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500 Demonstranten behindern rechten Aufmarsch

"Freundeskreis Thüringen/Südniedersachsen" 500 Demonstranten behindern rechten Aufmarsch

Mehr als 500 Menschen haben am Sonnabend überwiegend friedlich gegen eine „Mahnwache“ des rechten "Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen" protestiert. Bei Auseinandersetzungen von Mitgliedern der autonomen linken Szene mit der Polizei wurden mehrere Personen verletzt,  darunter die SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta.

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Rund 500 Demonstranten des Bündnis gegen Rechts haben am Sonnabend in Göttingen die Kundgebung des sogenannten "Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen" behindert.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Etwa 15 Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen. „Haut ab! Haut ab!“ Immer wieder skandierten die etwa 500 Demonstranten an der Berliner Straße laut Parolen gegen das kleine Grüppchen auf der anderen Seite des Bahnhofsvorplatzes. Dort am Eingang standen etwa 50 Unterstützer des „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ - darunter mehrere bekannte und bekennende Mitglieder der NPD und rechten Szene in Südniedersachsen und Thüringen. Provozierend breitbeinig standen sie an der Absperrung, schwenkten Deutschlandfahnen und winkten den Gegendemonstranten zu. Ihre Redebeiträge blieben ungehört – sie wurden übertönt von dem lautstarken Protest auf der anderen Seite des Platzes.

Mit großem Aufgebot hatte die Polizei bereits am frühen Sonnabendmorgen den Bahnhofsvorplatz abgeriegelt, um die angekündigten Kundgebungen zu trennen. Seit dem Mittag demonstrierten gut 500 Unterstützer eines breiten Göttinger Bündnisses gegen Rechts unter Regie des Deutschen Gewerkschaftsbundes gegen den Aufmarsch des „Freundeskreis“ - darunter Kirchenvertreter und Kommunalpolitiker aller Parteien, studentische Gruppen, Mitglieder der Antifaschistischen Linken A.L.I. und viele Familien mit Kindern. Mehrere Redner betonten, dass Göttingen keinen Raum für nationalistische und rassistische Gruppierungen biete.

AfD und der „Freundeskreis“ stünden für eine Politik gegen die Menschen und nicht für die Menschen, mahnte der DGB-Regionsvorsitzende Lothar Hanisch und fügte an: „Wir wollen euch hier nicht.“ „Göttingen wehrt sich gegen rechte Gesinnung und zeigt Gesicht“, ergänzte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). Auch der CDU-Ratsherr Ludwig Theuvsen forderte, dass „Rechtspopulismus in Göttingen und Deutschland keinen Boden gewinnen darf“. Zugleich appellierte er an alle demokratischen Gruppierungen, gemeinsam Argumente gegen Pegida, Legida, AfD und den „Freundeskreis“ zu finden. Der Göttinger Ratsherr Patrick Humke (Antifa Linke) bezeichnete den „Freundeskreis“ und seine Unterstützer als „geistige Brandstifter einer faschistischen Gesinnung“.

AfD und Nazis seien nur schwer zu unterscheiden, ergänzte für die Grünen im Kreis Göttingen Marie Kollenrott. Deren Ziel sei es, mit rechten Ideologien auszugrenzen und Hilflosen zu schaden: „Das werden wir in Göttingen nicht zulassen – wir sind da, wo ihr seid.“ Es sei auch „nicht hinnehmbar“, dass der „Freundeskreis“ mit zwei bekannten Unterstützern unter den Studierenden an der Uni vertreten sei, protestierte die Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (ASTA), Vivien Bohm. Für die evangelische und katholische Kirche betonte Göttingens Superintendent Friedrich Selter, dass sich die Religionsgemeinschaften „deutlich gegen jeden rechtspopulistischen Gedanken abgrenzen“.

Noch bevor der „Freundeskreis“ aufmarschierte, hatten überwiegend vermummte Gegendemonstranten versucht, die Absperrung der Polizei zu durchbrechen. Einigen gelang es, in den abgesperrten Bereich einzudringen. Nach Polizeiangaben sollen Angreifer dabei Reizgas versprüht haben. Beamte selbst hätten gegen die „Störer“ Pfefferspray eingesetzt. Ob dadurch auch die Landtagsabgeordnete Andretta an den Augen verletzt wurde, sei noch nicht geklärt. Nach der Attacke forderte ein Polizeisprecher alle Demonstranten auf, Mützen, Armschoner und ähnliche Dinge zum Eigenschutz und zur Vermummung abzulegen und drohte mit Festnahmen. Auch der Versammlungsleiter und Sprecher des Bündnisses Hanisch forderte per Mikrofon zur Besonnenheit auf.

Im Lauf der Veranstaltung wurden nach Polizeiangaben 15 Personen vorübergehend festgesetzt und ihre Personalien aufgenommen. Ihnen drohten Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Landfriedensbruchs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Insgesamt hätten sich etwa 140 Mitglieder der „militanten linken Szene“ an der Demo beteiligt. Bis zum Abschluss der ansonsten friedlichen Kundgebung hielt die gereizte Stimmung im Bereich der Absperrung an – immer wieder bewarfen Demonstranten Polizisten und die Mitglieder des „Freundeskreis“ mit Äpfeln.

„Das Einsatzkonzept der Polizeiinspektion Göttingen ist aus meiner Sicht voll aufgegangen“, kommentierte anschließend der Göttinger Polizeipräsident Uwe Lührig die Veranstaltung. Zugleich bedankte er sich „auch bei den vielen friedlichen Demoteilnehmern sowie dem Versammlungsleiter für die sehr gute Kooperation und die ständige Abstimmung mit der Einsatzleitung der Polizei“.

Die Mitglieder der „Mahnwache“ des „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ waren gegen 14 Uhr mit dem Zug angereist. Nach gut einer Stunde verließen sie Göttingen auf dem gleichen Weg wieder: in Richtung Kassel.

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