftung gemeinsam mit Hochschulen und anderen Organisationen in der Region  nennt sie als „klassisches Beispiel“, das in das Südniedersachsenprogramm passen könnte.

„Wir gucken eher auf den Modellcharakter“

Auch die Mobilität, besonders die Anbindung der kleinen Orte, sei ein Riesenthema. Auch hier laufen  bereits Überlegungen für Projekte. Gemeinsam mit dem Verkehrsverbund und Forschungseinrichtungen will man herausfinden, wann und wie der Bedarf überhaupt da ist. 

„Wir wollen Methoden entwickeln und gucken, was sich ändern muss“. Dabei sei in einem solchen Förderprogramm vielleicht auch einmal Platz für Visionen, für radikale Fragen und Lösungsansätze. „Vielleicht ist das hier der Raum für ganz neue Lösungen, das wollen wir einfach mal ausprobieren.“

Dabei versteht sie sich auch als Moderatorin und Vermittlerin. Wenn die Frage nach der Förderung eines kleinen örtlichen Projekts, wie Fahrgemeinschaften, aufkomme, sei das eher nicht für diesen landkreisübergreifenden Topf geeignet. „Wir gucken eher auf den Modellcharakter“, sagt sie. Witt weiß dann aber, welche Töpfe passen könnten – beispielsweise Leader-plus. Das ist es wohl, was im Programm ständig mit „Vernetzung“ gemeint ist.

CDU: „Mogelpackung“

Das Kabinett die niedersächsischen Landesregierung hat das Südniedersachsenprogramm im Dezember  verabschiedet. Schon im Wahlkampf  2013 war Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) damit in die Offensive gegangen. 100 Millionen Euro – zur Hälfte aus EU-Mitteln – sollen in die Region fließen.

Die SPD-Abgeordnete Frauke Heiligenstadt verspricht zudem: „Das Land Niedersachsen wird den finanzschwachen Kommunen hinaus helfen, die für den Erhalt der EU-Fördergelder notwendige Ko-Finanzierung zu bewältigen“.  Vorbehaltlich der Zustimmung des Landtages, würden Kommunen mit weit unterdurchschnittlicher Steuereinnahmekraft ergänzende Zuweisungen zur Ko-Finanzierung ihrer Projekte gewährt.

Die CDU im Landtag kritisiert das Südniedersachsenprogramm als als „dreiste Mogelpackung“. Der Holzmindener CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Schünemann: „Mit einem eigenständigen EU-Programm für die Region ist der Ministerpräsident in Brüssel gescheitert.

Statt des versprochenen 100 Millionen Euro umfassenden Sonderprogramms will Rot-Grün die Kommunen mit 50 Millionen Euro abspeisen, die auch größtenteils mit eigenen Mitteln gegenfinanziert werden müssen.“ Schünemann weiter: „Zehn Prozent der Niedersachsen leben im Süden und dann werden für diese Region lediglich 50 Millionen Euro von 2,5 Milliarden Euro Gesamtförderung reserviert.“

Das Programm

Die niedersächsische Landesregierung will den Süden des Bundeslandes fördern aufwerten. Das Programm greife die aktuellen Herausforderungen durch die demografischen und wirtschaftlichen Veränderungen in der Region sowie die deutlich verschärften Wettbewerbsbedingungen auf, hieß es im Programm.

Als Südniedersachsen gelten die fünf Landkreise Göttingen, Goslar, Holzminden, Northeim und Osterode sowie die Stadt Göttingen.

Sechs Arbeitsschwerpunkte sind in dem Papier benannt:
1. Virtuelle Mobilität schaffen und nutzen,
Ausbau der informations- und kommunikationstechnologischen Infrastruktur in Südniedersachsen
(Breitband); Entwicklung neuer Geschäftsmodelle
2. Regionale Mobilität weiter entwickeln, Mobilität als zentraler Anknüpfungspunkt zur Sicherung der Daseinsvorsorge und zur
Erhalt und der Attraktivität der Region
3. Wissensaustausch und Technologietransfer intensivieren, Bessere Vernetzung der Bildungs- und Hochschullandschaft mit der Regionalwirtschaft
4. Arbeitskräftepotenziale entfalten, Aktivierung von Beschäftigungsressourcen
5. Kulturelle und landschaftliche Attraktivität sowie Wirtschaftskraft des Tourismus steigern
6. Daseinsvorsorge und Lebensqualität der Region sichern
Erhalt einer hinreichenden Grundversorgung bei Bildung, medizinischer Versorgung. bib

Gesundheitscampus: Konzept geprüft und für gut befunden

Göttingen. Eines der großen Projekte im  Südniedersachsenprogramm ist der neue Gesundheitscampus. Das gemeinsame Projekt von Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst  Hildesheim / Holzminden / Göttingen (HAWK) soll ein Ausbildungszentrum für medizinische Berufe werden und Studiengänge beispielsweise im Bereich Pflege, Physiotherapie und Logopädie beinhalten.

Die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta hofft, dass bereits in diesem Jahr erste Studienangebote bereist im Wintersemester 2015/2016 beginnen können. „Neu ist bei unseren Überlegungen, dass die innovativen Studiengänge das Thema Gesundheit aus unterschiedlichen Anforderungen von Patienten ebenso wie aus Erkenntnissen unterschiedlicher Professionen betrachten und mit regionalen Herausforderungen der gesundheitlichen Versorgung vernetzen sollen“, sagt Annette Probst, Vizepräsidentin für Studium und Lehre und Projektleiterin an der HAWK.

Das Konzept für das Ausbildungszentrum liegt bereits in Hannover vor. „Die Landesregierung hat es bereits geprüft und für gut befunden“, so Andretta. „Jetzt geht es um die Umsetzung des Konzeptes.

Noch keine Planungen für Campus

Daran wird kräftig mit allen Beteiligten vom Südniedersachsenbüro, UMG und HAWK gearbeitet. Stefan Weller, Sprecher UMG bestätigt: Die Projektplanung geht extrem zügig und konstruktiv voran: Start der ersten Planungen war im Jahr 2014, die Kick-Off-Veranstaltung für die Konzeptentwicklung Anfang Juni 2014.

Der Gesundheitscampus läuft im Südniedersachsenprogramm unter dem Arbeitsschwerpunkt Innovationsförderung Schwerpunktbereich Gesundheitswirtschaft. Demnach soll der Campus „neue Möglichkeiten für die Gesundheits- und Pflegeversorgung im ländlichen Raum eröffnen und Südniedersachsen zu einer bedeutenden Rolle in der ärztlichen Pflege und Versorgung  verhelfen.“

Wo der Campus entstehen soll, steht laut Probst und Weller noch nicht fest. „Dazu gibt es noch keine Planungen“, sagt Weller. Auch zu dem Investitionsvolumen machen die Verantwortlichen noch keine Angaben. „Da noch etliche Fragen offen sind, gibt es derzeit noch keine konkrete Finanzplanung“, so der UMG-Sprecher. Laut Andretta sollen rund 600 Studienplätze entstehen.

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